Gute Beispiele aus

Welt: Trends zu nachhaltiger Wasserwirtschaft

Der Schutz natürlicher Wasserreservoirs ist nachhaltig und zahlt sich aus. Hier das Ashokan Reservoir in New York State. Foto: ScubaBear68/CC by 2.0

Von Stephen Leahy



Uxbridge, Kanada, 18. Januar 2013 (IPS) – Nachdem Hurrikan ‚Sandy‘ im Oktober 2012 über den Nordosten der USA hinweggefegt war, mussten Millionen Einwohner von New York vier Tage lang ohne Strom zurechtkommen. Dank der Wasserschutzgebiete im Umkreis der Stadt hatten sie aber wenigstens genug Trinkwasser.

Anstatt auf elektrisch betriebene Wasseraufbereitungsanlagen zurückzugreifen, leitet die Stadt das qualitativ hochwertige Trinkwasser aus den nahegelegenen Wäldern und Feuchtgebieten in Catskill im US-Bundesstaat Delaware mit Hilfe von Aquädukten zu den Verbrauchern. Das Beispiel zeigt, wie der Schutz von Wassereinzugsgebieten die Versorgung der Bevölkerung in Städten preisgünstig sicherstellen und Überschwemmungen und Verschmutzung vorbeugen kann.

Indem New York die umliegenden Wälder schützt und Bauern dafür bezahlt, die Seen und Flüsse möglichst sauber zu halten, konnte die Stadtregierung bis zu sechs Milliarden US-Dollar einsparen, die ansonsten für den Betrieb von Wasseraufbereitungsanlagen fällig geworden wären.

2011 investierten Länder weltweit mehr als acht Milliarden Dollar in ähnliche Projekte, wie aus dem am 17. Januar veröffentlichten Bericht ‚State of Watershed Payments 2012‘ hervorgeht. An der Spitze stand China, das in jenem Jahr einen Anteil von 91 Prozent an den globalen Investitionen für den Schutz von Wassereinzugsgebieten hatte.

Investitionen in Ressourcen zahlen sich aus



„Ob es nun darum geht, das wasserarme China vor dem wirtschaftlichen Ruin zu retten oder das Trinkwasser für New York zu schützen – Investitionen in Rohstoffe erscheinen als der kostengünstigste und effizienteste Weg, um sauberes Wasser zu garantieren und unsere Flüsse und Grundwasseradern, die gefährlich viel Wasser verloren haben, wieder aufzufüllen“, sagte Michael Jenkins, der Vorsitzende der US-Organisation ‚Forest Trends‘, die den Bericht erstellt hat.

Frühere Studien haben bereits ergeben, dass Wasserverschmutzung, der Bau von Staudämmen, Abwässer aus der Landwirtschaft, die Umwandlung von Feuchtgebieten und Wasseringenieursprojekte weltweit Flüsse geschädigt haben. Je reicher ein Land sei, desto größer seien die Gefahren für seine Flüsse, vor allem wegen der hohen Kosten der Ingenieursarbeiten, heißt es in der weltersten Untersuchung des Zustands von Flüssen. 

Angesichts der in den neunziger Jahren üblichen Ingenieursprojekte sei es nicht einfach gewesen, die Gesundheitsbehörden in New York davon zu überzeugen, dass ein neues ‚grünes‘ Modell der Wasserversorgung der Stadt funktionieren würde, sagte Genevieve Bennett, die Hauptautorin des Bericht von ‚Forests Trends‘.

„Bäume, Gräser und andere Pflanzen sind sehr effizient, um Wasser zu reinigen und zu speichern. Sie tragen dazu bei, Sedimentablagerungen zu reduzieren, die Wasserreservoirs verstopfen können“, erklärte die Expertin. „Die Vorteile dieser Programme reichen weit über den Schutz des Wassers hinaus. Sie leisten auch einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, senken die Treibhausgasemissionen und sichern der armen Bevölkerung in ländlichen Regionen ein Einkommen.“

Bei dem in New York umgesetzten Programm erhalten die Farmer im Umland Geld, wenn sie Techniken zur Schonung der Böden und der Wasserquellen verwenden. Diese Zahlungen für vorbildliches Verhalten kommen laut Bennett letztlich der breiten Öffentlichkeit zugute.

Die von den Regierungen festgelegten Richtlinien bleiben jedoch in vielen Ländern ein größerer Hemmschuh für ähnliche Schutzmaßnahmen. Die gut dokumentierte Erfolgsstrategie New Yorks hat bisher nur wenige Nachahmer gefunden. Selbst Städte in China und Indien zeigen sich zurückhaltend, obwohl dort neue Ingenieursprojekte generell auf großes Interesse stoßen.

In bestehende Ökosysteme zu investieren sei besser, als sie zu zerstören und dies dann durch neue Anlagen wieder wettmachen zu wollen, meint Charles Vörösmarty, ein Experte auf dem Gebiet der globalen Wasserressourcen. Die Kosten für die Wasserwirtschaft würden in die Höhe schießen, wenn Entwicklungsländer sich die Modelle von Industriestaaten zu Eigen machten, warnte er.

China vergibt Gesundheitsboni für umweltbewusstes Verhalten



China gehört zu den Staaten, die dem Bericht zufolge einen neuen Weg eingeschlagen haben. Etwa 108.000 Bewohner wasserknapper Gemeinden nahe der südlichen Küstenstadt Zhuhai profitieren von besonderen Gesundheitsversicherungsleistungen, wenn sie Maßnahmen zur Verbesserung der Trinkwasserqualität in der Region befolgen. „Investitionen in den Schutz von Wassergebieten werden in China auf unterschiedliche Weise getätigt“, sagte Bennett. „Einige davon sind gut, andere nicht.“

In Lateinamerika setzt es sich immer weiter durch, Bauern statt Geld andere Formen von Entschädigungen anzubieten. Im Tal von Santa Cruz in Bolivien beispielsweise erhalten mehr als 500 Familien Bienenstöcke, Pflanzen zur Obstzucht und Draht, mit dem sie ihre Weiden einzäunen und somit das Vieh von den Flüssen fernhalten können.

In Schweden hat eine lokale Wasserbehörde im Gullmar-Fjord Muschelbänke anlegen lassen, um Nitrat auszufiltern. Dies war kostengünstiger als der Bau einer neuen Kläranlage am Ufer. In Uganda zahlt ein Brauereiunternehmen für den Schutz der Feuchtgebiete, damit diese weiterhin genug Wasser speichern.

Die meisten Investitionen in den Wasserschutz werden bislang mit öffentlichen Geldern getätigt. Wie Bennett kritisiert, sieht die Privatwirtschaft nach wie den Staat in erster Linie zuständig, wenn es um die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser geht. Die öffentliche Hand wird aber kaum die 17,7 Billionen Dollar aufbringen können, die nach Einschätzung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis 2030 für den Ausbau und den Unterhalt der Wasserinfrastruktur notwendig werden.

Eine „grüne“ Infrastruktur für Wasser sei bei weitem die billigste Lösung und habe zudem viele andere Vorteile,  so Genevieve Bennetts Bericht abschließend.

 

 

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