Gute Beispiele aus

Welt: Indigene wollen Kräfte für Waldschutz bündeln

Indigene haben sich in Darwin darauf verständigt, mit einer Stimme zu sprechen, um sich weltweit Gehör zu verschaffen – Bild: Milagros Salazar/IPS

Von Milagros Salazar

Darwin, Australien, 30. Mai (IPS) – Die RepräsentantInnen indigener Völker, die sich im australischen Darwin vier Tage lang über wirksame Methoden zum Schutz von Wäldern und Gewässern ausgetauscht haben, wollen ihre Kräfte stärker bündeln, um ihren Einfluss auf die Regierungen zu erhöhen.

„Wir müssen mit einer Stimme sprechen, um gehört zu werden“, meinte einer von zehn ReferentInnen, die ausgewählt worden waren, um die Diskussionspunkte und Ergebnisse der Konferenz des ‚World Indigenous Net‘ (WIN) vom 26. bis 29. Mai in Darwin zusammenzufassen. Insgesamt hatten 1.200 indigene RepräsentantInnen aus 50 Ländern an dem Treffen teilgenommen.

Auf der von Australien gesponserten Veranstaltung in der Hauptstadt von Northern Territory waren erfolgreiche Umweltschutzprojekte vorgestellt und ausgezeichnet worden, die sich positiv auf die Ökosysteme, Artenvielfalt und Ernährungssicherheit in Afrika, Asien, Latein- und Nordamerika ausgewirkt haben.

„Ohne unsere Wälder sind wir nichts“, meinte Juan Chávez, ein Shipibo-Indigener aus der ostperuanischen Region Ucayali, am Rande einer WIN-Veranstaltung in Australien. Zusammen mit anderen ist es ihm gelungen, sechs Shipibo-Gemeinschaften davon abzuhalten, ihre Wälder gegen schnelles Geld abzuholzen. In Zusammenarbeit mit der peruanischen Vereinigung für integrale Forschung und Entwicklung (AIDER) werden dort nun nachhaltige Land-, Wasser- und Waldbewirtschaftungsmethoden angewandt.

Dieses Projekt ist eines von vielen, die die Äquator-Initiative des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) ausgezeichnet hat. Die Initiative bringt UN-Vertreter, Regierungen, Zivilgesellschaft, Unternehmen und Graswurzelorganisationen zusammen, damit sie lokale und nachhaltige Lösungen zum Schutz der Natur erarbeiten und indigene Gemeinschaften befähigen, diese auch umzusetzen.

Die Gemeinschaft der Ando-Kpomey im westafrikanischen Togo hat vor einem Jahrzehnt mit der Wiederaufforstung ihrer Gebiete begonnen. Jäger hatten das Grasland durch Brandrodung weitgehend zerstört. Inzwischen, so der 35-jährige Abgesandte der Volksgruppe, Koku Agbee Koto, habe man die Praxis erheblich zurückdrängen können. Auch wurden mehr als 100 Hektar Land wieder aufgeforstet, was 2.500 Dorfbewohnern zugutekommt.

Unterschiedliche Weltregionen, gleiche Probleme 



Das Treffen in Darwin hat verdeutlicht, dass sich südamerikanische Indigene mit ähnlichen Problemen und Gefahren herumschlagen müssen wie afrikanische Volksgruppen möglicherweise ähnlicher Lösungsansätze bedürfen. Koto und Chávez stimmten darin überein, dass die nachhaltige Land- und Waldbewirtschaftung und die Anpassung an den Klimawandel nicht mehr allein nur mit traditionellem Wissen auskommen. „Wir müssen indigene und wissenschaftliche Erkenntnisse gleichermaßen schätzen“, erläuterte der Peruaner.

Koto zeigte sich vor allem von einem Ökotourismusprojekt der Anja Miray in Madagakar beeindruckt. Es bringt Ältere, Kinder und andere armutsgefährdete Bevölkerungsgruppen, die sich an der Wiederaufforstung der Wälder und dem Kampf gegen die Landverödung beteiligen, in den Genuss einer Grundversorgung und finanziellen Förderung. Auch diese Initiative wurde von der Äquator-Initiative ausgezeichnet.

Doch wie können indigene Territorien geschützt werden, wenn der Staat ein erklärtes Interesse daran hat, diese wirtschaftlich auszubeuten? In Darwin wurde deutlich, dass sich alle Gemeinschaften weltweit mit diesem Problem konfrontiert sehen. Dazu meinte Melissa George vom australischen Volk der Wulgurukaba und Ko-Vorsitzende der Nationalen Beratergruppe von WIN, dass in ihrem Land die Rohstoffproduzten „immer gewinnen“.

Rückendeckung durch ILO-Konvention 

Der Schutz der Territorien hängt weitgehend von der Anerkennung und Umsetzung des internationalen Übereinkommens zum Schutz der indigenen Völker der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ab, das vorschreibt, dass Indigene Investitionsprojekten auf ihren Territorien vorab zustimmen müssen.

Peru ist bisher das erste Land der Region, das mit einer Sonderregelung dieses indigene Recht zu konkretisieren sucht. Hintergrund sind die vielen Konflikte, die durch die zahlreichen Bergbau-, Erdöl- und Infrastrukturprojekte entstehen.

Ecuador wiederum erkennt das Recht der Indigenen zwar verfassungsrechtlich an, doch fehlen die Normen, die für die Umsetzung des Rechtes im Sinne der Indigenenverbände erforderlich wären. „Ziel muss sein“, so Cristina Cambiaghi von der Nationalen Indigenenstiftung Brasiliens, „die indigenen Territorien zu schützen“.

 

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