Gute Beispiele aus

USA: Deinvestitionskampagne für den Klimaschutz gewinnt an Boden

An der berühmten Harvard University entschieden sich fast drei Viertel der Studierenden für "Divestment" zugunsten des Klimaschutzes. Foto: First daffodils /cc by 2.0

Von Carey L. Biron

Washington, 11. Februar 2013 (IPS) In den USA ist eine Deinvestitionskampagne zur Rettung des Klimas angelaufen, die in kürzester Zeit einige bemerkenswerte Fortschritte erzielen konnte. Sie richtet sich an Bildungseinrichtungen, Stadtregierungen und Pensionsfonds, die einen Teil ihres Vermögens in Erdöl- und Erdgasunternehmen investiert haben.

Am 5. Februar hat der Kontrollausschuss von San Francisco den Pensionsfonds der Stadt aufgefordert, seine in Waffenfirmen und Erdölkonzernen angelegten Gelder zurückzuziehen. Einen Tag später unterstützte der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, Klimaaktivist und Harvard-Absolvent, eine ähnliche Initiative mit Blick auf die Harvard-Universität. „Wenn ich ein Student wäre, würde ich Sie in dem, was Sie tun, unterstützen“, sagte er gegenüber den Studierenden. „Doch wäre ich Vorstandsmitglied, würde ich tun, was ich schon im Zusammenhang mit der Apartheid getan habe. Hier bietet sich die Gelegenheit, zu lernen, Bewusstsein zu schaffen und über einen nachhaltigen Kapitalismus zu diskutieren.“

Tatsächlich hat sich die nach den letzten US-Präsidentschaftswahlen im November aufgekeimte US-Deinvestitionsbewegung von ähnlichen Maßnahmen inspirieren lassen, die sich gegen die ehemalige südafrikanische Apartheid gerichtet hatten. So waren in den 1980er Jahren 155 US-Bildungseinrichtungen aktiv, wie Jamie Henn, Pressesprecher der Organisation ‚350.org‘, betonte, die die Speerspitze der neuen US-amerikanischen Deinvestitionsbewegung bildet.

„Unserer Meinung nach ist es sinnvoll, mit den Universitäten anzufangen, da ihnen die besondere Verantwortung zukommt, dafür zu sorgen, dass ihre Ziele nicht durch die eigenen Investitionen torpediert werden. Viele haben sich öffentlich zu Nachhaltigkeit und einer Lösung der großen Probleme bekannt. Dennoch investieren sie etliche Millionen Dollar in Unternehmen, die den Planeten zerstören.“

Das Hampshire-College, eine kleine Schule in Massachusetts, hat sich als erste US-Bildungseinrichtung der neuen US-Deinvestitionskampagne angeschlossen. Bereits 1979 hatte es als erste seine Investitionen aus südafrikanischen Holdings zurückgezogen.

Neben diesen kleinen und progressiven Colleges haben sich Studierende von mindestens 230 Bildungseinrichtungen einschließlich der Ivy-League-Schulen und etlicher größerer staatlicher Institutionen der derzeitigen Kampagne angeschlossen. Mindestens 20 haben Verfahren eingeleitet, um ihre Investitionspolitik zu überprüfen.

„Uns beeindruckt die Geschwindigkeit, mit der die Kampagne an Boden gewinnt“, meint Henn. „Wir haben es mit der am schnellsten wachsenden studentischen Umweltkampagne der letzten zehn Jahre – vielleicht der größten überhaupt – zu tun. Und eine zunehmende Zahl von Studenten setzt die Politiker unter Druck, aktiv zu werden.“

Henn zufolge steht für die Erdölunternehmen viel Geld auf dem Spiel. „Schauen Sie sich nur die Zahlen an“, sagt er. „So umfasst allein der Stiftungsfonds von Harvard 32 Milliarden Dollar. Bei einem solchen Betrag werden viele Menschen hellhörig.“

Geringe Risiken



Die Harvard-Verwaltung stand der Deinvestitionsidee zunächst reserviert gegenüber und verweigerte über Monate die Zustimmung zu einem Treffen zwischen dem Universitätspräsidenten und Studentenvertretern. Doch nach unzähligen Aktivitäten und einem Campus-weiten Referendum, in dem sich fast drei Viertel aller Studierenden für die Deinvestitionen ihrer Uni einsetzten, konnte der Widerstand gegen das Vorhaben geschwächt werden.

„Gegen Ende des Semesters war der Druck so hoch, dass die Universitätsführung schließlich einem Treffen zustimmte“, berichtet Alli Welton, Mitkoordinatorin der Studentengruppe ‚Divest Harvard‘. Am 8. Februar fand dann das Zusammentreffen statt, auf dem die Vorstandsvorsitzenden zwar ihre Sorge über den Klimawandel zum Ausdruck brachten, die Wirksamkeit von Deinvestitionen jedoch in Frage stellten. Allerdings räumten sie ein, dass eine Entscheidung zugunsten der Deinvestition für die Universität selbst kein Risiko darstelle.

Diese Aussage wird auch in einem Bericht der Investment-Management-Firma ‚Aperio Group‘ untermauert. Danach ist der Kapitalabzug aus klimarelevanten Holdings für die Universität bemerkenswert risikoarm.

Welton zufolge gehen die Verhandlungen zwischen den Studenten und der Universitätsverwaltung weiter. Das sei ein positives Signal, nachdem man ein Semester lang Gespräche verweigert habe, betonte sie und wies darauf hin, dass Deinvestitionen unmittelbare Wirkungen erzielten. „Diese lokalen Initiativen führen dazu, dass sich mehr Menschen am Kampf gegen den Klimawandel beteiligen können. Die Menschen sehen, dass sie Teil eines großen Ganzen sind.“

Henn von 350.org zufolge wird sich die zweite Phase der Deinvestitionsstrategie auf die Stadtregierungen und Pensionsfonds konzentrieren. Seattle habe bereits Maßnahmen mit Vorbildcharakter ergriffen. Ermuntert von 350.org ist der Bürgermeister der Stadt, Mike McGinn, aktiv geworden. Er hat dafür gesorgt, dass die lokalen Pensionsfonds Auskunft über ihre Investitionen in die Erdöl- und Erdgasunternehmen gegeben haben. Demnach handelt es sich um 17 Millionen Dollar. Am 31. Januar entschlossen sich die Pensionsfonds dazu, einen Mechanismus zu schaffen, der Wege für eine mögliche Deinvestition ausloten soll.

„Das war ein wirklich bedeutender erster Schritt, denn einen solchen Mechanismus hat es noch nie gegeben“, meinte der Sprecher des Bürgermeisteramts, Aaron Pickus. Auch wenn noch keine Entscheidung darüber gefallen sei, wie die freiwerdenden Gelder künftig genutzt werden sollten, so sei man sich allgemein einig, sie nicht in Unternehmen zu reinvestieren, „die unserem Klima schaden“.

Die Öffentlichkeit habe durchweg positiv auf die Pläne reagiert, versichert Pickus. Es sei ein stetig wachsendes Bewusstsein erkennbar, dass noch viel mehr solcher konkreten Bemühungen zur Rettung des Klimas unternommen werden müssten. „Das beinhaltet auch die Art und Weise, wie wir allgemein mit den Geldern der Steuerzahler umgehen.“

 

 

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