Gute Beispiele aus

UN: ‚Welt braucht eine Kultur des Friedens‘ – Ex-UN-Gesandter Chowdhury im IPS-Gespräch

Anwarul Karim Chowdhury. Foto: UN Photo/Ky Chung

Von Thalif Deen

New York, 13. September 2012 (IPS) – Im Vorfeld des Hochrangigen Forums für eine Kultur des Friedens der Vereinten Nationen am 14. September in New York hat einer der prominentesten Verfechter einer solchen Friedenskultur, UN-Botschafter Anwarul Karim Chowdhury, die Anerkennung des Rechts auf Frieden, die Mitwirkung der Frauen an vorderster Front und die Friedenserziehung in den Schulen als entscheidende Ingredienzen für eine friedliche Welt genannt.

Chowdhury war die treibende Kraft hinter der Resolution der UN-Vollversammlung von 1999 zur Annahme der UN-Erklärung und des Aktionsprogramms für eine Kultur des Friedens. Auch hatte er einen maßgeblichen Anteil daran, dass die die Internationale Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zugunsten der Kinder der Welt (2001-2010) ausgerufen wurde. Einen weiteren großen Coup landete Chowdhury im März 2000, als er Präsident des UN-Sicherheitsrates war. Er sorgte für die Annahme der bahnbrechenden Resolution 1325, die das Recht von Frauen auf Beteiligung in Friedensprozessen zugunsten von Frieden und Sicherheit völkerrechtlich anerkennt.

Als die Weltorganisation 1998 den 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte feierte, startete eine Allianz aus zivilgesellschaftlichen Organisationen eine weltweite Kampagne für die universelle Anerkennung des menschlichen Rechts auf Frieden. Sie rief dazu auf, „Gewalt, Intoleranz und Ungerechtigkeit in unseren Ländern und Gesellschaften vorzubeugen und den Kriegskult mit Hilfe einer Kultur des Friedens zu überwinden“.

Von Gewalt zu Vernunft, von Konflikten zum Dialog 



„Wir brauchen eine Kultur des Friedens. Durch sie wird in uns eine Denkweise geschaffen, die für den Übergang von der Gewalt zur Vernunft, von Konflikten zum Dialog und Frieden entscheidend ist. Eine Kultur des Friedens wird den Grundstein für eine stabile, progressive und wohlhabende Welt für alle legen“, sagte Chowdhury.

Dem gebürtigen Bangladescher zufolge sollte die internationale Gemeinschaft geltend machen, dass es keine wichtigere soziale Verantwortung und Aufgabe gebe, als die Herstellung eines nachhaltigen Friedens auf der Welt. Die globalen Bemühungen um Frieden und Versöhnung ließen sich nur durch eine kollektive Annäherung auf der Grundlage von Vertrauen, Dialog und Zusammenarbeit ermöglichen.

Der zweite Bereich, auf den sich die Menschheit konzentrieren müsse, sei die seit langem überfällige Anerkennung der Tatsache, dass Frauen bei der Friedensförderung eine unverzichtbare Rolle einnähmen. Solange man sie nicht als Promotoren der Friedenskultur anerkennen werde, ließen langfristige Lösungen auf sich warten, sagte er. „Frauen haben immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie es sind, die die Kultur des Friedens voranbringen, indem sie Brücken schlagen und andere ermutigen, es ihnen gleich zu tun.“

Den Frieden glorifizieren


Als dritten wichtigen Punkt nannte Chowdhury die Friedenserziehung. „Um den komplexen Herausforderungen unserer Zeit gewachsen zu sein, bedarf es einer radikal anderen Bildung, die nicht den Krieg, sondern Frieden, Gewaltlosigkeit und internationale Zusammenarbeit glorifiziert.“ Alle Bildungseinrichtungen müssten ihre Schüler zu verantwortungsbewussten Weltenbürgern machen.

Der Zivilgesellschaft kommt Chowdhury zufolge die Aufgabe zu, für eine vollständige und effektive Umsetzung des Aktionsprogramms für eine Kultur des Friedens zu sorgen. Sie sollten die Nationalstaaten und relevanten internationalen Organisationen wieder und wieder an die Einhaltung ihrer Zusagen erinnern.

Dem UN-Botschafter zufolge wird es Zeit für die Anerkennung des Rechts auf Frieden durch den UN-Menschenrechtsrat und die UN-Vollversammlung. 

“Die Saat des Friedens ruht in uns allen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie aufgehen kann. Frieden lässt nicht von außen auferlegen, sondern muss sich von innen heraus ausbilden.“

 

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