Gute Beispiele aus

UN: Nachhaltige Energie für alle soll spätestens 2024 Wirklichkeit werden

Mexiko will in großem Stil Ethanol aus Algen produzieren - Bild: IPS

 Von Thalif Deen



New York, 11. Januar 2013 (IPS) – Zum Abschluss ihrer 67. Sitzungsperiode hat die UN-Vollversammlung das ‚Jahrzehnt der nachhaltigen Energie für alle‘ ab 2014 ausgerufen. Die Notwendigkeit dieser von den 193 Mitgliedsländern einstimmig unterzeichneten Erklärung liegt auf der Hand: Noch müssen mindestens 1,3 Milliarden Menschen ohne Strom auskommen. Mehr als doppelt so viele kochen und heizen mit traditioneller Biomasse.

Selbst dort, wo Energiedienstleistungen angeboten würden, gibt es immer noch Millionen armer Menschen, die sich keinen Stromanschluss leisten können. „Ohne nachhaltige Energie kann es keine nachhaltige Entwicklung geben“, hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bereits vor der Verabschiedung der Resolution gewarnt.

Unter den globalen Entscheidungsträgern hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) zur Armutsbekämpfung ohne Energiezugang nicht verwirklichen lassen. Die Frist für die MDGs läuft 2015 ab.

Die Interdependenz zwischen Entwicklung und Energie einschließlich Bioenergie wie Erdwärme, Wasser-, Wellen-, Solar- und Windkraft ist ein Schlüsselthema auf dem bevorstehenden Weltzukunftsenergiegipfel in Abu Dhabi, der im Rahmen der Abu-Dhabi-Nachhaltigkeitswoche vom 13. bis 17. Januar stattfindet. Die Konferenz findet parallel zum Internationalen Wassergipfel für eine nachhaltige Wasserversorgung in den Trockengebieten statt.

Wohlstand setzt Energiezugang voraus

Energie sei die Eintrittskarte für Wohlstand und dürfe für die Armen dieser Welt kein Luxusgut sein, meinte Uchita de Zoysa, Geschäftsführer des ‚Centre for Environment and Development‘ mit Sitz in Sri Lanka. Seiner Meinung nach ist Energie ein Menschenrecht und sollte als solches international anerkannt werden.

„Keine Verhandlung wird vom Erfolg gekrönt sein, solange einem Teil der Menschheit das Recht auf Wohlstand vorenthalten wird. Auch in diesem Sinne ist es wichtig, sowohl Gemeinschaften als auch Einzelpersonen den gleichberechtigten Zugang zu Fortschritt und Wohlstand zu ermöglichen“, sagte De Zoysa, der auch Vorsitzender der Organisation ‚Global Sustainability Solutions‘ und Faszilitator der ‚People’s Sustainability Treaties‘ ist.

Wie Kaisa Kosonen, Klimapolitikberaterin von ‚Greenpeace International‘, erläuterte, leben 84 Prozent aller Energiearmen in den ländlichen Weltregionen. Aus diesem Grund müsse im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung eine dezentralisierte Energieversorgung auf der Grundlage ’sauberer‘ Energien wie Wind- und Sonnenkraft angestrebt werden.

Der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) zufolge sind die erneuerbaren Energietechnologien die preisgünstigste Lösung für Gebiete, in denen Stromleitungen fehlen. Sie schützten die Verbraucher zudem vor einem Anstieg der Preise, wie dies bei der Bereitstellung fossiler Brennstoffe üblich sei, sagte Kosonen.

Die Aufgabe der Vereinten Nationen besteht nach Ansicht der Expertin darin, die Partner dazu zu bringen, die Bedürfnisse der Armen, und nicht die der großen Stromversorger, im Auge zu behalten. Eine nachhaltige Energieversorgung gehe über die reine Zugänglichkeit von Strom weit hinaus und ihr Erfolg dürfe nicht allein an den produzierten Kilowattstunden bemessen werden.

„Energie muss bezahlbar sein“, so Kosonen. „Energielösungen müssen lokal-gesellschaftliche und ökologische Ziele verfolgen und dürfen nicht zu einer Verknappung der Wasserressourcen, Umweltverschmutzung und anderen Problemen beitragen. Auch gilt es bei der Bereitstellung von Strom alle möglichen verborgenen Kosten zu eruieren.“

De Soysa zufolge gilt es dafür Sorge zu tragen, dass ‚Energie für alle‘ nicht zum Hindernis eines nachhaltigen Klimaschutzes wird. Außerdem müsse ‚Energie für alle‘ in den Stand eines der Nachhaltigkeitsziele erhoben werden, die den MDGs nach 2015 folgen sollen. Die Geschichte habe gezeigt, dass schmutzige Energieträger wie Kohle einer nachhaltigen Entwicklung im Wege stünden und die Menschheit in ihrer Existenz bedrohten.

Weg vom ‚braunen‘ Wirtschaftsmodell

‚Energie für alle‘ werde sich nur dann als ein Nachhaltigkeitsziel herausstellen, „wenn wir unsere hohen energieabhängigen Konsum- und Produktionsmuster verändern“, sagte De Soyza, der unter anderem das Buch ‚It Has to be CLIMATE SUSTAINABILITY‘ geschrieben hat. „Im Interesse nachhaltiger Lebensstile und Lebensverhältnisse sollten wir uns von dem ‚braunen‘ Wirtschaftsmodell verabschieden.“

Kosonen betonte gegenüber IPS, dass man sich vor Augen führen solle, dass Energieeffizienz und erneuerbare Energielösungen wie die Bereitstellung von Strom aus Wind- und Solarkraft anders als die wasserintensive Energiegewinnung auf Kohle- und Atomkraftbasis die Wasserressourcen für andere Zwecke erhalte.

Die reichen Staaten müssten politische und finanzielle Hilfestellung leisten, damit die ‚Dekade einer nachhaltigen Energieversorgung für alle‘ zum Erfolg führen werde. Darüber hinaus müssten alle Entwicklungsländer den politischen Willen für eine Umsetzung dieses Ziels unter Beweis stellen, indem sie den Zugang zu nachhaltiger Energie zum Herzstück ihrer Entwicklungspläne und Rahmenverträge machten. „Was wir von allen Partnern brauchen, ist die langfristige Bereitschaft, sich zu engagieren.“

 

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