Gute Beispiele aus

UN: Forum diskutiert über Umsetzung der „Kultur des Friedens“

Anwarul K. Chowdhury, Botschafter von Bangladesch. Foto: Evan Schneider /UN Photos

Von Thalif Deen

New York, 9. September (IPS) – Vor dem Hintergrund der Zunahme religiöser Gewalt im Irak, im Libanon, in Ägypten und in Syrien sowie einer wachsender Fremden- und Islamfeindlichkeit in Westeuropa und den USA haben die Vereinten Nationen am 6. September ihre zweite hochrangig besetzte Konferenz über eine ‚Kultur des Friedens‘ abgehalten.

Die Delegierten bewegte vor allem die Frage, ob die UN-Initiative überhaupt die Länder erreiche, die mit Gewalt und Bürgerkriegen konfrontiert seien. Dazu meinte der UN-Botschafter von Bangladesch, Anwarul K. Chowdhury: „Meine eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen erlauben mir nicht daran zu zweifeln, dass die UN-Botschaft von der Kultur des Friedens ankommt.“ Chowdhury nahm als Sondergast an dem Forum in New York teil. Er war Vorsitzender des Ausschusses der UN-Vollversammlung, der 1998 bis 1999 eine Erklärung und ein Aktionsprogramm für Friedenskultur entwarf.

Die Zivilgesellschaft stehe in der weltweiten Bewegung für eine Friedenskultur an vorderster Front und arbeite gründlich auf der Graswurzel-Ebene, sagte der ehemalige UN-Untergeneralsekretär. „Meiner Ansicht nach halten vor allem die Regierungen und die Machtstrukturen den Fortschritt einer Kultur des Friedens auf.“ Chowdhury ist derzeitiger Vertreter der Globalen Bewegung für eine Kultur des Friedens.

Auf dem Programm des Forums standen auch Podiumsdiskussionen zu den Themen ‚Die Rolle interreligiöser Zusammenarbeit bei der Förderung einer globalen Friedenskultur‘ und ‚Friedenskultur als Agenda für eine neue globale Zivilisation: Wo stehen wir jetzt?‘. Das von dem derzeitigen Vorsitzenden der UN-Vollversammlung, Vuk Jeremic, einberufene Forum konzentrierte sich auf die Umsetzung des Aktionsplans, den die Versammlung im September 1998 verabschiedet hatte.

In dem Plan sind acht Aktionsbereiche abgesteckt, darunter Bildung, nachhaltige Wirtschaft und soziale Entwicklung, Menschenrechte, Gleichheit, demokratische Partizipation, Toleranz, der freie Informationsfluss und internationaler Frieden und Sicherheit.

Bildung hat Priorität

Vor den Delegierten sagte Jeremic, dass die UN-Mitgliedsstaaten Bildung an die erste Stelle gerückt hätten. Sie ließen sich vom Beispiel Mahatma Gandhis inspirieren, der vor einem Dreivierteljahrhundert erklärt habe, dass man bei den Kindern beginnen müsse, um Frieden in der Welt herbeizuführen. Mit Blick auf das 21. Jahrhundert erklärte er, dass „sich die kommenden Generationen die Ethik der Gewaltlosigkeit zu eigen machen sollten“. Mit Hilfe dieser Instrumente könnten sich die Jugendlichen später zu verantwortungsvollen Eltern, Gemeindeführern und engagierten Bürgern entwickeln.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat wiederholt dazu aufgefordert, die heutige Kultur der Gewalt durch eine Friedenskultur zu ersetzen. Die Menschen verstünden intuitiv, dass Konflikte nicht auf militärischem Weg zu lösen seien und dass die knappen Rohstoffe auf der Welt zum Wohlergehen der Bevölkerung genutzt werden sollten, nicht zur Finanzierung von Waffen, die weiteres Leid über die Menschheit brächten.

Die Welt gebe derzeit an einem Tag zweimal so viel für Waffen aus, wie die Vereinten Nationen für globale Friedens-, Menschenrechts- und Entwicklungsmissionen in einem Jahr, erklärte Ban. Allein 2011 seien Waffen im Wert von etwa 1,7 Billionen US-Dollar gekauft worden.

Dies sei ein hoher Preis, wenn man bedenke, dass Menschen hungrig zu Bett gehen und Kinder aufgrund eines Mangels an sauberem Wasser sterben müssten sowie Bauern ihr Land nicht bestellen könnten, weil dort Minen vergraben seien. „Wirtschaftswissenschaftler sprechen von ‚Alternativkosten‘, für mich ist es ein moralischer Frevel“, betonte der UN-Generalsekretär.

Zur religiösen Gewalt in vielen Regionen sagte Chowdhury, es beunruhige ihn, dass solche Gräueltaten oft an Nachbarn verübt würden. „Hass und Intoleranz haben den Blick der Täter vernebelt“, meinte er. „Zwischen Völkern und Regionen bestehen noch große Unterschiede. Die Welt erlebt eine neue Ära der Unsicherheit und Ungewissheit.“ Seiner Ansicht nach haben die Vereinten Nationen 1999 durch die Annahme einer historischen, normengebenden Erklärung und eines Aktionsplans zur Friedenskultur gezeigt, dass sie eine große Vision haben.

„Ich glaube, dass die Welt – und vor allem die Regierungen – den wahren Wert und Nutzen der Friedenskultur früher oder später erkennen werden“, sagte Chowdhury. Es handele sich um ein Abkommen zwischen Nationen, Regierungen, der Zivilgesellschaft, Medien und Individuen.

Wie der UN-Vertreter hervorhob, ist der Aktionsplan nicht zeitgebunden. „Dies war die Absicht derjenigen, die den Plan entworfen haben. Wir haben erkannt, dass sich der nachhaltige Frieden verändern wird und unsere konstante Wachsamkeit beim Fortschreiten der Kultur des Friedens benötigt wird.“ Wenn den wechselseitigen Abhängigkeiten in der heutigen Welt nicht mit Vernunft begegnet werde, könnten sie zu einer sozialen, wirtschaftlichen, nuklearen oder ökologischen Katastrophe führen.

 

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