Gute Beispiele aus

UN: Eine Welt ohne Krieg ist möglich

Die Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams, Vorsitzende der "Nobel Frauen Initiative". Foto: UNPhotos/ Jean-Marc Ferré

Von Thalif Deen



New York, 28. Mai 2013 (IPS) – In den letzten Jahrhunderten ist es der Menschheit gelungen, einige ihrer schlimmsten Geißeln wie Sklaverei, Kolonialismus und Apartheid loszuwerden. Im nächsten Monat wird sich ein hochrangiger Ausschuss am Sitz der Vereinten Nationen in New York mit einem weiteren brisanten Thema auseinandersetzen: der Abschaffung der Institution Krieg.

Wie Jody Williams, Friedensnobelpreisträgerin von 1997 und Vorsitzende der Initiative der Nobelpreisträgerinnen, gegenüber IPS erklärte, mag das Vorhaben zwar vielen als unrealistisch erscheinen. Doch seien Bemühungen in diese Richtung sicherlich keine sinnlose Übung. Bisher gebe es keine konsistenten Bemühungen, die die angebliche Notwendigkeit von Kriegen in Abrede stellen. „Um eine Kultur des nachhaltigen Friedens zu schaffen, ist es wichtig, dass wir bereits Schulkinder mit Konfliktlösungsmöglichkeiten vertraut machen und uns alle für die Ächtung von Kriegen einsetzen.“

Williams, die die erfolgreiche Kampagne zur Ächtung von Landminen geführt hatte, gehört mit Diplomaten, ehemaligen UN-Vertretern und Anti-Kriegsaktivisten zu den Teilnehmern des Treffens mit dem Titel ‚Entschlossen, nachfolgende Generationen vor der Geißel des Krieges zu retten‘, zu dem eine Koalition aus NGOs und die ständige Vertretung der Schweiz bei den Vereinten Nationen am 6. Juni geladen haben. In der Schweiz ist es seit 1815 zu keinem Krieg mehr gekommen.

Auf der Veranstaltung werden neben Williams auch der Schweizer Botschafter bei den UN, Paul Seger, der ehemalige beigeordnete Generalsekretär der Vereinten Nationen für rechtliche Angelegenheiten, Ralph Zacklin, und Nounou Booto Meeti, Programmmanagerin des Zentrums für Frieden, Sicherheit und Prävention vor bewaffneter Gewalt mit Sitz in Großbritannien, sprechen.

Geht nicht, gibt’s nicht 


Cora Weiss, Vorsitzende des Haager Friedensappells, eine der an dem Treffen beteiligten NGOs, erklärte gegenüber IPS: „Es gibt immer Menschen, die Kriege für unausrottbar halten, so wie es Menschen gab, die sich ein Ende der Sklaverei, Kolonisation und Apartheit nicht vorstellen konnten. Ich könnte mir vorstellen, dass es weniger Gewalt geben würde, säßen mehr Frauen an den Friedenstischen“, sagte sie in Anspielung an die Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates.

„Wenn die Welt nicht auf Kriege verzichten kann, steht zu befürchten, dass unsere Zivilisation untergehen wird“, warnte Siddharth Chatterjee, Chefdiplomat der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC). Angesprochen auf die Rolle von Politikern, Entscheidungsträgern und der globalen Rüstungsindustrie bei der Verhinderung von Kriegen antwortete er: „Reine Ökonomie. Sobald die Nachfrage nach Krieg endet, wird auch die Nachfrage nach den Rüstungsgütern zurückgehen, die Kriege vorantreiben.“

Wie aus einem Hintergrundpapier hervorgeht, hat es seit der Gründung der UN keinen Konflikt mehr gegeben, der das Ausmaß des Zweiten Weltkriegs erreicht hatte, der die Regierungen erst zur Gründung der Weltorganisation veranlasst hatte. „Doch unglücklicherweise ist die Geißel des Kriegs nach wie vor vorhanden. Heute, fast 70 Jahre nach der Unterzeichnung der UN-Charta, verursachen fortgesetzte gewaltsame Konflikte ein unvorstellbares Leid auf der Welt.“ Allein die derzeitige Krise in Syrien hat bereits mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet. Und ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht.

Nach jüngsten Untersuchungen werden weltweit jährlich 1,7 Billionen US-Dollar für Waffen ausgegeben. Das entspricht 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aller Staaten der Welt. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon meinte in diesem Zusammenhang, dass die Welt viel zu stark hochgerüstet und der Frieden vollkommen unterfinanziert sei.

Auf die Frage, ob die Angst vor Atomwaffen mehr für den Weltfrieden getan habe als jede andere Bedrohung, meinte Williams, dass die nukleare Bedrohung die Menschen ein Leben lang in Angst gehalten habe. Die Katastrophenübungen an den Schulen hätten sich für alle Beteiligten bestimmt nicht nach einer friedlichen Welt angefühlt.

Gesellschaftliches Umdenken



Weiss wies darauf hin, dass eine zunehmende Zahl von Menschen die Glorifizierung des Krieges und die Militarisierung der Gesellschaft als unmoralisch und illegal ablehne. Ebenso erinnerte sie an die Haager Agenda für Frieden und Sicherheit des 21. Jahrhunderts, in der es heißt, dass Frieden ein Menschenrecht und es an der Zeit sei, Kriege abzuschaffen. Solange es aber Atombomben und Möchtegern-Atommächte gebe, sei die globale Sicherheit gefährdet.

„Wenn wir die Apartheid abschaffen konnten, warum nicht auch die Kriege“, erklärte sie in Anlehnung an ein Zitat des südafrikanischen Bischofs Desmond Tutu.

Chatterjee zufolge ist es wichtig, sich immer wieder die Folgen eines blutigen Konflikts für die Gesellschaft vor Augen zu führen. „Was sagt die Tatsache über eine Gesellschaft aus, die ihre Menschen in den Krieg schickt, diese im Alter von 21 oder 22 Jahren in ständiger Angst hält und ihnen nicht bei der Rückkehr ins zivile Leben hilft? Gelingt es uns nicht, die Kriege hinter uns zu lassen, könnten wir als Zivilisation untergehen.“

 

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