Gute Beispiele aus

Uganda, Malawi, Mali: Männer trotzen traditionellen Männlichkeitsbildern

Charles Kayongo und seiner Frau reichen zwei Kinder voll und ganz – Bild: Dennis Kasirye/IPS

Von Henry Wasswa



Kampala, 19. November 2012 (IPS) – Der Ugander Charles Kayongo hat eine fünf- und eine dreijährige Tochter. Er gehört der Volksgruppe der Baganda an, die für ihren Kinderreichtum bekannt ist. Doch trotz der Jahrhunderte alten Tradition, möglichst viele Mädchen und Jungen zur Welt zu bringen, will er selbst keinen weiteren Nachwuchs. „Genug ist genug“, meint er. Das habe er mit seiner Frau so abgesprochen.

Die hohen Lebenshaltungskosten sind ein entscheidender Faktor für den Entschluss, die Familie klein zu halten. „Schon jetzt sind die Nahrungsmittelpreise, die Schulgebühren und die Kosten für Medikamente zu hoch für mich“, meint der 33-Jährige, der mit seiner Familie in Mukuno am Rande der Hauptstadt Kampala lebt.

Kayongo zufolge braucht die Familie pro Tag zehn US-Dollar zum Leben. Seine Bar wirft monatlich 440 Dollar ab. Große Sprünge kann die Familie somit also nicht machen. „Damit wir uns finanzieren können, bedarf es einer gewissen Planung“, meint er. „Die Familienplanung hilft uns, ein besseres Leben zu führen.“

Uganda hat eine der welthöchsten Bevölkerungswachstumsraten der Welt. Sie liegt jährlich bei 3,2 Prozent. Derzeit leben in dem ostafrikanischen Land 34 Millionen Menschen. „Jedes Jahr wächst die ugandische Bevölkerung um eine weitere Million an. Doch die finanziellen Ressourcen wachsen leider nicht mit“, sagt Anthony Bugembe, Bevölkerungsexperte im Ministerium für Finanzen, Planung und wirtschaftliche Entwicklung.

Wachsendes Interesse an Familienplanung


Wie Lynda Birungi von der nationalen Familienplanungsstelle ‚Reproductive Health Uganda‘ berichtet, befassen sich aus finanziellen Gründen immer mehr junge Männer mit Familienplanungsmethoden. Allerdings seien sie noch die Minderheit. „Nur jede fünfte Frau, die in unsere Klinik kommt, erscheint in Begleitung ihres Mannes“, sagt sie. Gleichwohl weist sie darauf hin, dass sich vor mehr als 20 Jahren kein einziger Mann in der Klinik verirrt habe.

Auch in Malawi macht sich ein Wandel bemerkbar. Dort hatten Polizisten vor elf Jahren eine Theaterwandergruppe gegen innerfamiliäre Gewalt ins Leben gerufen. Inzwischen ist die Gruppe zu einer Bewegung von etwa 1.000 Männern geworden, die sich für ein Ende der geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Frauen engagieren und so ihren Teil gegen das Bevölkerungswachstum im Lande beitragen. Denn die Gewalt gegen Frauen hat häufig die Geburt ungewollter Kinder und einen Anstieg der Müttersterblichkeit zur Folge.

Die ‚Men’s Travelling Conference‘ (MTC) wird von der norwegischen Regierung und dem UN-Bevölkerungsfonds UNFPA finanziert. 2003 nahm die weitgehend aus Männern bestehende MTC an den Aktivismus-Tagen gegen geschlechtsspezifische Gewalt teil, die alljährlich vom 25. November bis 10. Dezember stattfinden.

Damals machten ihre Mitglieder aus Äthiopien, Kenia und Sambia auf dem Weg in die malawische Hauptstadt Lilongwe Zwischenstation in jedem Dorf, um ihre Botschaft zu verbreiten: dass Gewalt gegen Frauen zerstörerisch ist und Männer die Macht und Verantwortung haben, diese Gewalt zu stoppen.

Bis heute reist die MTC jedes Jahr im Dezember in die malawischen Dörfer, um Männer zu Gewaltfreiheit gegen Frauen zu erziehen. Wisdom Samu ist ein festes Mitglied des Aufklärungsteams. Er ist Witwer, seitdem seine Frau 2001 an den Folgen der Geburt ihres siebten Kindes gestorben ist. „Bei MTC habe ich gelernt, dass die Schuld bei mir lag. Ich habe ihr nie erlaubt, Verhütungsmittel zu nehmen, weil ich mehr Kinder haben wollte.“

Samu versucht nun andere Männer vor dem gleichen Fehler zu bewahren. In seinem Dorf Namitete 50 Kilometer außerhalb von Lilongwe hat er etliche Männer für Familienplanungsmaßnahmen interessiert. „Ich sage ihnen, dass sie sich mit ihren Frauen über die Zahl ihrer gemeinsamen Kinder absprechen und moderne Familienplanungsmethoden in Erwägung ziehen sollten“, berichtet er.

Samus Geschichte ist eine von vielen in einem Land, in dem jeden Tag 13 Frauen an schwangerschaftsbedingten Komplikationen sterben. Die hohe Müttersterblichkeit hat Frauenorganisationen dazu gebracht, Männer zur Unterstützung ihrer Arbeit hinzuzuziehen. „Diese beängstigenden Zahlen haben uns zum Umdenken gebracht. Wir kamen überein, dass wir männliche Unterstützer aller Ebenen und Sektoren brauchen, um unsere Botschaft durch Schauspiel, Musik und Diskussionen an den Mann zu bringen“, so Emma Kaliya, Vorsitzende des Gender-Koordinationsnetzwerks gegenüber IPS.

Fortschritte in Mali 


Während in Malawi die Bemühungen weitergehen, Männer vom Sinn der Familienplanung zu überzeugen, tragen sie in Mali bereits Früchte. Dem Bericht über die Fortschritte des Landes bei der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele zur Armutsbekämpfung des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) im März 2010 zufolge ist die Müttersterblichkeit von 582 auf 464 pro 100.000 Lebendgeburten zwischen 2001 and 2006 gesunken. Dies ist zum Teil auf die intensiven Kampagnen zurückzuführen, Männer für Familienplanung zu erwärmen.

„Noch vor zehn Jahren erschienen in meinem Krankenhaus ausschließlich Frauen. Doch heute bringen sie ihre Männer mit. Das ist für mich ein Zeichen dafür, dass unsere Bemühungen Früchte tragen“, meint Mountaga Toure, Geschäftsführer der Malischen Vereinigung für Familienschutz und -förderung (AMPFF), einer lokalen Niederlassung der ‚International Planned Parenthood Federation‘ (IPPF).

Toure zufolge ermutigen AMPFF- und IPPF-Mitarbeiter Männer, über Tabus zu sprechen. „Wenn wir über die Kosten großer Familien zu sprechen kommen, wird ihnen schnell klar, wie wichtig Verhütung ist.“

Den Ugander Charles Kayongo vermag auch die eigene Mutter nicht zu erweichen. „Sie meint, ich müsste einen Sohn haben“, sagt er. „Ich habe mich jedoch entschieden: Ich will keine weiteren Kinder.“

 

 

 

 

 

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