Gute Beispiele aus

Uganda: ‚Die Stimme, der man zuhört‘ – Radio Mama FM geht gegen stereotype Rollenbilder an

Von Amy Fallon

Kampala, 25. Juli (IPS) – Rose, eine verheiratete Verkäuferin in der ugandischen Hauptstadt Kampala, hat genug von Männern, die auf der Straße mit anderen Frauen flirten und sich nicht um ihre Frauen zu Hause kümmern. Im Radio kann sie ihrem Ärger ordentlich Luft machen. Ihr Anruf lockt weitere Frauen aus der Reserve, die ebenfalls zum Hörer greifen, um Frust abzulassen. Dann ist Mary mit einem anderen Problem in der Leitung: in ihrem Wohngebiet ist der Strom ausgefallen.

Willkommen beim Call-in-Radio Uganda und Station 101.7 Mama FM, dem ersten Frauenradio in Afrika, wie die Gründerinnen betonen. Alle wichtigen Management-Positionen sind dort in weiblicher Hand. Eine beliebte Sendung dort ist ‚Mama Boda Boda‘, die jede Woche von Montag bis Donnerstag zwischen zehn und 13.00 Uhr zu hören ist. Moderator ist Charles Kabanda, ein Schlagzeuger.

Im August 2001 wurde Mama FM von der Geschäftsführerin der Ugandischen Frauen-Medienvereinigung UMWA, Margaret Sentamu Masagazi und drei Mitstreiterinnen gegründet. Finanziert wird das Unternehmen von der norwegischen Behörde für Entwicklungszusammenarbeit NORAD, dem staatlich geförderten norwegischen Forum für Frauen und Entwicklung (Fokus) und der finnischen Nichtregierungsorganisation Internationale Solidaritätsstiftung. Der norwegische Sender Radio Oracle 99.3 FM aus Oslo, der weltweit erste Frauenkanal, stellt technischen Support zur Verfügung.

Masagazi, eine 54-jährige Mutter von zwei verheirateten Kindern, erklärt den Namen des Senders so: „Jedes Mal, wenn deine Mutter mit dir spricht, wirst du ihr zuhören.“ Der Inhalt beschränkt sich allerdings nicht auf Frauenthemen und -stimmen, auch wenn die hauptsächliche Zielgruppe des Senders weibliche Hörer im Alter zwischen 15 und 45 Jahren sind.

Auch Männer sollen erreicht werden



Masagazi will verhindern, dass sich Männer durch eine zu starke Frauenpräsenz hinter dem Mikrofon abgeschreckt fühlen. So sind bei dem Radio derzeit zwölf Moderatoren und neun Moderatorinnen tätig. Kabanda bestätigt, dass mehr Männer als Frauen anrufen, um ihre Meinung zu sagen. „Es ist wichtig, dass Frauen eine Rolle in ugandischen Medien spielen, weil wir die Stimmen beider Geschlechter hören müssen.“

Wenn man stereotype Vorstellungen von Frauen im Radio bekämpfen und eine ausgewogene Berichterstattung garantieren wolle, müsse man beide Geschlechter ausbilden, sagt der Kommunikationsexperte Alton Grizzle von der UN-Bildungsorganisation UNESCO. „Forschungen haben aber erwiesen, dass die männlich geprägten Perspektiven nicht unbedingt dadurch verschwinden, dass Frauen die Redaktionsleitung übernehmen.“

Das Radio ist nach wie vor das am häufigsten genutzte Medium in Afrika, Asien und in anderen Entwicklungsregionen. Die Studie ‚Afrikanisches Medienbarometer Uganda 2012‘ stellt fest, dass fast 68 Prozent der Ugander ihre täglichen Nachrichten aus dem Radio beziehen. Die meisten Einwohner des Landes besitzen ein Radio, das in der preisgünstigsten Variante bereits für umgerechnet zwei US-Dollar zu haben ist.

Früher handelten Rundfunkprogramme in Uganda nur selten von Frauen und stellten diese meist in stereotyper Weise dar, wie aus einem 2009 veröffentlichten Bericht der Makerere-Universität hervorgeht. Darin wurden Mama FM und zwei weitere Sender untersucht. UMWA spricht deshalb gern von den „fehlenden Frauenstimmen in der Melodie des Lieds von der nachhaltigen Entwicklung“.

13 Millionen Hörer, elf Sprachen



Die Studios des Frauenkanals, dessen Slogan lautet ‚Die Stimme, der man zuhört‘, befinden sich in Kisaasi, etwa acht Kilometer vom Stadtzentrum von Kampala entfernt. Mama FM ist mittlerweile in einem Gebiet von einem Radius von 400 Kilometern zu empfangen. Mehr als 13 Millionen Hörer im Zentrum, Westen, Südwesten und Osten Ugandas werden erreicht. Einer Untersuchung von 2007 zufolge kennen zwei Drittel aller Ugander den Sender und fast 15 Prozent schalten ihn auch ein.

Das Programm wird 18 Stunden täglich auf Englisch und Kisuaheli sowie in neun ugandischen Sprachen meistens live gesendet. Die beliebte Sendung ‚Okwerinda‘ am Samstagvormittag widmet sich Themen wie reproduktive Gesundheit, Hygiene und Aids. An Sonntagnachmittagen diskutieren dagegen Männer und Frauen über eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Am populärsten ist das Sportprogramm ‚Omumuli‘, in dem es unter anderem um Fußball, Volleyball und Schwimmen geht.

 

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