Gute Beispiele aus

Südsudan: Nach der Teilung die Befreiung – Frauen wollen Gleichberechtigung

Von Rosebell Kagumire

Flüchtlingsfrauen im Sudan. Foto: Tim McKulka/UN Photos

Kampala (IPS) – Den Worten des verstorbenen südsudanesischen Rebellenführers John Garang zufolge sind Frauen „die Ärmsten der Armen und die Ausgegrenzten aller Ausgegrenzten“. Jetzt, wo die Gründung eines südsudanesischen Staates unmittelbar bevorsteht, hoffen auch die Frauen in der Region auf ihre Befreiung.

Margaret Michael Modi, Frauenbeauftragte des sudanesischen Bundesstaates Central Equatoria, hatte ihre Stimme bereits abgegeben. „Ich konnte vor Aufregung nicht schlafen. Als ich beim Wahllokal ankam, sah ich Frauen, die an den Warnurnen weinten“, berichtete sie in einem Telefongespräch aus Juba, der Hauptstadt des Südsudans.

„Für uns bedeutet die Abspaltung Befreiung. So viele lange Jahre unterstanden wir dem islamischen Recht, das uns in Verbindung mit den traditionellen Werten des Südens auf die unterste Stufe der Gesellschaft verbannte“, erläutert Modi. „In einem unabhängigen Südsudan sind wir Frauen in einer besseren Position, unsere Freiheiten einzufordern.“

Frauen in der Überzahl

20 Jahre Krieg haben ihre demographischen Spuren hinterlassen. So stellen Frauen 65 Prozent der südsudanesischen Bevölkerung. Doch sind sie in Führungspositionen extrem unterrepräsentiert.

Das Friedensabkommen von 2005 zwischen dem arabischen muslimischen Norden und dem schwarzen christlichen Süden sieht vor, ein Viertel aller Regierungsämter mit Frauen zu besetzen. In den meisten Lokalparlamenten ist dies bereits geschehen.

Nach Ansicht von Jeniffer Nabongorika Edward, Direktorin einer Frauenorganisation im Bundesstaat Eastern Equatoria, sollte die Frauenquote an die demographischen Realitäten angepasst werden. „Immerhin stellen wir 52 Prozent der Wählerschaft für das Unabhängigkeitsreferendum.“

Edward erinnert daran, dass den Frauen in dem bewaffneten Konflikt enorm viel Verantwortung aufgebürdet wurde, „während unsere Kinder und Männer an den vielen Fronten zusammengezogen wurden“.

Mary Nawai Martin, Mitglied des Bezirksparlaments in Ibba im Bundesstaat Westen Equatoria, ist zuversichtlich, dass die Abspaltung vom Norden eine neue Ära für Frauen einläutet. „Frauen wollen die Teilung. Ich weiß von keiner einzigen, die nicht für die Teilung stimmen würde.

Unter der Herrschaft des Nordens waren Frauen weitgehend rechtlos und Opfer systematischer Vergewaltigungen. Einer Untersuchung der Frauenorganisation ‚ISIS-Women’s International Cross Cultural Exchange‘ mit Sitz in der ugandischen Hauptstadt zufolge sind 36 Prozent der Frauen gruppenvergewaltigt worden. 28 Prozent wurden verschleppt und dann missbraucht. Andere gaben an, dass sie der Hunger dazu zwang, sich zu prostituieren.

Auch nach dem Abschluss des Friedensabkommens von 2005 nahm die sexualisierte Gewalt kein Ende. Frauen in Western Equatoria werden zudem von den ugandischen Rebellen der ‚Lord’s Resistance Army‘ bedroht, die für ihre Brutalität berühmt-berüchtigt ist. Aber auch innerfamiliäre Gewalt, Kinder- und Zwangsehen sind im Südsudan verbreitet. Hinzu kommen kulturelle Praktiken wie die Zahlung von Brautgeld und die Übergabe von Mädchen als Sühneopfer.

Unterentwickelte Justiz

Der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) weist ferner darauf hin, dass Frauen keinerlei rechtliche Handhaben besitzen, um Sexualverbrechen zu ahnden oder ihr Recht auf Familienplanung, Scheidung oder das Sorgerecht für ihre Kinder einzufordern. „Über 90 Prozent der Strafrechts- und Zivildelikte fallen unter das Gewohnheitsrecht, das sich mit internationalen Menschenrechten kaum vereinbaren lässt und die Männer begünstigt“, heißt es.

Solche Schieflagen müssen in einem neuen südsudanesischen Staat nach Ansicht der Frauen korrigiert werden. Schon jetzt verfügt der Südsudan über eine Übergangsverfassung, in der die Gleichbehandlung von Mann und Frau festgeschrieben ist. Allerdings dürfte sich die Umsetzung dieser Rechte als Herkulesaufgabe in einem Land, in dem eine funktionierende Justiz schlichtweg fehlt, erweisen.

Nawai zufolge müssen Frauenrechte und insbesondere der Schutz von Frauen vor sexueller Gewalt sowie die Entschädigung der Vergewaltigungsopfer besondere Aufmerksamkeit erfahren. „Im Krieg hatten wir keine Zeit, uns für unsere Rechte einzusetzen. Nur das Überleben zählte“, sagt sie. „Wir erwarten von der Regierung nicht, dass sie uns jetzt und sofort in allen Punkten entgegenkommt. Wir erwarten jedoch, dass sie ihre Bemühungen intensiviert.“

http://www.isis.or.ug/


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