Gute Beispiele aus

Südafrika: Popstar Yvonne Chaka Chaka kämpft gegen Homophobie

Yvonne Chaka Chaka. Foto: UN Photo/Rick Bajornas

Von Rebecca Hanser

New York, 4. Januar 2013 (IPS) – Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Yvonne Chaka Chaka eine der beliebtesten Popsängerinnen Südafrikas. „In der Öffentlichkeit bekannt zu sein, ist ein großes Privileg, das aber auch viel Verantwortung mit sich bringt“, sagt die 47-jährige ‚Princess of Africa‘, die sich unter anderem für die Rechte von Homosexuellen engagiert. Wie sie im Interview mit IPS erklärte, haben schwulenfeindliche Gesetze in einem modernen Afrika keinen Platz.

Chaka Chaka, die in der Zeit der Apartheid in Südafrika aufwuchs, hatte eine schwere Kindheit. Sie verlor den Vater, als sie elf war. Ihre Mutter musste ihre drei Töchter allein durchbringen. Trotz der damals hohen sozialen Schranken und der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung schaffte sie es, die ‚University of South Africa‘ mit zwei Diplomen in der Tasche zu verlassen.

Als Sängerin wurde sie 1985 in Johannesburg entdeckt. Ihre Alben mit Songs wie ‚I Cry for Freedom‘, ‚Back on my Feet‘ und ‚Power of Africa‘ gewannen viele Preise. Nicht nur in der Mbaganga-Musikszene ihrer Heimat ist sie längst ein Star. Sie eroberte ganz Afrika, wo sie sich auch für das Malaria-Bekämpfungsprogramm des Weltkinderhilfswerks UNICEF und ihre Universität einsetzt. Außerdem ist sie Geschäftsführerin des Büromaschinenherstellers ‚Gstetner Tshwane‘.

Mit IPS sprach die UNICEF-Sonderbotschafterin über ihre Jugend in Südafrika, ihre internationale Karriere und ihr Engagement als Aktivistin im Kampf gegen Homophobie. Es folgen Auszüge aus dem Interview.

IPS: Wie haben Sie die Rassentrennung in Ihrem Land erlebt?



Yvonne Chaka Chaka: Ich wurde in Soweto geboren und wuchs unter dem Apartheidsregime auf. Den Kampf gegen Diskriminierung habe ich im Blut. Ich weiß, was es bedeutet, wegen der Hautfarbe als minderwertig behandelt zu werden.

Als wir unser Land neu gestalteten, geschah dies auf der Grundlage, jedem Mitglied der Gesellschaft den gleichen Wert und die gleiche Würde beizumessen. In Südafrika haben wir eine harte Lektion gelernt, aber wir werden sie nie vergessen. Nelson Mandela schuf die ‚Regenbogen-Nation‘, und ich glaube, dass wir alle gleich sind. Wir haben alle für unsere Freiheit gekämpft.

In ganz Afrika werden noch immer Menschen aufgrund ihrer Herkunft und sexuellen Orientierung diskriminiert. Täglich erfahren wir, dass Homosexuelle sogar von ihren eigenen Familien drangsaliert werden. Wie sehen Sie dies aus der Perspektive einer Mutter?


Diese Geschichten brechen mir das Herz. Leider haben wir Ähnliches auch aus anderen Teilen der Welt gehört. Ist es nicht schon genug, dass unsere lesbischen und schwulen Brüder und Schwestern stigmatisiert, diskriminiert und angegriffen werden? Die Tatsache, dass viele nicht einmal auf die Liebe und Unterstützung ihrer eigenen Eltern zählen können, macht alles noch schlimmer. Wie können Mütter ihre Kinder mit einer solchen Verachtung behandeln?

Als Mutter von vier Söhnen sehe ich meine Aufgabe darin, meinen Kindern dabei zu helfen, so viel wie möglich aus sich zu machen. Damit sie entdecken, wer sie sind, glücklich und sicher leben, lieben und geliebt werden.

Vor kurzem haben Sie gemeinsam mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und dem Popstar Ricky Martin an einer Veranstaltung teilgenommen, auf der es um mehr Entschlossenheit im Kampf gegen die Diskriminierung Homosexueller ging. Wie ist die Rechtslage für diese in Afrika?



In viel zu vielen Ländern unseres Kontinents gelten noch Gesetze, die Schwule und Lesben zu Kriminellen abstempeln, nur weil sie Personen ihres eigenen Geschlechts lieben. Wenn westliche Staaten uns sagen, dass wir uns von diesen Gesetzen befreien sollen, hört man Leute sagen: „Wir sind keine Kolonien mehr. Das sind unsere Gesetze, und wir werden sie behalten.“ Woher stammen aber die Gesetze? In fast allen Fällen wurden sie von den Kolonialmächten eingeführt. Die meisten wurden im 19. Jahrhundert in London entworfen. In einem modernen Afrika haben sie keinen Platz.

Wenn ich höre, dass Parlamentarier in Uganda die Todesstrafe für Homosexuelle einführen und dass Abgeordnete in Nigeria die geltenden Strafen für gleichgeschlechtliche Paare noch verschärfen wollen, macht es mich wütend, dass so viele Vorurteile bestehen. Wann haben wir damit angefangen, andere mit Verachtung zu behandeln? Wir sollten uns daran erinnern, dass wir alle frei und gleich geboren sind und den anderen respektieren müssen.

Was sollte sich ändern, damit sich die Lage derjenigen verbessert, die diskriminiert und angegriffen werden, weil sie anders sind?


Zunächst müssen wir uns von den antiquierten Gesetzen trennen, die Homosexualität zum Verbrechen erklären. Stattdessen müssen wir neue Gesetze einführen, die jeden vor Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und sexueller Orientierung schützen. Wenn wir das geschafft haben, wartet noch eine größere Aufgabe auf uns, nämlich die Haltung der Gesellschaft zu verändern. Die Menschen müssen sich gegenseitig ihre Herzen öffnen .

 

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