Gute Beispiele aus

Somalia: Außenministerium erstmals von einer Frau geführt

Somalias erste weibliche Außeministerin Fauzia Yusuf Haji Adan. Foto: Abdurrahman Warsameh/IPS

Von Abdurrahman Warsameh

Mogadischu, 21. November 2012 (IPS) – In Somalia leitet erstmals eine Frau das Außenministerium. Fauzia Yusuf Haji Adan stammt aus der selbst ernannten Republik Somaliland und wird ihrem Land nun auch als Vizeministerpräsidentin dienen.

„Wir kennen Fauzia als entschlossene, zugängliche und konsensfähige Frau“, berichtet ihr politischer Weggefährte Mohamed Daahir Omar aus Hargeisa, der Hauptstadt von Somaliland, wo er nach wie politisch aktiv ist. „Doch wenn es darum geht, eine Entscheidung umzusetzen, hat sie ihr Ziel fest im Blick. Sie ist meist erfolgreich bei der Umsetzung und darf mit Fug und Recht als ‚Somalias Eiserne Lady‘ bezeichnet werden.“

Adan, die erst am 18. November von ihrem ersten Staatsbesuch aus dem benachbarten Dschibuti zurückgekehrt ist und somit die offizielle Vereidigung des Kabinetts am 15. November versäumt hat, steht vor einer Reihe großer Herausforderungen.

Omar zufolge kann sie eine wichtige Rolle bei der Überbrückung der Kluft zwischen Somalia und dem 1991 nach dem Sturz der somalischen Regierung von Somalia abgespaltenen Somaliland spielen. „Die Gespräche zwischen Somalia und Somaliland sind Adans erste Bewährungsprobe, denn als Frau aus dem Norden muss sie ihren Leuten glaubhaft versichern, dass sie nicht in eine Union mit Somalia zurückmüssen, was sie nicht wünschen“, sagt Garaad Jama von der somalischen Denkfabrik Zentrum für Frieden und Demokratie.

Außenpolitische Herausforderungen



Adan, die einzige Frau im zehnköpfigen Kabinett von Regierungschef Abdi Farah Shirdon, wird sich darüber hinaus mit den wachsenden Spannungen zwischen Kenia und Somalia befassen müssen. Das kenianische Militär hatte Ende September die südsomalische Hafenstadt Kismayo aus der Hand der Al-Shabaab-Miliz befreit. Die Hafenstadt war eine Hochburg der radikalen islamistischen Gruppe gewesen.

Doch Kenia drängt die als Azania und auch als Jubaland bekannte Region im Süden Somalis dazu, in der Kismayo die wichtigste Stadt ist, sich um den Status eines autonomen Staates zu bemühen, um als Pufferzone zwischen Kenia und dem Chaosland Somalia zu fungieren. 
Die somalische Regierung lehnt den Plan entschieden ab, befürchtet sie, dass die Region zu einem kenianischen Satelliten werden könnte.

Kenia weist die Vorwürfe vehement zurück. Allerdings haben die Soldaten des Landes, die den Flughafen von Kismayo kontrollieren, am 7. November einer somalischen Delegation den Zugang zu der Stadt verweigert, nachdem sich ein lokaler Milizenführer gegen ihre Anreise 
ausgesprochen hatte.

„Die Lage ist angesichts der angespannten Beziehungen zwischen Kenia und der neuen somalischen Regierung schwierig“, meint Maryan Muumin von der Somalischen Nationalen Frauenorganisation (SNWO) in Mogadischu. „Adan muss sich dabei nicht nur als somalische Außenministerin, sondern auch als erste Frau in dieser Position behaupten.“

Die Ministerin wird sich auch mit Al-Shabaab auseinandersetzen. Die Gruppe stellt in einigen Teilen von Süd- und Zentralsomalia eine ernsthafte Gefahr dar. Sie ist dagegen, dass Frauen außerfamiliäre Aufgaben übernehmen und hat in den von ihr kontrollierten Teilen des Landes die strikte Anwendung des islamischen Rechts verfügt. Die radikalen Islamisten haben zudem den von den Vereinten Nationen unterstützten Regierungsvertretern mit dem Tode gedroht und am 12. September einen Mordanschlag auf den neuen somalischen Präsidenten Hassan Sheikh Mohamud verübt, der jedoch gescheitert ist.

„Auch wenn Al-Shabaab auf dem Rückzug ist, stellen die Milizionäre die größte Bedrohung für Somalia dar“, meint Jama. „Die Art und Weise, wie die neue Regierung mit der militanten Gruppe fertig wird, die verschiedene Minister und andere hochrangige Regierungsvertreter ermordet hat, wird für die Minister einschließlich der Außenministerin zur Nagelprobe.“

„Ein Geschenk für die somalischen Frauen“



Haliam Elmi vom SNWO bezeichnete Adans Ernennung als „ein Geschenk sowohl für die somalischen Frauen als auch für ganz Afrika und für die Welt, weil ihre Situation denen vieler Frauen weltweit gleicht“. Wie sie betont, bleibt nun zu hoffen, dass die Beteiligung von Frauen in der Politik des konservativen muslimischen Landes auf Akzeptanz stoßen wird.

Doch vor Adan liegt ein steiniger Weg. Denn nicht jeder im Lande billigt ihre Ernennung. Der somalische islamische Klerus zum Beispiel sprach von einem Verstoß gegen die Lehren des Islams.

„In der muslimischen Gesellschaft sind Frauen mit der wichtigsten Aufgabe befasst: als Leiterin des Haushalt die Kinder aufzuziehen. Was wir von der Regierung hören, widerspricht unserem Leben als muslimische Gesellschaft, und daraus wird nur Übel erwachsen“, meint Sheikh Ali Mohamoud, ein muslimischer Geistlicher in Mogadischu. „Das Fauzia eine politische Führungsrolle bekleidet, schadet nicht nur ihr selbst, sondern auch ihrer Familie und der Gesellschaft im Allgemeinen.“

 

 

 

 

 

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.