Gute Beispiele aus

Senegal: Öko-Dörfer stoppen Landflucht – Modell für nachhaltige Entwicklung

Kokosnussernte in Senegal. Foto: Rozberg/ UN Photos

Von Koffigan E. Adigbli


Dakar, 5. Juli 2012 (IPS) – Rund 80 Kilometer von der senegalischen Hauptstadt Dakar entfernt verwandelt sich ein Dorf mit Hilfe von Solarenergie und eines modernen Bewässerungssystems in ein von der Regierung unterstütztes Zukunftsmodell für ländliche Regionen. Damit sollen die Abwanderung Jugendlicher in die Städte gestoppt und Modelle zur autarken Versorgung entwickelt werden.

Das Projekt in der Ortschaft Mbackombel, in der etwa tausend Menschen leben, hat Anbau und Viehzucht gefördert, indem vernünftige Strategien im Umgang mit Wasser konzipiert wurden. Außerdem hat es das Dorf geschafft, sich selbst mit Energie zu versorgen. Sein Name bedeutet so viel wie ‚Affenbrotbaum mit köstlichen Früchten‘. Die EinwohnerInnen profitieren inzwischen von größerer Nahrungssicherheit, höheren Einkommen und einer besser geschützten Umwelt.

Demba Mamadou Ba, der Direktor der senegalesischen Behörde für Öko-Dörfer, ist zuversichtlich, dass selbst kleine Ortschaften an den Errungenschaften des modernen Lebens teilhaben können. Für jedes Öko-Dorf sind Investitionen von etwa einer Million US-Dollar notwendig.

Die Solarzellen in Mbackombel sind nicht nur dazu da, die 35 Grundstücke des Ortes zu beleuchten. Auch ein Computer-Laboratorium und die Bücherei in der Dorfschule erhalten dadurch Strom. Mbackombel soll damit digital an den Rest der Welt angeschlossen werden.

Auch eine Mühle und eine Wasserpumpe werden mit Solarenergie betrieben. Das Wasser wird für Nutzvieh und die Bewässerung von Gärten genutzt. Die EinwohnerInnen des Ortes bauen unter anderem Hirse und Erdnüsse an.

„Wir praktizieren auch Aquakultur“, sagte der Dorfälteste Robert Birame Ndour. „Die Fische züchten wir nicht nur, um sie selbst zu essen, sondern wie wollen sie auch gewinnbringend verkaufen.“ Viele junge Menschen seien zunächst in die großen Städte gezogen, inzwischen aber wieder nach Hause gekommen, stellte er fest. „Alle haben hier Arbeit gefunden. Manche bauen Gemüse an, andere züchten Vieh oder arbeiten als Maurer.“

Auch Alouise Thiaw ist davon überzeugt, dass sich die Landflucht in ihr Gegenteil verkehrt hat, nachdem das Öko-Dorf seinen Einwohnern neue Einkommenschancen bietet. „Ich war Maurerlehrling in Dakar“, erzählte er. „Seit das Projekt hier angelaufen ist, bin ich aber zurückgekommen, um in Mbackombel meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“

Der 25-Jährige verdient als Maurer in dem Dorf inzwischen monatlich umgerechnet rund 106 US-Dollar. Wenn er nicht auf einer Baustelle arbeitet, säubert er das Bewässerungswehr, über das Wasser in die Gärten und auf die Viehweiden gelangt.


UNDP und GEF an Finanzierung von Öko-Dörfern beteiligt



Wie der senegalesische Umweltminister Ali Haidar erklärte, wurde das Öko-Dorf-Projekt 2008 aus der Taufe gehoben. Die Globale Umweltfazilität (GEF) und das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) stellten Zuschüsse von 4,5 Millionen Dollar bereit. Ziel ist demnach die effiziente Umsetzung eines Modells für eine innovative und nachhaltige Entwicklung ländlicher Gebiete.

Nach Angaben von Bachir Camara, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der nationalen Behörde, die für die Öko-Dörfer zuständig ist, sind im Zuge der Armutsbekämpfung bis 2020 rund 14.000 solcher Ortschaften geplant. Das Programm werde gemeinsam mit der Afrikanischen Agentur für Unternehmensentwicklung durchgeführt. „Mit der fachlichen Unterstützung von 15 führenden Wirtschaftsvertretern in Frankreich werden die Öko-Dörfer zu einem Mittel, mit dem die UN-Millenniums-Entwicklungsziele erreicht werden können.“

Laut Umweltminister Haidar sieht das Programm zudem vor, dass sich die umweltbewussten Dörfer selbst mit Energie, Wasser und Holz versorgen. Wälder könnten das gesamte Jahr über Nachschub an Obst sowie an Bau- und Brennmaterialien liefern. Der Minister äußerte die Hoffnung, dass damit auch Lösungen im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels gefunden würden.

Im Rahmen eines großangelegten Aufforstungsprogramms ist nach Angaben von Haidar geplant, in jedem Öko-Dorf eine Million Setzlinge zu pflanzen, um die Böden wieder ertragreich zu machen, ‚grüne‘ Jobs zu schaffen und junge Menschen in die ländlichen Regionen zurückzuholen.

Mamadou Kane, der im Senegal und in Gambia den Internationalen Fonds für Agrarentwicklung (IFAD) vertritt, erklärte, dass auch seine Institution die Öko-Dörfer unterstütze. Seiner Ansicht nach bietet das Projekt gute Möglichkeiten, die organische Landwirtschaft zu erproben und den Menschen dabei zu helfen, Selbstversorger zu werden.

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