Gute Beispiele aus

Salomonen: Kinder und Jugendliche gründen Agrarkooperative

(Patrick Arathe, der ein Agrarprojekt mit Jugendlichen leitet – Bild: Catherine Wilson/IPS)

Von Catherine Wilson

Munda, Salomonen, 11. April 2013 (IPS) – Mit nicht viel mehr als einem Buschmesser und einer Axt hat eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen zwischen neun und 18 Jahren auf den südpazifischen Salomon-Inseln die Nahrungssicherheit selbst in die Hand genommen. In Kindu, einem Dorf mit 5.000 Einwohnern im Küstengebiet von Munda auf der Insel New Georgia, betreiben die Jungen, die von ihren Eltern im Stich gelassen wurden, eine eigene Agrarkooperative.

Ihr Projekt hat sich inzwischen zum größten Landwirtschaftsunternehmen der Region entwickelt. Es verschafft den Jungen ein nachhaltiges Einkommen und trägt zur Nahrungsmittelversorgung des Landes bei. Auf den Salomonen, die östlich von Papua-Neuguinea gelegen sind, beträgt die Jugendarbeitslosigkeit 45 Prozent.

Der 23-jährige Patrick Arathe hat dennoch die schwierige Aufgabe gemeistert, sich ein dauerhaftes Auskommen zu sichern. Arathes Eltern verschwanden, als er neun war. Der Junge kam in die Obhut entfernter Verwandter, wie es in der Region üblich ist. Seit dem Abschluss der höheren Schule kümmert er sich um Heranwachsende, die ebenfalls von ihren Eltern verlassen wurden. „Ich sah die Kinder und wusste, dass sie wie ich keine Eltern haben“, sagt Arathe. Im vergangenen Juli trommelte er 16 Jugendliche zusammen und begann mit ihnen ein kleines Agrarprojekt.

Arathe sicherte sich eine kleine Parzelle, die seinem Großvater gehörte und die ihm nach dem geltenden Erbrecht zusteht. Dort pflanzen die Jugendlichen inzwischen Kohl, Bohnen, Tomaten, Gurken, Paprika, Kürbis, Kartoffeln, Maniok, Mais, Wassermelonen, Papaya und Bananen an. „Ich hielt den Anbau für die beste Idee, weil es auf dem lokalen Markt nicht genug Gemüse gibt“, meint er.

Nach den Hausaufgaben auf das Feld

Anfangs hielt sich die Begeisterung der Jungen in Grenzen – doch dann entdeckten sie ihr Herz für die Landwirtschaft. Einige von ihnen wollen nun Bauern werden, sobald sie die Schule abgeschlossen haben. Als Gruppenleiter achtet Arathe darauf, dass alle nach dem Unterricht ihre Hausaufgaben machen. Am späten Nachmittag, wenn die Sonne nicht mehr so stark brennt, gehen sie gemeinsam auf das Feld, um zu pflanzen, zu jäten, zu bewässern und zu ernten. Das Obst und Gemüse wird dann am nächsten Tag auf dem Markt verkauft.

Doch nicht immer läuft alles rund. „Der Boden ist hier nicht sehr gut“, berichtet Arathe. Er sieht den Klimawandel als Ursache des Problems. Nach Angaben der ‚Kaston Garden Association‘ (KGA), die zum Gelingen der Jugendinitiative beitrug, haben der durch den Klimawandel ansteigende Meeresspiegel sowie die lang praktizierte Brandrodung das Terrain strapaziert.

Die KGA, die in erster Linie Kleinbauern betreut, will Dorfgemeinschaften in die Lage versetzen, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Arathe und seiner Gruppe wurden Kompostiertechniken und die Herstellung eines organischen Schädlingsbekämpfungssprays aus Chilischoten gezeigt. Wie Arathe zufrieden feststellt, sind die Kohlköpfe größer geworden.

„Wir haben der Gruppe Tipps für die Aufzucht von Gemüse sowie organische Anbaumethoden gegeben“, berichtet die KGA-Projektmitarbeiterin Mary Timothy gegenüber IPS. Außerdem hätten die Kinder und Jungendlichen gelernt, die Beschaffenheit des Bodens etwa durch den Fruchtwechsel zu verbessern.

80 Prozent der insgesamt 552.000 Einwohner der Salomonen leben von der Subsistenzlandwirtschaft und vom Fischfang. Die Nahrungsproduktion reicht für die Bedürfnisse der jährlich um 2,3 Prozent wachsenden Bevölkerung aber nicht aus. Die Infrastruktur des Inselstaates war durch den fünfjährigen Bürgerkrieg von 1999 bis 2003 auf der Hauptinsel Guadalcanal schwer beschädigt worden.

Großaufträge von Unternehmen

Trotz der vielen Probleme steht der Erfolg dieses einzigartigen Experiments nicht in Frage. Die Jungen verkaufen die frischen Produkte direkt an die Dorfgemeinschaft. Zwei Mal in der Woche kommen zudem Großbestellungen von einem Krankenhaus und vier Unternehmen auf der Insel. In einer Woche kann die Kooperative somit umgerechnet zwischen 600 und 1.300 US-Dollar erwirtschaften.

Familien am Ort unterstützen die Initiative, indem sie die Erzeugnisse direkt auf der Farm kaufen. Im Dezember 2012 hatten die Jungen bereits genug Geld zusammen, um für sich selbst zu sorgen und eine Ausbildung zu verfolgen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind auf den Salomonen 14 Prozent der Kinder unter fünf Jahren – das sind rund 5.000 – untergewichtig. 33 Prozent leiden unter Wachstumsstörungen. Nicht so die Kinder der Kooperative. „Sie entwickeln sich gut“, versichert Arathe.

Leslie Kiadapite vom Agrarministerium in Munda hält es für sehr wichtig, junge Menschen für die Landwirtschaft zu gewinnen. Denn selbst diejenigen, die eine Ausbildung gemacht hätten, könnten nicht alle im formalen Sektor Arbeit finden. Deshalb würden die Jugendlichen ermuntert, Land zu bestellen.

 

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.