Gute Beispiele aus

Pakistan: Mädchen fordern Taliban heraus – Bestnoten an weiterführenden Schulen

Bildungsminister von Khyber Pakhtunkhwa, Sardar Hussain Babak, mit zwei Mädchen, die Bestnoten erzielten – Bild: Ashfaq Yusufzai/IPS

Von Ashfaq Yusufzai



Peshawar, Pakistan, 2. August (IPS) – An den Sekundarschulen in Pakistan haben die Mädchen in diesem Jahr besser abgeschnitten als die Jungen. Zudem waren sie mit 115.343 von insgesamt 265.000 Prüflingen in der absoluten Mehrheit. Die Zahlen zeigen, wie wenig die Taliban mit ihrem Krieg gegen Frauenbildung ausrichten konnten.

“Das sind phantastische Ergebnisse, gerade im Hinblick auf die feindliche Haltung der Taliban gegenüber der Mädchenbildung“, meinte der Informationsminister von Khyber Pakhtunkhwa, Mian Iftikhar Hussain. In der Provinz im Norden Pakistans an der Grenze zu Afghanistan und in den benachbarten Stammesgebieten unter Bundesverwaltung (FATA) sind Taliban weiterhin aktiv.

„Dass die Verbrecher in Khyber Pakhtunkhwa und in den FATA in den letzten fünf Jahren etwa 700 Schulen zerstörten, hat unsere Mädchen der Sekundarstufe nicht davon abgehalten, Topnoten zu erzielen“, freute sich der Minister. „Die 15 Besten waren allesamt Mädchen. Das ist gewiss kein Wasser auf die Mühlen der Taliban.“

In von militanten Gruppen heimgesuchten Malakand, einer Region in Khyber Pakhtunkhwa, schnitten die Mädchen ebenfalls sehr gut ab. Dort sicherten sie sich die ersten zehn der 20 besten Plätze. Dabei waren in Malakand zwischen 2007 und 2009 181 Schulen zerstört worden, darunter allein 118 Mädchenschulen.

Bildungswunsch groß



„Eineinhalb Jahre habe ich aus Angst vor den Taliban nicht so gut gelernt. Doch seitdem sie 2009 besiegt wurden, strenge ich mich wieder an“, berichtete Farzana Bibi. Sie war die Zweitbeste ihres Jahrgangs an der weiterführenden Schule (BISE) von Swat, einem der sieben Verwaltungsbezirke von Malakand. „Ich werde alles tun, um Ärztin zu werden, um die Frauen in meiner Region behandeln zu können“, versicherte sie.

Die bereits im letzten Monat bekanntgegebenen Ergebnisse sind auch angesichts der hohen Analphabetenrate unter den Frauen in der Region bemerkenswert. In Khyber Pakhtunkhwa können gerade einmal 17 Prozent und in den FATA 43 Prozent der Frauen lesen und schreiben. Der nationale Durchschnitt liegt bei 68 Prozent.

„All diejenigen, die es sich leisten konnten, sind aus den Kriegsgebieten nach Peshawar und in andere sicherere Orte umgezogen, um ihren Töchtern eine Schulbildung zu ermöglichen“, sagte Islamuddin Khan, ein Prüfer an der BISE von Peshawar. 

Khan zufolge wird den Paschtunen nachgesagt, gegen Frauenbildung zu sein. Das sei nicht der Fall. „Paschtunen investieren mehr in die Bildung von Mädchen als in die der Jungen“, sagte er und fügte hinzu, dass Armee, Polizei und Bevölkerung mit ihrem Widerstand gegen die Taliban ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu den guten Prüfergebnissen der Mädchen geleistet hätten.

Gute Noten machen Mut



Mardan ist eine Stadt in Khyber Pakhtunkhwa. Dort treiben seit 2006 viele Milizionäre ihre Unwesen. „Die Milizen zerstörten 23 Mädchenschulen und brannten 150 Musikläden nieder“, berichtete der Bildungsbeamte Dildar Ali. Die Stadt habe zudem etliche Selbstmordattentate erlebt. In zwei Fällen wurden die Trainingszentren der Armee getroffen. Die guten Noten der Schülerinnen machten Mut.

Jamila Begum hat als Drittbeste abgeschnitten. Sie ist fest entschlossen, sich im wahrsten Sinn des Wortes gegen die Taliban zu stellen. Sie will Polizistin werden, um Schulen vor Übergriffen zu schützen. „Die Regierung muss Frauenbildung noch wichtiger nehmen“, sagte sie im Telefoninterview. „Wir brauchen mehr Geld für die Ausbildung und den Schutz der Mädchen vor den Taliban“, sagte sie.

Nach Aussagen von Javid Khan, einem beisitzenden Prüfer der BISE in Mardan, ist es ermutigend, wie sich Mädchen, manchmal mit Hilfe der Behörden, gegen die Drohungen der Taliban immunisiert haben.

Khan zufolge besteht inzwischen ein großer Bedarf an Lehrerinnen. „Auch brauchen wir mehr Ärztinnen, damit wir unsere Gesundheitsprobleme in den Griff bekommen. Bis 2009 war es Ärztinnen und Krankenschwestern in Swat verboten, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.“

Offenbar haben die Bildungsverbote für Frauen die gegenteilige Wirkung erzielt. „Die Mehrheit der Mädchen empfanden Bildung als etwas sehr Kostbares, das ihnen die Taliban vorenthalten wollten“, sagte der Dozent Mubarak Shah von der Universität in Peshawar. „Nun müssen Frauen lukrative Berufe finden.“

 

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