Gute Beispiele aus

Pakistan: Die Rückkehr des Wassers – Pilotprojekt gibt dürregeplanten Bauern eine Chance

 

Brunnenbetrieb im Soan-Tal wurde auf Solarkraft umgestellt – Bild: Zofeen Ebrahim/IPS

Von Zofeen Ebrahim



Karachi, 23. Mai (IPS) – Der Anblick seines Weizenfelds bereitet dem 50-jährigen Alamgir Akbar aus der ostpakistanischen Provinz Punjab sichtbare Freude. Und dann sagt er mit großer Erleichterung: „Wir hatten in dieser Saison wirklich eine gute Ernte.“

Der Bauer aus Ucchali, einem Dorf im Soan-Tal im Bezirk Kushab, hatte lange warten müssen, bis er ein so positives Fazit ziehen konnte. Fünf Jahre brauchte er, um mit den Folgen einer lang anhaltenden Dürre fertigzuwerden.

Mit nur 4.860 Hektar bewässertem Agrarland und einigen Salzwasserseen ist das Tal am Fuße des berühmten Salzgebirges wahrlich kein idealer Ort für die Landwirtschaft.

Die Menschen dort konnten sich lange auf regelmäßig wiederkehrende Niederschläge verlassen, die ihre 3.000 Gemeindebrunnen auffüllten. Doch in den 1990er Jahren kam die Dürre, die die landwirtschaftlichen Aktivitäten in der Region zum Erliegen brachte und die 150.000 Talbewohner in bittere Armut stürzte.

Vor der Dürre hatten die Farmer ihre bis zu fünf Hektar großen Felder bewirtschaftet und an den Berghängen Terrassenbau betrieben. Sie lebten vor allem vom Verkauf von Blumenkohl, den sie in Städten wie Lahore, Faisalabad, Sargodha und Gujrat verkauften. Während der 75-tägigen Erntezeit verdienten sie zwischen 600 und 800 US-Dollar. Allerdings mussten sie einen beträchtlichen Teil ihrer Einnahmen für den Transport des Blumenkohls zu den Märkten ausgeben.

Im Teufelskreis 



Als die Abstände der Niederschläge größer wurden, bohrten die Familien bis zu 90 Meter tiefe Brunnen. Diese Form der Wasserversorgung war jedoch mit hohen Kosten verbunden. Benötigt wurden Turbinen, um das kostbare Nass nach oben zu holen. Da die Maschinen Unmengen an Diesel verschlangen, fielen enorme Stromkosten an.

Viele Farmer sahen sich damals gezwungen, einen Kredit aufzunehmen oder einen Teil ihres Viehs zu verkaufen. Als sie dann dazu übergingen, ihren Energiebedarf mit Brennholz zu decken, setzten sie einen Entwaldungsprozess in Gang, der die Bodenerosion beschleunigte. Es folgten länger anhaltende Dürren, die wiederum die Ernteerträge schmälerten, wie Gulbaz Afaqi vom Programm zur Entwicklung des Soan-Tals (SVDP) berichtet. Dieser Teufelskreis ließ Menschen wie Akbar schier verzweifeln.

Wer heute den Weg nach Ucchali einschlägt, blickt auf eine malerische Landschaft, aus der hin und wieder Solarpanelen ragen. Das, was Fremde möglicherweise als Verschandelung der Natur beurteilen könnten, ist für die Menschen vor Ort ein Segen. Die Solarmodule, die jeweils drei Kilowatt Strom erzeugen, sind Eigentum eines Kollektivs aus zwölf Familien, die mit Hilfe der Sonnenkraft das Wasser aus den Tiefbrunnen holen und auf ihre Felder leiten.

Seitdem das Pilotprojekt des Pakistanischen Armutsbekämpfungsfonds (PPAF) endlich Früchte trägt, ist Leben in die Dörfer zurückgekehrt. Soweit das Auge reicht, sind Felder zu sehen, auf denen Koriander, Chilis und Kartoffeln gedeihen. Der Fonds hat sich zum Ziel gesetzt, zusammen mit 112 Partnerorganisationen in mehr als 90.000 Dörfern, die sich über 120 Bezirke der Provinz verteilen, Pakistan mit seinen 170 Millionen Menschen bei der Umsetzung der 2015 ablaufenden Millenniumsentwicklungsziele zur Armutsbekämpfung zu helfen.

Ausgestattet mit Geldern der Regierung, internationaler Geber und Unternehmen hat der PPAF 2003 ein landesweites Programm zur Bekämpfung der Auswirkungen von Dürren und anderen Katastrophen aufgelegt. Das Soan-Tal wurde schnell „als eines der Gebiete identifiziert, das unserer Aufmerksamkeit bedarf“, wie der PPAF-Sprecher Zaffar Pervez Sabri gegenüber IPS erläutert.

Um das Schlimmste zu verhindern – dass die lokale Bevölkerung ihr Vieh verliert oder aus dem Tal abwandert, entwickelte der Fonds ein Konzept zur nachhaltigen Nutzung der verbliebenen Wasserressourcen und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Eine nachhaltige Wasserwirtschaft mit positiven Folgen



Bis jetzt hat der PPAF den Bau von 124 Wasserrohren ermöglicht, die die Bewässerung von 3.240 Hektar Agrarland ermöglichen. Darüber hinaus wurden 60 megagroße Regenwassertanks und fünf Sammelstellen für Oberflächenwasser eingerichtet, 40 Stauschwellen zur Bodenkonservierung gelegt und zwölf Ressourcenmanagementmaßnahmen umgesetzt. Von all diesen Vorkehrungen profitieren mehr als 100.000 Menschen.

Die Dorfbewohner haben das Geld für die Solarzellen aufgebracht. Auf diese Weise kamen beispielsweise in Ucchali 6.000 US-Dollar zusammen. Da die Dieselkosten wegfallen, wird sich das Projekt innerhalb von drei Jahren amortisieren.

„Die Dorfbewohner haben auch die traditionellen Bewässerungskanäle aufgegeben, weil sie mit ungeheuren Wasserverlusten einschließlich Verdunstung einhergingen“, berichtet Gulbaz Afaqi vom SVDP. Mit PVC-Schläuchen lasse sich das Wasser problemlos auf die Felder leiten.

Nachdem die Maßnahmen zu einem Anstieg der Ernten um 50 Prozent führten, waren die Bauern bereit, sich auf weitere Änderungen bei der Wahl ihrer Anbauprodukte und Ackerbaumethoden einzulassen. Sie folgten dem Rat der SVDP-Experten und gaben den Anbau von Blumenkohl zugunsten von Kartoffeln auf.

Blumenkohl muss binnen 54 Tagen 15 Mal bewässert werden, Kartoffeln nur halb so oft. Die Nachfrage nach den Knollengewächsen ist so sehr gestiegen, dass diese inzwischen auf 46 Prozent des bewässerten Landes angepflanzt werden. Darüber hinaus pflanzen die Bauern im Sommer Chilis und im Winter Weizen und ernten abwechselnd Nektarinen und Pfirsiche.

Afaqi zufolge sorgen die alternativen Bewässerungsmethoden dafür, dass sich die Landwirtschaft selbst auf einer halben Hektar großen Parzelle rentiert. Ein Kartoffelbauer verdient inzwischen monatlich 1.200 Dollar. Der Anbau von Koriander und Weizen bringt monatlich jeweils bis zu 1.500 Dollar ein.

Rentable Investition 



„Dank einer Anschubinvestition in Höhe von 1,3 Millionen Dollar, der technischen Hilfe des PPAF und der Arbeitsbereitschaft der Bauernfamilien konnten wir eine Wirtschaft in Gang bringen, die jährlich mehr als sechs Millionen Dollar abwirft“, betont Afaqi.

Das Programm hat auch das Interesse der lokalen Bevölkerung an Wasserkonservierungsmethoden geweckt. Dazu gehören unter anderem regelmäßige Kontrollen des Grundwasserpegels an gut 40 Orten. Die Auswertung der Ergebnisse hat ergeben, dass der Grundwasserpegel wieder steigt. Die regelmäßigen Kontrollen haben die Funktion eines Frühwarnsystems, machen sie die Bauern rechtzeitig auf das Absinken der Wasserpegel im Vorfeld der Anbauzyklen aufmerksam.

Das Projekt hat Alamgir Akbar und seiner weit verzweigen Familie, die sich über zwölf Haushalte verteilt, geholfen, sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen: die Einschulung aller Kinder. Ebenso stolz ist der Farmer aus Ucchali auf die kleine Toilette hinter seinem Haus. „Das bedeutet“, sagt er lächelnd, „dass wir nicht mehr auf die Felder müssen, um uns zu erleichtern“.

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.