Gute Beispiele aus

Ozeanien: Tokelau bezieht 100 Prozent erneuerbare Energien – Weltrekord

Solarpanel auf Tokelau. Foto: PowerSmart

Von Catherine Wilson

Brisbane, 1. November 2012 (IPS) – Tokelau, ein kleines polynesisches Territorium im Pazifik, hat den Rest der Welt in Sachen erneuerbare Energien in den Schatten gestellt. So wird der Inselarchipel ab diesen Monat seinen Strombedarf ausschließlich aus alternativen Quellen decken.

Die nördlich von Samoa gelegenen Atolle, die 1.411 Menschen beheimaten, haben mit ihrem Umstieg auf erneuerbare Energien den Weltrekord gebrochen.

„Als Weltbürger sind wir dazu verpflichtet, einen positiven Beitrag zur Milderung der Folgen des Klimawandels zu leisten“, meinte Jovilisi Suveinakama, Generalmanager des öffentlichen Dienstes der Regierung von Tokelau, unlängst in Apia in Samoa im Gespräch mit IPS.

„Wir sind sehr stolz auf das, was wir erreicht haben“, betonte er. „Wir beglückwünschen und ermutigen andere pazifische Inseln und Länder, die den gleichen Weg wie wir eingeschlagen haben.“

Die Atolle Atafu, Nukunonu und Fakaofo, die unter neuseeländischer Verwaltung stehen, liegen zwischen drei und fünf Metern über dem Meeresspiegel und umfassen ein Gebiet von insgesamt zwölf Quadratkilometern.

Weg von teuren Treibstoffimporten


Der Energiebedarf für die allgemeine Stromversorgung, die der Haushalte und des Transportsystems wurde bis vor kurzem mit fossilen Brennstoffen gedeckt. Die Importe kosteten den Archipel rund 819.500 US-Dollar im Jahr.

2004 hat die Regierung von Tokelau einen nationalen Strategieplan zur Steigerung der Energieeffizienz durch Erneuerbare entwickelt. In diesem Jahr kam das Tokelau-Projekt für erneuerbare Energien zum Tragen, das von Neuseeland finanziert wird und eines der weltgrößten netzfreien Solarsysteme umfasst.

In den vergangenen drei Monaten wurden 4.032 Fotovoltaikpanelen auf den drei Atollen installiert. Die Generatoren werden mit lokal produzierten Biotreibstoffen aus Kokosnüssen betrieben.

„Ursprünglich sollte das für die Bereitstellung von Solarsystemen ausgeschriebene Projekt 90 Prozent der Energienachfrage von Tokelau bedienen“, erklärte der in Neuseeland ansässige Projektpartner ‚PowerSmart‘ in einer öffentlichen Erklärung. „Doch tatsächlich sind die installierten Systeme in der Lage, den Strombedarf zu 150 Prozent zu decken. Für die Menschen in Tokelau bedeutet dies, dass sie mehr Strom abrufen können, ohne den Dieselverbrauch zu erhöhen.“

Mehr Ersparnisse für menschliche Entwicklung



Die eingesparten Ausgaben für Treibstoffe werden für Gesundheits- und Bildungszwecke und für die Rückzahlung der Kredite verwendet, die für die Umsetzung des Projekts aufgenommen wurden.

Doch nicht nur Tokelau, auch andere pazifische Inselstaaten verfügen über ein hohes Potenzial an erneuerbaren Energien. So sind sie mit ausreichend Sonnenkraft gesegnet, während die Fidschi-Inseln, Papua-Neuguina, die Solomonen und Vanuatu die besten Voraussetzungen haben, um Energie aus Sonnenkraft und aus Wind, Wasserkraft und Erdwärme zu erzeugen.

Der Region ist gerade aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen an einem Übergang zu einer sauberen Energieversorgung gelegen. Die Inselbewohner sind überproportional von den Folgen des Klimawandels bedroht, obwohl sie noch nicht einmal für ein Prozent der weltweiten Klimagase verantwortlich sind.

Der Zugang zu Strom variiert in der Region. Werden auf Samoa ganze 98 Prozent der Bevölkerung mit Strom versorgt, sind es in Papua-Neuguinea gerade einmal 13 Prozent. Durchschnittlich werden 30 Prozent der insgesamt zehn Millionen Pazifikinselbewohner mit Strom versogt.

„Für die Region ist der Import der weitgehend für die Stromversorgung und den Transport bestimmten fossilen Brennstoffe ein großes Problem“, meint Anirudh Singh, Physikprofessor an der Südpazifik-Universität in Fidschi. „Das hat damit zu tun, dass kleine Bevölkerungsgruppen weit verstreut auf den Inseln leben. Die Treibstoffe durch andere Energieträger zu ersetzen ist angesichts der exorbitanten Importkosten oberste Priorität.“

Erdöl macht 32 Prozent aller Importe Fidschis und 23 Prozent aller Einfuhren Tongas aus. Die Treibstoffkosten für Verbindungen zu weiter entfernten Orten können leicht mit zusätzlichen 20 bis 40 Prozent zu Buche schlagen.

Während einer Konferenz über nachhaltige Energien im karibischen Barbados im Mai hatten sich die Minister der kleinen Inselstaaten auf die Barbados-Deklaration verständigt, die ehrgeizige Ziele für den Umstieg auf erneuerbare Energien beinhaltete. 

Ehrgeizige Ziele

Fidschi hat sich vorgenommen, bis 2013 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestiegen zu sein. Die Cook-Inseln, Niue and Tuvalu streben bis spätestens 2020 eine 100-prozentige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien an.

Fidschi führt derzeit 33,6 Prozent seines Primärstroms und 58,9 Prozent seiner Stromerzeugung auf erneuerbare Energien zurück. Auf den Cook-Inseln sind es 1,6 respektive 0,3 Prozent. Die Solomonen und die Vereinigten Staaten von Mikronesien haben sich das Ziel gesteckt, bis 2015 die Hälfte ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen.

Wie Geoff Stapleton von der Vereinigung der Industrie für nachhaltige Energien der Pazifikinseln (SEIAPI) mit Sitz im australischen Sydney erklärte, ist die Regierung der Cook-Inseln zuversichtlich, dass sie bis 2018 den Energiebedarf des Landes zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen decken kann.

Herausforderungen


Die gemeinsamen regionalen Herausforderungen bestehen darin, die Infrastrukturschwächen auszugleichen, die institutionellen Kapazitäten zu stärken und finanziellen Ressourcen für alternative Energieprojekte zu generieren.

„Die größte Schwierigkeit besteht darin, das nötige Equipment auf die entlegenen Inseln zu bringen und die dort installierten Systeme zu warten und gegebenenfalls zu reparieren“, erläuterte Stapleton. Ebenso wichtig, so Singh, sei die Vermittlung des erforderlichen Fachwissens im Umgang mit erneuerbaren Energien.

Die Südpazifik-Universität ist Projektpartner von DIREKT, dem ‚Small Developing Island Renewable Energy Knowledge and Technology Transfer Network‘. Dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen Universitäten in Deutschland, Fidschi, Mauritius, Barbados sowie Trinidad und Tobago, die das Niveau der wissenschaftlichen Expertise der kleinen Inseln Afrikas, Asiens und der Karibik erhöhen soll.

Zu weiteren jüngeren Initiativen gehören der mit 66 Millionen Dollar bestückte ‚Pazifischen Umweltgemeinschaftsfonds (PEC), der von der japanischen Regierung finanziert und vom Pazifischen Inselforum verwaltet wird. Dieser Fonds hat Inselstaaten im letzten Jahr jeweils an die vier Millionen Dollar für die Umsetzung von Solarentwicklungsprojekten und die ländliche Stromversorgung bereitgestellt.

PEC-finanzierte Projekte haben mehr als 10.000 Menschen auf den Solomonen Licht gebracht. Sie verhelfen Samoa dazu, seinen Treibstoffverbrauch um 135.000 Liter im Jahr zu verringern. Die Vereinigten Staaten von Mikronesien wiederum profitieren, indem sie ihre CO2-Emissionen um 500 Tonnen und ihre Treibstoffausgaben um 486.000 jährlich drosseln können.

 

 

 

 

 

 

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