Gute Beispiele aus

Ozeanien: Männer als Akteure des Wandels gegen Gewalt an Frauen

Von Catherine Wilson 

Honiara, Salomonen, 21. Oktober 2013 (IPS) – Auf den südwestpazifischen Salomoninseln, wo durchschnittlich zwei von drei der etwa 252.000 Frauen von ihren Partnern körperlich und/oder sexuell misshandelt werden, setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass der Kampf gegen die geschlechtsspezifische Gewalt nur mit Hilfe der Männer zu gewinnen ist.

„Es wird Zeit, dass die Männer ihren Teil dazu beitragen, dass Frauen wie menschliche Wesen behandelt werden, die für ihre Familien, die Gemeinschaft und das gesamte Land eine wichtige Rolle spielen“, sagte Pastor Michael Ramo in Feraladoa, einer 5.000 Menschen zählenden Siedlung der Hauptstadt Honiara. „Es ist notwendig, dass Männer sich erheben und Frauen im Kampf gegen die Gewalt unterstützen.“

In diesem Jahr hat sich Ramo an einem Programm für Männer gegen Gewalt gegen Frauen (MAVAW) beteiligt, das von der australischen Entwicklungsorganisation ‚Live and Learn‘ in Honiara organisiert wurde. Das 18-monatige und von Gebern finanzierte Projekt hat 50 Männer aus 27 informellen Siedlungen, in denen 35 Prozent der 64.600 Hauptstädter leben, ausgewählt, um sie zu Akteuren des sozialen Wandels fortzubilden.

Laut Haikiu Baiabe, dem Landesbeauftragten von Live and Learn, zielt die Initiative darauf ab, „Männer zu erreichen und sie dazu zu bringen, die Probleme anzugehen, die als typisch männlich betrachtet werden“. Wie er gegenüber IPS erklärte, betrachten bereits viele Männer Gewalt gegen Frauen als ernstzunehmendes Problem. Ihnen im Rahmen des Projekts den Raum für eine freie Aussprache zu geben, sei einem konstruktiven Dialog förderlich.

Das MAVAW-Programm wurde von den Männern und Frauen der jeweiligen Siedlungen entwickelt, die ihre Sichtweisen darlegten und die Faktoren nannten, die ihrer Meinung nach für das Ausmaß der innerfamiliären Gewalt auf den Salomonen verantwortlich sind.

Zahlreiche Studien, einschließlich eines diesjährigen UN-Berichts über die Ursache von Männergewalt im asiatisch-pazifischen Raum, sehen eine starke Verbindung zwischen Geschlechterungleichheiten und den vorherrschenden Vorstellungen von Männlichkeit.

Der Report hält fest, dass zwar 81 bis 98 Prozent der an der Umfrage beteiligten 10.000 Männer und 3.000 Frauen generell eine Gleichheit der Geschlechter befürworten. Doch mehr als 70 Prozent vertraten die Meinung, „dass eine Frau ihrem Mann gehorchen sollte“.

Wie Pionie Boso vom Programm ‚End Violence Against Women‘ (EVAW) im Frauenministerium erklärte, wird die Ungleichheit der Geschlechter von Generation zu Generation weitergegeben. Dies erkläre, warum Frauen nach wie vor einen niedrigeren sozialen Status einnähmen als Männer. Frauen würden weiterhin auf die häusliche Privatsphäre reduziert und könnten an öffentlichen Entscheidungen kaum mitwirken.

Boso zufolge sind sich Frauen und Männer allerdings einig, dass soziale Gerechtigkeit wichtig ist und Männer an Maßnahmen zur Bekämpfung von Männergewalt beteiligt werden müssen. Eine Studie von 2008 über familiäre Gesundheit und Sicherheit auf den Salomonen kam zu dem Schluss, dass Mitgiftzahlungen und die Ansicht, dass Frauen ihren Männern gehorchen müssen, Faktoren sind, die Gewalt gegen Frauen begünstigten.

Der UN-Bericht führt Gewalt gegen Frauen auch auf Arbeitsstress und Depressionen von Männern zurück. MAVAW habe sich als wertvolles Instrumentarium herausgestellt, um mit Betroffenen arbeiten zu können, berichtete Michael Ramo. Er hofft, dass sich noch mehr Männer finden werden, die bei MAVAW mitmachen. Sie könnten dazu beitragen, Gewalt gegen Frauen durch ein direktes Eingreifen in Konfliktsituationen, die Vermittlung eines gewaltlosen männlichen Rollenverständnisses und ihren Einfluss auf Gleichaltrige, ihre Beziehungen zu Frauen zu überdenken, wirksam zu bekämpfen.

Sensibilisierung von Teenagern 



Das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen hat die Regierung veranlasst, das Problem auf den Lehrplan der Schulen zu setzen. Das Familienbetreuungszentrum in Honiara bietet zudem den Opfern häuslicher Gewalt Hilfe an und führt Workshops für Jugendliche durch, um sie für das Problem zu sensibilisieren.

„Bisher kratzen wir in Honiara erst an der Oberfläche“, meint dazu Baiabe. „Gewalt ist ein Riesenproblem und wir befinden uns gerade einmal am Anfang einer langen Reise“, meinte er. „Wir müssen die Gemeinden stärker in unseren Kampf gegen Männergewalt involvieren, mehr Menschen erreichen und größere Erfolge erzielen.“

 

 

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