Gute Beispiele aus

Ozeanien: Hoffnung auf mehr Geschlechtergerechtigkeit

Geschlechtergerechtigkeit ist in den pazifischen Inselstaaten auf dem Vormarsch – Bild: Catherine Wilson/IPS



Geschlechtergerechtigkeit ist in den pazifischen Inselstaaten auf dem Vormarsch – Bild: Catherine Wilson/IPS

Von Catherine Wilson

Sydney, 14. August 2014 (IPS) – Dame Meg Taylor ist zur neuen Generalsekretärin des Pazifischen Inselforums gewählt worden. Damit stehen drei Frauen an der Spitze des Forums, das sich für die Zusammenarbeit der Pazifikinseln auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet einsetzt. Die Forumsspitze selbst sieht darin einen weiteren Schritt in Richtung Geschlechtergerechtigkeit.

Die aus Papua-Neuguinea stammende Anwältin Taylor war zuletzt Vizepräsidentin der zur Weltbankgruppe gehörenden Internationalen Finanz-Corporation (IFC) und zuvor viele Jahre lang Botschafterin ihres Landes für die USA, Mexiko und Kanada. Zur neuen Generalsekretärin des Pazifischen Inselforums wurde sie auf dem 45. Jahrestreffen der Staats- und Regierungschefs der Inselstaaten vom 29. Juli bis 1. August in Palau gewählt. Sie übernimmt den Posten von Tuiloma Neroni Slade, der turnusmäßig ausscheidet, und wird die erste Frau in dieser Position sein. Neben ihr bilden Cristelle Pratt und Andie Fong Toy die Spitze des Sekretariats mit Sitz in Suva in der Republik Fidschi.

Die Frauen gehen davon aus, dass die Wahl ein wichtiger Schritt hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Region ist. Der Wahl vorausgegangen war bereits vor zwei Jahren eine Erklärung der Staats- und Regierungschefs, sich mehr für die Gleichstellung von Frauen einsetzen zu wollen. Die Erklärung habe in den vergangenen zwei Jahren bereits mehrere positive Resultate erzielt, erklärte Pratt in Palau. „Geschlechtergerechtigkeit wird zu einem immer wichtigeren Thema auf der politischen Bühne“, sagte sie gegenüber IPS. „Beispielsweise wurde auf höchster Ebene ein Peer-Review-Prozess zum Thema eingerichtet.“

Nirgends sind weniger Frauen auf politischen Posten vertreten als in den pazifischen Inselstaaten. Lediglich drei Prozent der politischen Ämter sind mit Frauen besetzt. Der weltweite Durchschnitt liegt dagegen bei 20 Prozent. Auch ist die Gewaltrate gegen Frauen hier besonders hoch. Und in Unternehmen sind weibliche Mitarbeiter stark unterrepräsentiert. Papua-Neuguinea beispielsweise schneidet beim Index zur Geschlechterungleichheit (GII) des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen mit 0,617 ab. Tonga liegt bei 0,462. Norwegen, das als Vorzeigeland der Gleichheit von Frauen und Männern gilt, liegt dagegen bei 0,065.

Erste Gesetze zur Gleichstellung von Frauen

Als die Staats- und Regierungschefs 2012 die Erklärung zur Gleichstellung von Frauen verabschiedeten, kündigten sie gleichzeitig entsprechende politische Reformen an. Sie wollten Frauen den Zugang zu politischen Ämtern erleichtern, ihnen bessere Jobchancen und eine höhere Bezahlung ermöglichen und Frauen, die eigene Unternehmen gründen wollen, unter die Arme greifen. Auch sollten Gesetze verschärft werden, die Gewalt gegen Frauen unter Strafe stellen und Beratungs- sowie medizinische und soziale Einrichtungen geschaffen werden, an die sich Frauen wenden können, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

In Samoa beispielsweise wurde im vergangenen Jahr ein Gesetz verabschiedet, nach dem zehn Prozent der 49 Sitze im Parlament Frauen vorbehalten sind. „Damit ist zumindest einmal der Weg für mehr Gerechtigkeit unter den Geschlechtern bereitet“, sagte Justizministerin Fiame Naomi Mata’afa gegenüber IPS. „Damit werden künftig immerhin jeweils mindestens fünf Frauen im Parlament sitzen.“ Das habe allein große symbolische Wirkung.

Auf den Salomonen sind zwei Prozent der Parlamentsmitglieder weiblich, in Kiribati sind es 8,7 Prozent. In Mikronesien und Vanuatu ist keine einzige Frau im nationalen Parlament vertreten. In Nauru, dem kleinsten Staat im südlichen Pazifik, wurde im vergangenen Jahr eine Frau ins Parlament gewählt. Im Juli dieses Jahres wählte die Bevölkerung der Cookinseln drei Frauen ins Parlament.

Immerhin: Die Ausbildungschancen sind in allen pazifischen Inselstaaten für Jungen und Mädchen gleich. Ausgenommen sind lediglich Papua-Neuguinea, Tonga und die Salomonen. In Samoa und auf den Fidschi-Inseln schnitten Mädchen insgesamt sogar besser ab als Jungs. Doch trotz dieser Zahlen haben junge Frauen noch immer schlechtere Jobchancen als junge Männer, heißt es in einem Bericht des Inselforums aus dem vergangenen Jahr. Außerhalb der Landwirtschaft sind durchweg weniger als die Hälfte der Angestellten Frauen.

Weil auch am Arbeitsplatz sexuelle Belästigung gegenüber den weiblichen Mitarbeitern nicht ungewöhnlich ist, hat Samoa im vergangenen Jahr ein Gesetz verabschiedet, das Diskriminierung und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz unter Strafe stellt. Kiribati, Vanuatu und Tonga planen ähnliche Gesetze.

Drei Viertel aller Frauen der Region haben bereits häusliche Gewalt erfahren

In vielen Ländern wurden in den vergangenen Jahren auch Gesetze verabschiedet, die häusliche Gewalt unter Strafe stellen. Das ist bitter nötig: 60 bis 75 Prozent der Frauen in der Region haben bereits Gewalt in der Familie oder gar vom eigenen Partner erfahren. Das liegt unter anderem an mangelnder finanzieller Unabhängigkeit der Frauen, mangelndem Zugang zum Rechtssystem, einer frühen Heirat und am Festhalten an der Praxis des Brautpreises bei der Eheschließung.

Shamima Ali, Koordinatorin des Frauen-Krisen-Zentrums auf den Fidschi-Inseln, kritisiert zudem, dass die neuen Gesetze zwar auf dem Papier gut aussehen, in der Praxis aber bisher kaum Anwendung finden. „Gesetze können nur dann in die Praxis umgesetzt werden, wenn Umsetzungsprogramme mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden.“

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