Gute Beispiele aus

Ozeanien: Erstes Tiefseebergbau-Projekt wegen Widerstands der Zivilgesellschaft abgebrochen

Die asiatisch-pazifische Meeresregion ist durch hohe Artenvielfalt gekennzeichnet. Foto: Andrew Heyward/AIMS

Von Catherine Wilson

Sydney, 19. Dezember 2012 (IPS) – Nach zweijähriger Vorbereitung ist das erste Tiefseebergbau-Projekt in der südwestpazifischen Bismarcksee vor der Nordküste von Papua-Neuguinea gestoppt worden. Während die verantwortliche Firma in einen Streit über die Finanzierung geraten ist, formiert sich ein beispielloser Widerstand gegen das Vorhaben. Politiker, Wissenschaftler und Gemeinden warnen gleichermaßen vor den unabsehbaren Folgen für Mensch und Umwelt.

Der Tiefseebergbau wird bereits seit den sechziger Jahren kontrovers diskutiert. Die Förderung von Mineralien am Meeresboden wurde bisher durch finanzielle und technische Schwierigkeiten verhindert. Da aber die Vorkommen auf dem Festland knapp werden, die Nachfrage nach Metallen in Schwellenländern, vor allem in Asien, steigt und die technische Entwicklung rasch fortschreitet, rückt dieser Zweig des Bergbaus erneut ins Zentrum des Interesses.

Die Aufmerksamkeit richtete sich bisher auf hydrothermale Quellen am Meeresgrund in einer Tiefe von mehr als 1.500 Metern. In Vulkangebieten hat die geothermale Aktivität in der Erdkruste Sulfid-Depots geschaffen, in denen sich Silber, Gold, Kupfer, Mangan, Kobalt und Zink befinden.

Viele Pazifikstaaten, die nur über eine kleine Landfläche verfügen, haben aus wirtschaftlichen Gründen Interesse an der Ausbeutung ihrer Meeresressourcen gezeigt. Das Territorium der Fidschi-Inseln ist beispielsweise nur 18.376 Quadratkilometer groß, während sich die Hoheitsgewässer über eine Fläche von mehr als 114.600 Quadratkilometer erstrecken.

Tiefseebergbau wird zurzeit in mehreren Staaten in Erwägung gezogen oder vorbereitet: in Papua-Neuguinea, Tonga, Vanuatu, Fidschi und den Salomonen. In diesen Gebieten gibt es Massivsulfid-Vorkommen auf dem Meeresgrund. Im vergangenen Jahr vergab die Regierung von Papua-Neuguinea für 20 Jahre eine Bergbaulizenz an das kanadische Unternehmen ‚Nautilus Minerals‘.

Gold- und Kupferdepots im Wert von Hunderten Millionen Dollar



Das erste Projekt, ‚Solwara 1‘, das jetzt gestoppt wurde, sollte 30 Kilometer vor der Küste von New Ireland in der Bismarcksee durchgeführt werden. In einem Gebiet von 0,11 Quadratkilometern befinden sich Mineralvorkommen in einer Tiefe von 1.600 Metern. Bei der ab kommendem Jahr geplanten Förderung sollte Gold im Wert von 275 Millionen US-Dollar und Kupfer für 783 Millionen Dollar zutage gefördert werden.

Forscher und Wissenschaftlerinnen in der Region warnen jedoch, dass die Auswirkungen des Tiefseebergbaus auf die Meeresorganismen in der artenreichen Region Melanesien möglicherweise unterschätzt werden. „Es wird lange dauern, bis in diesem Zusammenhang alle Unklarheiten beseitigt sein werden“, sagte Chalapan Kaluwin, Umweltwissenschaftler an der Universität von Papua-Neuguinea. „Zehn bis 15 Jahre müsste man noch über das Leben in den Meeren forschen, bevor wir uns an den Tiefseebergbau begeben.“

Das einmalige Meeresökosystem, das durch die hydrothermalen Quellen gedeihen kann und dem etwa Würmer, Muscheln und Krabben zuzurechnen sind, wurde erst in den siebziger Jahren entdeckt. Wissenschaftler und Forscherinnen sind überzeugt, dass sich im Manus-Becken in der Bismarcksee mehr als 40.000 geothermale Quellen befinden könnten.

Ein Sprecher von Nautilus Minerals erklärte in Australien, dass die Mineralgewinnung auf dem Meeresgrund viele Vorteile gegenüber der Förderung auf dem Land habe. Mineralien aus dem Meer seien hochwertiger und der ökologische Fußabdruck sei geringer, da die Infrastruktur zur Förderung wiederverwendet werden könne. Auch seien keine Sprengungen oder größeren Räumarbeiten erforderlich, um die Ressourcen aufzuspüren.

Habitate drohen zerstört zu werden



Nach Angaben des Unternehmens werden die Bergbauarbeiten im Meer „keine direkten Auswirkungen auf Anrainer, Fischer und Riffe haben“. Eingeräumt wurde allerdings, dass die Habitate mancher Meereslebewesen auseinandergerissen werden. Außerdem könnten beim Einsatz der Maschinen Schlammfahnen entstehen und sich Lärm und Vibrationen störend auswirken.

Laut dem australischen Ozeanografen John Luick, der die Erklärung der Firma über die Folgen des Projekts für die Umwelt begutachtet, fehlen noch grundlegende Informationen über die Meeresströmungen, die Gezeiten und den Giftstoffgehalt von Schlammfahnen. Deshalb sei nicht genau bekannt, inwieweit Schadstoffe in die Nahrungskette der Meereslebewesen eintreten oder die Küstengemeinden in New Ireland erreichen.

„Wir wissen nicht genug über die potenziellen Auswirkungen des Tiefseebergbau-Projekts auf die Artenvielfalt im Meer, die Fischer und die Korallenriffe“, bestätigte Kaluwin. Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) und die Abteilung für angewandte Geowissenschaften des Sekretariats der Pazifischen Gemeinschaft (SOPAC) kamen im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass es der derzeitige Kenntnisstand nicht ermögliche, eine zusammenhängende Risikobewertung eines großangelegten Tiefseebergbaus vorzunehmen.

Viele Pazifikstaaten müssen zudem noch Gesetze und Behörden zur Regelung des Tiefseebergbaus einführen. „Papua-Neuguinea hat zudem noch nicht alle Meeresgrenzen festgelegt“, sagte Kaluwin. „Die Regierung muss noch Vorschriften für Offshore-Förderung und Tiefseebergbau erlassen. Auch gilt es dafür zu sorgen, dass die angestammten Rechte von Landbesitzern und Gemeinden an den Meeresressourcen beachtet werden.“

SOPAC arbeitet zurzeit gemeinsam mit der EU an dem Tiefseemineralien-Projekt, um die regionalen und nationalen Kompetenzen bei der Verwaltung und der Beobachtung des Zustands des Meeresgrundes weiterzuentwickeln. In diesem Jahr stellte das Projekt ein regionales Rahmenwerk vor, das die Pazifikinselstaaten beim Entwurf neuer Gesetze unterstützen soll.

Hannah Lily, Rechtsberaterin für das Tiefseebergbauprojekt, forderte Regulierungsmechanismen, bevor mit solchen Vorhaben begonnen werde. Am 23. Oktober nahm die Regierung eine Petition entgegen, die mehr als 24.000 Einwohner von Papua-Neuguinea unterschrieben hatten, um gegen das Solwara 1-Projekt zu protestieren.

Nautilus macht Rückzieher



Anfang November kündigte Nautilus Minerals an, dass es die Anlagen für das 407 Millionen teure Vorhaben bald fertigstellen werde. Dem Unternehmen zufolge ist die Regierung des Landes per Vertrag dazu verpflichtet, rund 75 Millionen Dollar zu zahlen und sich zu 30 Prozent an den Investitionen zu beteiligen. Da der Staat in dieser Frage nicht zustimme, könne Nautilus das Projekt nicht mehr fortsetzen, teilte die Firma mit.

Helen Rosenbaum von der unabhängigen australischen Organisation ‚Deep Sea Mining Campaign‘ sieht die derzeitige Lage als Chance für Regierung, Unternehmen und Zivilgesellschaft, die noch ungeklärten rechtlichen, ökologischen und sozialen Probleme gemeinsam anzugehen.

 

 

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