Gute Beispiele aus

Ozeanien: Allmende ganz praktisch – Dorfgemeinschaften schützen Fische und Korallenriffe besser als der Staat

Von Dorfgemeinschaften geschützte Meeresgebiete bringen mehr Fische hervor. Foto: Bruno de Giusti/CC BY 2.5

Von Stephen Leahy



Cairns, Australien, 18. Juli 2012 (IPS) – Auf dem 12. Internationalen Korallenriff-Symposium (ICSR) im australischen Cairns sind Expertinnen und Wissenschaftler zu dem Schluss gekommen, dass Dorfgemeinschaften viel für den Schutz von Korallenriffen und den nachhaltigen Fischfang tun können. Regierungen können dagegen Schaden anrichten, selbst wenn sie gute Absichten verfolgen.

„In den ersten lokal verwalteten Meeresgebieten (LMA) haben sich die Anzahl und die Größe der Fische in nur wenigen Jahren verdoppelt“, sagt Alan White von der ‚Global Marine Initiative‘ der Umweltorganisation ‚Nature Conservancy‘.

Die ersten dieser von Fischergemeinschaften verwalteten Gebiete entstanden in den achtziger Jahren auf den Philippinen. Die Menschen richteten im Umfeld von Korallenriffen eine 15 Hektar große Zone ein, in der nicht gefischt werden durfte. Nach Angaben von White verdoppelte sich die Zahl der Fische in lediglich drei bis vier Jahren. Erreicht wurde dies ohne Unterstützung der Regierung. „Sobald die Dorfgemeinschaft die Vorteile erkennt, macht sie weiter und verbreitet die Idee“, erklärt er.

Helene Marsh, die Umweltwissenschaften an der James Cook University in Brisbane lehrt, kritisiert, dass Regierungen den Fischereisektor zu oft von oben reglementiert haben. Auch in Australien wollten die in der Fischerei Tätigen ihren Bereich stärker lokal verwalten und selbst daran beteiligt sein.

„Bevor es in den 80er Jahren die ersten lokal verwalteten Meeresgebiete gab, gingen die Fangmengen rapide zurück. Verzweifelte Fischer benutzten Dynamit, um die letzten verbliebenen Fische zu fangen“, berichtet Jovelyn Cleofe, Landeskoordinatorin für die Philippinen bei dem ‚Locally Managed Maine Area Network‘.


Anzahl der Fische und der Arten in Schutzgebieten verdoppelt

In dem Inselstaat gibt es mittlerweile mehr als 1.000 lokal verwaltete Meeresgebiete, die jeweils zwischen 10 und 20 Hektar groß sind. Nicht nur die Menge der Fische ist gestiegen, sondern auch die Anzahl der Arten hat sich verdoppelt. Die Korallenriffe befinden sich ebenfalls in einem besseren Zustand.

Ebenso wichtig sei es, dass die Einkommen der Fischer gestiegen seien, weil sie mehr Fisch mit weniger Aufwand fangen würden. In einigen Fällen verdienten sie außerdem zusätzliches Geld durch Tourismus, sagt Landeskoordinatorin Cleofe.

Jüngste Forschungen haben ergeben, dass winzige Fischlarven in der Laichzeit aus den geschützten Gebieten durch die Strömung in die umliegenden Meereszonen geschwemmt werden. Deshalb ist es schwierig festzustellen, wo sie schließlich hingelangen, wie Geoff Jones vom ‚ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies‘ an der James-Cook-Universität erklärt.

Jones und sein Team sammelten DNA-‚Fingerabdrücke‘ tausender erwachsener Fische in geschützten Gebieten am australischen ‚Great Barrier Reef‘. Danach suchten sie nach jungen Fischen in den Zonen, in denen der Fischfang erlaubt ist und verglichen deren DNA mit der der erwachsenen Exemplare, um festzustellen, ob sie die Eltern waren. Die Forschenden fanden mehr Übereinstimmungen, als sie erwartet hatten. In manchen Gegenden waren es etwa 70 Prozent. Das bedeutet, dass die meisten jungen Fische aus den Schutzgebieten stammten.

„Wir haben nun Beweise dafür, dass mindestens 50 Prozent der Baby-Fische aus den geschützten Gebieten kamen, auch wenn manche in 20 Kilometer Entfernung entdeckt wurden“, sagt Jones.

Die lokal verwalteten Meeresgebiete seien ein großartiges Konzept, das sich rasch verbreitet habe, sagt Stacy Jupiter, Programmdirektorin für die Fidschi-Inseln bei der ‚Wildlife Conservation Society‘. „Die Wissenschaft zeigt uns auch, dass die größten Fische die meisten Eier legen.“

Die Fische und Korallenriffe innerhalb dieser lokal verwalteten Gebiete der Fidschi-Inseln sind laut Jupiter in einem guten Zustand, obwohl es an den Küsten zahlreiche Hotels gebe. Das Modell funktioniere aber nur, wenn die Dorfgemeinschaften die vollständige Kontrolle über den Zugang zu den Fischfanggebieten und den Riffen hätten.


Bedürfnisse künftiger Generationen beachtet


„Wenn die Kontrolle und die Entscheidungen bei den Gemeinden lägen, würden die Bedürfnisse der kommenden Generationen stärker beachtet“, sagt Andrew Wayne, Kongressabgeordneter des pazifischen Inselstaates Palau, der rund 20.000 Einwohner hat.

Wayne zufolge sind die Riffe auf der Insel Guam, auf der die Regierung die Kontrolle ausübe, überfischt und in einem schlechten Zustand. Es sei wichtig, dass seitens der Gemeinden aktiv darauf geachtet werde, dass die Vorschriften eingehalten würden.

Wayne hält auch die Sensibilisierung der jüngsten Einwohner des Landes für äußerst wichtig. „Wir versuchen Kindern die Liebe zu den Korallenriffen nahezubringen. Das wird die Dinge in der Zukunft erleichtern.“

Die Stammesführer in Palau haben früher selbst den Fischfang in Gebieten verboten, in denen sie einen Rückgang der Populationen feststellten. Laut Wayne wird dieses Vorgehen zwar noch respektiert, doch stehe es im Konflikt mit den demokratischen Strukturen in Palau.

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