Gute Beispiele aus

Nigeria und Afrika: Kleinbäuerinnen bringen den Kontinent voran

 

Susan Godwin wurde von Oxfam International 2012 zum 'Female Food Hero' in Nigeria ernannt – Bild: Busani Bafana/IPS

Von Busani Bafana



Des Moines, USA, 21. November 2012 (IPS) – Gib einer Frau ein Almosen, und sie wird sich davon einen Tag ernähren können. Zeige ihr, wie sie Land bestellen und einen Mehrwert erwirtschaften kann, und sie wird mit ihrer Familie ein Leben lang versorgt sein. Die nigerianische Kleinbäuerin Susan Godwin hat diese Vorhersage erfüllt und sogar noch Arbeitsplätze für andere Frauen in ihrem Dorf geschaffen. Die Hilfsorganisation ‚Oxfam International‘ ehrte sie deshalb in diesem Jahr als ‚Nationalheldin für Nahrung‘ in ihrem Land.

Anstatt nach der Missernte vor vier Jahren von Spenden zu leben, drückte Godwin die Schulbank, um alles über neue Anbaumethoden zu lernen. Sie stellte dann einen Geschäftsplan auf, um Zugang zu einem Kredit zu erhalten. „Einige Frauen, die mit mir lernten, gaben auf, als sie sahen, dass das Training ihnen kein Geld verschaffte. Ich wollte aber bis zum Ende weitermachen“, berichtet sie.

Bei der folgenden Ernte hatten sich ihre Erdnuss- und Yamserträge bereits verdoppelt. Von den Einnahmen kaufte sie sich eine Erdnuss-Schälmaschine und begann die Nüsse zu Öl und Kuchen zu verarbeiten. Heute sind Godwin und ihre Familie finanziell abgesichert. Das können nicht viele Kleinbauern in ihrem Dorf Tunduadabu im zentralnigerianischen Bundesstaat Nasarawa behaupten.

Godwin beschäftigt drei Frauen, die ihr bei der Verarbeitung der Erdnüsse helfen. Andere Bauern in dem Dorf kommen dagegen nur mit Mühe und Not über die Runden. Ihrer Ansicht nach liegt das daran, dass sie sich nicht mit neuen Anbaumethoden vertraut gemacht haben und sich weiterhin auf traditionelle Techniken verlassen.

„Die Ausbildung ist vor allem in Nigeria für Kleinbauern sehr wichtig“, betont sie. „Die neuen Methoden haben mir geholfen, einen Weg aus der Armut zu finden. Wir haben genug zu essen, können anderen Leuten etwas davon abgeben und haben etwas zu verkaufen. Jetzt kann ich meine Kinder zur Schule schicken.“

70 Prozent aller Nigerianerinnen arbeiten im Agrarsektor


Aus dem im März veröffentlichten Bericht ‚Oxfam in Nigeria‘ geht hervor, dass etwa 70 Prozent der Frauen in dem westafrikanischen Land zur Agrarproduktion beitragen. Obwohl der Staat die größten landwirtschaftlichen Erträge des gesamten Kontinents verzeichnet, ist die Nahrungsversorgung der Bevölkerung nicht gesichert. Bisher wird erst die Hälfte des urbaren Lands in Nigeria tatsächlich kultiviert.

Godwin hat inzwischen fünf Schälmaschinen, die sie auch Nachbarn gegen eine kleine Gebühr vermietet. „Von den Tageseinnahmen durch die Maschinen gebe ich jeder meiner drei Beschäftigten 200 Naira (knapp zwei US-Dollar). Das ist schon etwas, wenn man sonst gar nichts hat“, erklärt Godwin, die inzwischen Vorsitzende der Vereinigten Bewegung der Kleinbauern ist.

Indem sie ihre Gewinne mit ihren Angestellten teilt, hat sie einigen von ihnen die Chance eröffnet, sich selbstständig zu machen. „Kleinbauern können die Welt ernähren, wenn man ihnen die Werkzeuge dafür gibt und sie unterstützt“, meint sie.

Kürzlich wurde Godwin im US-Bundesstaat Iowa beim ‚Borlaug Dialogue‘ als Vorbild geehrt. Zuvor war sie von Oxfam bereits als ‚Female Food Hero‘ in ihrem Land ausgezeichnet worden.

Sithembile Mwamakamba vom ‚Food, Agriculture and Natural Resources Policy Analysis Network‘ (FANRPAN) beklagt jedoch die große Zahl von Analphabetinnen in Afrika. „Mit der richtigen Unterstützung können Kleinbäuerinnen ihre Bedürfnisse erkennen und dies Politikern kommunizieren“, glaubt sie.

„Man muss Dialog-Plattformen auf lokaler Ebene einrichten, um den Frauen eine Stimme zu geben. Außerdem sind genau auf sie zugeschnittene Ausbildungen notwendig, mit denen sie ihre Produktivität steigern können.“ Wie Mwamakamba betont, müssen solche Programme den Frauen einen größeren Zugang zu Märkten sichern, sodass sie ihre Existenzbedingungen nachhaltig verbessern können.

Tracy Gerstle von der Organisation ‚CropLife International‘ sieht Frauen als Rückgrat der ruralen Wirtschaft. Sie machen demnach 43 Prozent aller Arbeitskräfte im Agrarsektor in Entwicklungsländern und etwa zwei Drittel der rund 600 Millionen armen Viehzüchter auf der Welt aus.

Zentrale Rolle bei globaler Nahrungssicherung



„Wir können nicht die zentrale Rolle ignorieren, die Frauen für die Sicherung der globalen Nahrungsversorgung und das Wirtschaftswachstum spielen“, sagt sie. „Ihnen gelingt es, ihre Familien aus dem Kreislauf der Armut zu befreien, da Frauen tendenziell einen größeren Teil des Einkommens für die Ernährung und Bildung ausgeben. Dennoch haben es Frauen schwer, ihr Potenzial auszuschöpfen, da sie noch immer nicht genügend Zugang zu Land und Finanzmitteln haben.“

In Swasiland führt Happy Shongwe den Kampf gegen Nahrungsunsicherheit an. Die Gewinnerin des FANRPAN ‚Movers and Shakers Civil Society Award 2011‘ produziert zertifizierte Gemüse- und Maissaaten auf ihrer Farm auf dem Lubombo-Plateau in der Region Siteki, 150 Kilometer östlich der Hauptstadt Mbabane. Seit Shongwe sich selbstständig machte, hat sich das Einkommen der zweifachen Mutter verdreifacht. In einer guten Saison erwirtschaftet sie etwa 2.500 Dollar und berät inzwischen sogar die Königsfamilie. Auch an etwa 60 andere Bauern gibt die Pionierin ihre Kenntnisse über die Produktion von Saatenzucht weiter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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