Gute Beispiele aus

Niger: Gärten sind Schlüssel für weibliche Autonomie

Von Ouisseini Issa


Dioga, Niger, 26. Juni 2012 (IPS) – „Salat, Tomaten, Kohl, Zwiebeln, Auberginen, Mango, Zitronen und Orangen…“, Aminata Douramane wird nicht müde aufzuzählen, was sie und die übrigen Frauen der Gartenbaukooperative in ihrem Dorf Dioga im westlichen Niger für den lokalen Markt anbauen. Das üppige Grün der sorgfältig bewässerten Gärten ist ein wohltuender Anblick in dieser ständig von Hunger bedrohten Region.

Douramanes ganzer Stolz sind ein paar 80-jährige Moringa-Bäume, die sie seit ein drei Jahren besitzt. Die Mitt-Sechzigerin ist Präsidentin der 100 Frauen starken Kooperative namens ‚Cernafa‘, mit deren Produkten die örtlichen Landfrauen eigenes Geld verdienen und sich ein Stück Selbständigkeiten erworben haben.

„Wir waren rund 50 Frauen, als wir 2002 auf einem Stück Land, das uns der Dorfälteste überlassen hatte, Gärten anlegten. Der Anfang war nicht leicht, denn es gab nicht genügend Wasser, und viele Leute hielten uns für Narren“, berichtet Douramane. „Inzwischen ist unsere Gruppe auf mehr als 100 Frauen angewachsen, und unsere Gärten sind der Stolz des Dorfes und des gesamten Bezirks Torodi.“

Vor drei Jahren konnten Diogas Gärtnerinnen für umgerechnet 772 US-Dollar, die sie zusammengespart hatten, 4,2 Hektar Land erwerben, denn die Nachfrage nach einem noch breiteren Produktspektrum war groß.

„Die chronisch unsichere Versorgungslage in der Region hat die Frauen von Dioga bewogen, Gemüse anzubauen“, berichtet Salou Moumouni. Der Leiter der Dorfschule berät die Kooperative. „Alljährlich nach der Ernte verlassen die Männer das Dorf, um in der Stadt nach Arbeit zu suchen. Zurück bleiben Frauen und Kinder, die häufig nicht mehr genug zu essen haben. Mit dem Geld, das sie mit dem Verkauf von selbst angebautem Gemüse verdienen, können sie jetzt ihre Familie selbst versorgen.“

Der entschlossene Kampf der Frauen-Kooperative gegen Hunger und Armut wird inzwischen auch von überregionalen Helfern unterstützt. „Seit 2004 bringen wir ihnen bessere Anbautechniken bei und helfen ihnen in organisatorischen Dingen“, sagt der Aktivist Amadou Boubacar, Vorsitzender der in Nigers Hauptstadt Niamey ansässigen Nichtregierungsorganisation (NGO) ‚Action for Sustainable Development‘ (ADD).

„Mit Unterstützung des Internationalen Agrarforschungsinstituts für semi-aride tropische Gebiete‘ (ICRISAT) haben wir vier Grundwasserbrunnen gegraben, einen Wasserturm gebaut und eine Motorpumpe besorgt. Von uns bekommen sie auch Saatgut und Düngemittel“, berichtet Boubacar. Seine Organisation habe zudem dafür gesorgt, dass die kanadische NGO ‚Crossroad International‘ Diogas Frauenkooperative finanziell unterstützt.

Einheimische und internationale Hilfe


„Auch einheimische Behörden und internationale Partner wie ‚Oxfam‘ und die Schweizer Agentur für wirtschaftliche Zusammenarbeit haben uns geholfen“, betont Cernafas‘ Schatzmeisterin Aïssa Boukari. „Sie haben uns mehrere Gartengeräte und Saatgut zur Verfügung gestellt“, berichtet sie.

Nach Regierungsangaben wurden in diesem Jahr in Niger durch die mit Bewässerung betriebene Landwirtschaft einschließlich des Gartenbaus 325.000 Tonnen Getreide geerntet. Das Erntedefizit der gesamten Agrarsaison 2011-2012 belief sich auf 600.000 Tonnen. Das bedeutet, dass 8,3 Millionen der 15,7 Millionen Nigrer von einer Versorgungskrise bedroht sind.

Die Finanzverwalterin der Frauen-Kooperative räumte ein, es sei schwierig, genau zu berechnen, was von der Salat- und Gemüseernte vor der Erntesaison verkauft oder von den Produzenten später direkt vermarktet wird. „Wir wissen aber, dass wir zwischen Dezember 2011 und April 2012 Erzeugnisse für insgesamt rund fünf Millionen CFA (umgerechnet mehr als 9.500 US-Dollar) verkauft haben.“

 

 

 

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