Gute Beispiele aus

Mexiko: Hauptstadt für nachhaltigen Personentransport ausgezeichnet

Fast 50.000 Menschen nutzen das staatliche Fahrradverleihprogramm 'Ecobici' – Bild: EMBARQ Brasil/CC-BY-2.0

Von Emilio Godoy

Mexiko-Stadt, 17. Januar 2013 (IPS) – Experten empfehlen den großen Städten Lateinamerikas, mehr miteinander zu kooperieren, um das Transportwesen der Region nachhaltiger und menschenfreundlicher zu gestalten. „Die Probleme in den unterschiedlichen Ländern gleichen sich“, meinte dazu Bernardo Baranda, Lateinamerika-Regionaldirektor des US-amerikanischen ‚Institute for Transportation and Development Policy‘ (ITDP) im Gespräch mit IPS.

„Die Städte könnten eine Menge voneinander lernen“, versicherte er. Nachdem man lange Zeit dem städtischen Pkw-Transport Priorität eingeräumt und im Zuge des Städtewachstums Planungsfehler begangen habe, gelte es nun dem öffentlichen Personentransport höchste Priorität einzuräumen.

Wie Baranda weiter betonte, gibt es inzwischen etliche Projekte zur Förderung des öffentlichen Personentransports. „Qualitätsverbesserungen und eine Vielfalt alternativer Transportmöglichkeiten tragen dazu bei, dass Städter häufiger ihr Auto stehen lassen.“

Am 15. Januar hatte das ITDP zusammen mit einem internationalen Komitee aus Transport- und Entwicklungsexperten in Washington den Nachhaltigkeitspreis für Transport 2013 an Mexiko-Stadt verliehen. Der ehemalige Bürgermeister von Bogotá, Enrique Peñalosa, überreichte den Preis den beiden Ministern von Mexiko-Stadt, Rufino León (Transport) und Tanya Muller (Umwelt).

Neun Millionen Menschen leben im Bundesdistrikt Mexiko, der Mexiko-Stadt und zahlreiche Gemeinden umfasst. Nimmt man die Ballungsgebiete hinzu, die bis in den umliegenden Bundesstaat Mexiko hineinreichen, ergibt sich eine Gesamtbevölkerung von 20,4 Millionen Menschen. Nach UN-Angaben ist der Großraum Mexiko-Stadt nach Tokio und Neu-Delhi die drittgrößte Megametropole der Welt.

Bremen im Finale



Zu den Finalisten für den Nachhaltigkeitspreis gehörten die argentinische Stadt Rosario, das brasilianische Rio de Janeiro und das ukrainische Kiew. Auch die Stadt Bremen schaffte es mit ihren Car-Sharing-Programmen und Elektrobussen in die Endrunde.

Nominiert wurde Mexiko-Stadt im vergangenen August nach der Aufnahme einer neuen Bustransportroute in das öffentliche Verkehrsnetz. Auch die Ausweitung des öffentlichen Fahrradprogramms ‚Ecobici‘ und die Installation von Parkuhren hatten einen entscheidenden Anteil an dem Beschluss, die Stadt für den Nachhaltigkeits-Award zu nominieren.

Im vergangenen Jahr hatten San Francisco (USA) und Medellín (Kolumbien) den Preis geteilt, in den beiden Jahren zuvor waren das chinesische Guangzhou (2011) und das indische Ahmedabad (2010) mit der Auszeichnung gewürdigt worden.

Im April 2012 wurde die Metrobus-Linie 4 in Betrieb genommen. Sie deckt eine Strecke von 28 Kilometern innerhalb von Mexiko-Stadt ab. Im Oktober des gleichen Jahres wurde zudem die Metrobuslinie 12 eingeweiht, die eine 24 Kilometer lange Strecke bedient.

50.000 Ecobici-Nutzer



Das bereits 2010 eingeführte Fahrradnutzungsprogramm Ecobici wird inzwischen von fast 50.000 Menschen genutzt, die bereits fünf Millionen Fahrten zurückgelegt haben. Mexiko-Stadt verfügt über 264 Fahrrad-Stationen und 3.670 Fahrräder im Zentrum und im Westen der mexikanischen Hauptstadt. Seit Januar 2012 sind zudem in zwei Vierteln im Westen der Hauptstadt Parkuhren installiert. Eine Ausweitung des so genannten ‚Ecoparq‘-Projekts steht unmittelbar bevor.

Diese Maßnahmen der linksgerichteten Partei der Demokratischen Revolution (PRD), die Mexiko-Stadt seit 1997 regiert, sollen das Verkehrsaufkommen in der Stadt, Verkehrsstaus und Luftverschmutzung verringern.

Im Großraum des Tals von Mexiko-Stadt legen die Bürger 49 Millionen Fahrten pro Tag zurück: in 53 Prozent der Fälle in öffentlichen Verkehrsmitteln und in 17 Prozent in Privatautos, wie das lokale Zentrum für nachhaltigen Transport – EMBARQ herausfand. 

Die Regierung von Mexiko-Stadt hat sich für dieses Jahr vorgenommen, die Metrobus- und Ecobici-Systeme auszuweiten und die unterschiedlichen Transportformen besser zu vernetzen. „Bis zu einem integrativen Transportsystem ist es noch ein Quantensprung“, meinte der mexikanische Berater Roberto Remes. „Die reibungslose Verbindung aller Systeme ist wichtig.“

 

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