Gute Beispiele aus

Mexiko: Frauengeführte Wasserschulen lehren Nachhaltigkeit

Von Emilio Godoy

Wasserholende Frauen in Chiapas, Mexico. Foto: Mauricio Ramos, IPS

Mexiko-Stadt, 17. April 2012 (IPS) – In Mexiko haben vorwiegend von Frauen geführte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in dürregeplagten Regionen so genannte Wasserschulen aufgebaut. Dort können die Menschen die nötigen Kenntnisse über einen nachhaltigen Umgang mit der kostbaren und immer knapper werdenden Ressource erwerben und zu einem verantwortlichen Ressourcenmanagement beitragen.

Bereits seit mehreren Jahren werden Menschen in verschiedenen und vor allem wasserarmen Teilen des lateinamerikanischen Landes in Wasserschulen angeleitet. „Wir widmen uns den spezifischen Problemen der einzelnen Regionen und suchen nach konkreten Lösungen“, sagt die Vorsitzende von ‚Calmécac‘, Araceli Díaz.

Der Name ‚Calmécac‘ geht auf die Schulen zurück, die einst die Kinder der Adeligen im alten Aztekenreich besuchten. 2011 eröffnete die NGO eine Wasserschule in der Stadt Taxco im Bundesstaat Guerrero, 150 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt. Promotoren aus zwölf umliegenden Gemeinden geben in der Einrichtung Kurse.

Der Südwesten Mexikos leidet nicht nur unter einem Wassermangel, sondern auch unter einer starken Verschmutzung durch den Gold- und Silberbergbau. Spezielle Schutz- und Säuberungsmaßnahmen sind dort also dringend erforderlich.

Die insgesamt schwierige Wasserversorgung in dem Land wird durch den Klimawandel weiter gefährdet. Mittel- bis längerfristig rechnen Experten mit negativen Folgen für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion, die menschliche Gesundheit und die Artenvielfalt. Auch gibt die Übernutzung von mindestens 100 der 653 Aquifere des Landes Anlass zur Sorge.

All diese Probleme sind auch anderen lateinamerikanischen Staaten bekannt. Auch dort wurden Wasserschulen gegründet, die den Menschen zudem Techniken der Wasseraufbereitung vermitteln. Die Rolle der Frau bei der Wasserversorgung wird ebenso thematisiert. In vielen Dörfern sind Frauen dafür verantwortlich, Wasser zu holen, zu lagern und zu verteilen.

Individuelle Probleme, individuelle Lösungen

Solche in den Gemeinden gesammelten Erfahrungen seien sehr wertvoll, so Edith Kauffer vom Zentrum für Forschung und höhere Studien in sozialer Anthropologie (CIESAS) in Mexiko-Stadt.

Die Mitte und der Norden Mexikos werden seit einem Jahr von einer verheerenden Dürre heimgesucht, die Landwirtschaft und Viehzucht erheblich zusetzt. Mehrere Studien gehen davon aus, dass sie in den nördlichen Landesteilen noch länger anhalten wird.

30 Prozent aller mexikanischen Haushalte sind dem Nationalen Statistikamt zufolge nicht an das öffentliche Wassernetz angeschlossen. 15 Prozent beziehen ihr Wasser nur alle drei Tage aus anderen Quellen.

Die Wasserschule in der Stadt Malinalco im zentralen Bundesstaat Mexiko konzentriert sich auf Maßnahmen zur Säuberung des San-Miguel-Flusses und zur Wiederaufbereitung von Brauchwasser. Sie konnte feststellen, dass allein 2008 an 125 Stellen Abwässer in den Fluss geleitet worden waren.

Wasser ist Leben

„Wir wollen erreichen, dass die Einwohner der Stadt sich der Verschmutzung der Gewässer bewusst werden“, erklärt die Schulleiterin Macaira Vera. „Die Menschen vor Ort müssen begreifen, dass sie sich selbst ihre Lebensgrundlage nehmen, wenn sie ihr Wasser verschmutzen.“

Die Initiative hat dafür gesorgt, dass 125 Biogasanlagen für den Privatgebrauch aufgestellt wurden. Eine Biogasanlage wird von jeweils 18 Familien genutzt und kann sekündlich 1,5 Liter Jauche verwerten. Außerdem wurden vier kommunale Kläranlagen gebaut. Zuvor waren die Abwässer ungefiltert in den Fluss geleitet worden.

Jeden Monat wird die Qualität des Wassers in Malinalco überprüft. Außerdem sammelt die Organisation Geld für eine Pflanzenkläranlage und fördert Initiativen zur Wiederaufbereitung von Regenwasser. Die NGO setzt sich ferner dafür ein, dass Familien ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen. „Denn dadurch ändern sie ihre Konsumgewohnheiten“, betont Díaz.

Prioritär geht es jedoch darum, mehr Menschen den Zugang zu fließendem Wasser zu ermöglichen, die Wasserqualität zu verbessern und den enormen Mangel an Kläranlagen zu beseitigen, sagt Kauffer. „Es gibt praktisch keinen Grenzfluss zwischen Mexiko, Guatemala und Belize, der nicht verseucht ist.“ In Chiapas, einem der ärmsten und zugleich wasserreichsten mexikanischen Bundesstaaten, gibt es zwar immerhin 24 Kläranlagen. Doch nur die Hälfte arbeitet effizient.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte 2010 eine Resolution verabschiedet, in der sie den Zugang zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht festschrieb. Der UN-Menschenrechtsrat erklärte diese Resolution für rechtlich bindend. Die Mitgliedsstaaten der Weltorganisation sind damit dazu verpflichtet, ihre Gesetze entsprechend zu ändern. In Mexiko ist dies bisher allerdings nicht geschehen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.