Malawi: Kampf gegen Müttersterblichkeit- Traditioneller Chief schreibt Geschichte

Von Charles Mpaka

Frauen in Malawi. Foto: Evan Schneider /UN Photos

Lilongwe (IPS) – Im zentralmalawischen Bezirk Ntcheu ist eine kleine Revolution gelungen. Dort hat ein traditioneller Chief dafür gesorgt, dass in den 89 Dörfern, die in seinen Zuständigkeitsbereich fallen, in den letzten Jahren keine Frau mehr an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt gestorben ist.

Bereits im Jahr 2005 startete Kwataine eine Gesundheitskampagne, mit der er als ersten Schritt versuchte, mit traditionellen Ansichten zu brechen. Im ländlichen Malawi war es lange Zeit Tradition, dass Frauen ihr erstes Kind zu Hause zur Welt brachten. Außerdem lag das Recht zu entscheiden, wann eine Frau medizinische Betreuung benötigt, nicht bei ihr selbst, sondern beim männlichen Familienoberhaupt.

Um mehr Frauen dazu zu bringen, sich bei der Geburt eines Kindes in professionelle Hände zu begeben, verbot der Chief den traditionellen Geburtsbegleitern in allen 89 Dörfern ihr Amt auszuüben.

Fünf Jahre später können seine Maßnahmen als erfolgreich gewertet werden. Starben in den Jahren 2000 bis 2005 im Bezirk Ntcheu noch 52 Frauen an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt, kam es dort in den letzten drei Jahren zu keinem einzigen ‚Fall von Müttersterblichkeit mehr.

Landesweit einzigartige Leistung

Das ist landesweit eine beispiellose Entwicklung, ist die Müttersterblichkeit in dem südostafrikanischen Land mit 510 pro 100.000 Lebendgeburten noch hoch. Dieser Anteil ist zwar seit 2006, als noch 807 Todesfälle pro 100.000 Lebendgeburten gezählt wurden, beachtlich gesunken. Doch die Regierung räumt selbst ein, dass sie bei diesem Tempo unmöglich die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) der Vereinten Nationen erreichen wird.

Eines der im Jahr 2000 gesetzten acht Oberziele zur Armutsbekämpfung ist es, die Gesundheitsversorgung von Müttern zu verbessern. Um das von der UN gesetzte MDG zu erreichen, müsste Malawi innerhalb der kommenden fünf Jahre die Zahl der Frauen, für die Schwangerschaft oder Geburt tödlich enden, auf 155 pro 100.000 Lebendgeburten reduziert werden.

Doch für entsprechende Maßnahmen fehlen Geld und Personal. Bereits im Jahr 2005 hatte die nationale Gesundheitsbehörde versprochen, dafür zu sorgen, mehr Hebammen auszubilden und die Gesundheitseinrichtungen besser auszustatten. Bei den Versprechungen ist es allerdings geblieben.

Kritik an der Regierung kommt vor allem vom Malawischen Netzwerk für eine gerechte Gesundheitsversorgung (MHEN). Das Geld für Gesundheitsmaßnahmen bleibe im Verwaltungsapparat stecken. Zudem würden 50 bis 60 Prozent der Gelder für stadtbezogene Maßnahmen des Gesundheitsministeriums ausgegeben, statt die dringend benötigten Mittel an Einrichtungen im ganzen Land weiterzugeben. 80 Prozent der Malawier leben in den ländlichen Gebieten.

Krankenhäuser berfordert

Das Ergebnis des Versorgungsdefizits: Zwar wollen immer mehr Frauen ihre Kinder im Krankenhaus zur Welt bringen, doch sind die Kliniken des Landes auf die steigende Nachfrage nicht eingerichtet. In Ntcheu beispielsweise wollen mittlerweile fast doppelt so viele Frauen im Krankenhaus entbinden – doppelt so viele, wie die Klinik aufnehmen kann.

Kwataine hat es aufgegeben, darauf zu warten, dass die Regierung endlich handelt. Im Rahmen seiner Gesundheitskampagne sorgte er dafür, dass in jedem der 89 Dörfer von Ntcheu je zwei bis fünf Berater eingesetzt werden, die schwangere Frauen über Gesundheitsmaßnahmen informieren.

„Der Ansatz von Kwataine ist eine brillante Idee“, meint ein Beamter, der im Gesundheitswesen beschäftigt ist. „Das Problem ist nur: Wir haben nicht genügend Ressourcen, um die Frauen im Krankenhaus zu behandeln.“ Der Bezirksvorsteher Kwataine will auch dagegen Abhilfe schaffen: Er hat Geld für den Bau einer Geburtsklinik gesammelt.

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