Gute Beispiele aus

Malawi: „Heldinnen der Fluten“ – Frauen trotzen Naturkatastrophen

Die Fluten von Januar verschmutzten auch Hütten und Wasserquellen. Foto Claire Ngozo/ IPS

Von Mabvuto Banda 



Nsanje, Malawi, 16. Oktober 2012 (IPS) – Der Distrikt Nsanje im südlichen Malawi wird immer wieder überflutet und die Bewohner haben kaum finanzielle Möglichkeiten, sich dagegen zu wappnen. Eine möglichst große Widerstandsfähigkeit ist häufig die einzige Chance, die Überschwemmungen zu überleben – und oft sind es die Frauen, die ihre Familien retten.

Chrissie Davie konnte im vergangenen Januar nur zwei ihrer drei Kinder vor dem Überschwemmungstod schützen. „Das Wasser drang so schnell in unser Haus ein, dass mein jüngster Sohn Chimwemwe schon tot war, als ich aufwachte.“ Chimwemwe war 18 Monate alt.

Mit den zwei anderen Kindern erreichte die 24-Jährige eine der Schulen am Ort. Doch schon nach wenigen Stunden mussten sie mit anderen Schutzsuchenden weiterziehen, weil das Wasser auch bis zur Schule vordrang. Die Gruppe musste stundenlang wandern, bis sie das Notfallcamp Nyatwa der malawischen Streitkräfte erreichte.

Als der Tropensturm Funso im Januar über den Süden Malawis fegte, verloren rund 6.157 Familien ihr Hab und Gut. In nur wenigen Minuten zerstörte er mehr als 1.000 Hektar Land und 343 Häuser. Tropenstürme sind zwar nicht so häufig in der Region, dafür kommt es jedes Jahr zu heftigen Regenfällen.

„Zu betrunken und schwach zum Schwimmen“


Im Jahr 2003 wurde das Gebiet von einer Sturzflut heimgesucht. Sandram Chale erzählt, dass seine Frau ihm damals das Leben rettete. „Sie packte mich am Handgelenk und zog mich aus dem Wasser, das in unser Haus eingedrungen war, als wir schliefen. Ich war zu betrunken und schwach zum Schwimmen.“

Zwei Wochen lang hatte es Bindfäden geregnet. Tausende Häuser wurden zerstört. 300.000 Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf. Acht Menschen starben, und mehrere wurden vermisst. Dorothy Chale rettete nicht nur ihren Mann, sondern auch ihre vier Kinder, als die Wassermassen über die Ufer des Ruo- und des Shire-Flusses traten.

Malawi ist ein ressourcenschwaches Land im Südosten Afrikas ohne Zugang zum Meer. Dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zufolge ist es besonders anfällig für Naturkatastrophen wie Überflutungen und schwere Dürren, die im Rhythmus von drei bis fünf Jahren wiederkehren.

„Die Auswirkungen des Klimawandels auf Malawi können nicht exakt bestimmt werden, aber die Vorhersagen für das südliche Afrika lassen darauf schließen, dass die Region eine der anfälligsten gegenüber dem Klimawandel ist“, sagt das UNDP.

65 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Ein Großteil der 16 Millionen Einwohner des Landes lebt in ländlichen Gebieten. Viele bauen Mais an, um ihr Überleben zu sichern. „Es ist notwendig, eine nationale Strategie zu entwickeln, um das Katastrophenrisiko zu mindern“, fordert die UN-Organisation.

Immerhin hat die Regierung bereits im Jahr 2009 die Risikoreduzierung zu ihrer Priorität erklärt. Die Behörde für Katastrophenmanagement wurde im Haushaltsjahr 2011/2012 mit rund 100.000 US-Dollar ausgestattet, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Katastrophenmanagement zu schärfen.

3,2 Millionen Dollar sind eingeplant, um auf die Folgen von Naturkatastrophen reagieren zu können. Das Geld ist jedoch dem Finanzministerium zugeordnet. Nichtregierungsorganisationen fordern, dass es der Behörde für Katastrophenmanagement überschrieben wird, sodass diese eigenständig auf Naturkatastrophen eingehen kann.

„Dadurch fiele es der Behörde leichter, besser zu planen. Einige der Katastrophen sind mittlerweile vorhersehbar“, schreiben das Malawische Wirtschaftsgerechtigkeitsnetzwerk ‚Christian Aid‘ und das Zentrum für Umweltpolitik in ihrem gemeinsamen vorläufigen Bericht ‚Analyse des Haushalts 2011/2012‘ mit einem Fokus auf dem Klimawandel.

„Unsichtbare Heldinnen“


Für den Bevollmächtigten des Distrikts Nsanje, Rodney Simwaka, sind die Frauen der Region „unsichtbare Heldinnen“. „Wir betrachten sie immer als Opfer, aber übersehen dabei ihre Stärke und ihre Widerstandsfähigkeit, mit der sie die Naturkatastrophen überleben.“ Viele Frauen seien allein zu Hause, während sich ihre Männer zur Arbeit in der Stadt aufhielten, wenn die Flut ihre Häuser erreiche. „Meistens ist es die Frau, die entscheidet, wann sie ihre Familie und ihr Hab und Gut an einen höher gelegeneren Ort bringen muss. Es ist die Frau, die ihre Kinder rettet.“

In den vergangenen Jahren sind Überschwemmungen in der Region immer häufiger geworden. Es ist immer gefährlicher, hier zu leben und immer schwieriger, Landwirtschaft zu betreiben. „Früher wurde die Gegend alle fünf Jahre überflutet, jetzt passiert das fast jedes Jahr“, sagt der Dorfoberste Osiyana. „Sie sind außerdem kräftiger geworden und daher eine wirkliche Bedrohung für unsere Lebensgrundlage.“

 

 

 

 

 

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