Gute Beispiele aus

Liberia und Malawi: Afrikas Präsidentinnen wollen Frauen zusammen stärken

Von Travis Lupick

Malawis Präsidentin Joyce Banda (links) und Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf bei einer gemeinsamen Frauenrechtsveranstaltung. Foto: Travis Lupick, IPS

Monrovia, 10. Mai 2012 (IPS) – In ganz Afrika gibt es nur zwei weibliche Staatsoberhäupter: Ellen Johnson Sirleaf (Liberia) und Joyce Banda (Malawi). Sie haben angekündigt, ihre Kräfte für die Durchsetzung von Frauenrechten zu bündeln.

Wie Sirleaf und Banda unlängst in der liberianischen Hauptstadt Monrovia erklärten, werden sie ihre Führungspositionen nutzen, um den Frauen der Region Anlass zu Freude zu geben. „Heute ist ein Tag, an dem sie frohlocken können“, so Banda am 29. April in Anwesenheit der liberianischen Staatschefin. „Das ist unser Tag, unser Jahr und unser Jahrzehnt“, sagte sie mit Blick auf die ‚Afrikanische Frauendekade‘, die die Afrikanische Union (AU) 2010 ausgerufen hatte.

„Wir beide sind stark“, versicherte Sirleaf. „Zusammen können wir viel erreichen, um Frauen zu mehr Einfluss und gesellschaftlicher Anerkennung zu verhelfen.“ Ihre Regierung werde mit Malawi zusammenarbeiten, um die Rolle der Afrikanerinnen zu stärken.

Dass den beiden Präsidentinnen eine Herkulesaufgabe bevorsteht, lässt sich am Stand der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) der Vereinten Nationen ablesen. Liberia und Malawi hinken bei der Gleichberechtigung und Stärkung der Rolle der Frau, der Mädchenbildung und der Gesundheit von Müttern den Zielvorgaben hinterher.

Die MDGs, die im Anschluss an den New Yorker UN-Millenniumsgipfel im Jahr 2000 formuliert wurden, sehen unter anderem vor, bis 2015 Armut und Hunger zu halbieren, allen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen, die Rolle der Frau zu stärken, die Kindersterblichkeit zu senken und die Gesundheitsversorgung von Müttern zu verbessern.

Beide Länder vor großen Herausforderungen

Dem UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) zufolge wird Liberia nur einige Unterpunkte der frauenbezogenen MDGs erreichen. Malawi wird aller Voraussicht nach keines dieser Ziele erreichen. Dennoch zeigte sich Banda überzeugt, dass die Voraussetzungen nie besser waren, um die Frauenrechte in Afrika voranzubringen.

Die Friedensnobelpreisträgerin Sirleaf war 2005 zur ersten Frau an die Spitze eines afrikanischen Landes gewählt worden. 2011 ging sie erneut siegreich aus den Wahlen hervor. Hatte sie sich in ihrer ersten Amtszeit auf den Wiederaufbau des durch einen blutigen Bürgerkrieg (1999-2003) zerstörten Landes konzentriert, will sie nun Frauenrechten und der Gesundheit Priorität einräumen.

Banda folgte dem ehemaligen Präsidenten Bingu wa Mutharika nach dessen plötzlichen Tod Anfang April ins Amt. Nachdem sie 2009 zur Vizepräsidentin gewählt worden war, kam es zu einem Zerwürfnis mit dem damaligen Staatschef und in der Folge zu ihrem Ausschluss aus der regierenden Demokratischen Volkspartei. Obwohl sie politisch nichts mehr zu sagen hatte, blieb sie Vizepräsidentin. 2011 gründete sie die oppositionelle Volkspartei, der sich nach dem Tod Mutharikas zahlreiche Abgeordnete anschlossen.

Sowohl Sirleaf als auch Banda regieren Länder, die vor enormen Entwicklungsproblemen stehen. Der Versöhnungs- und Wiederaufbauprozess Liberias ist auch ein Jahrzehnt nach Kriegsende noch immer nicht abgeschlossen. Malawi wiederum leidet unter den Folgen einer schweren Wirtschaftskrise, die Mutharikas letztes Amtsjahr kennzeichnete. Missmanagement und Menschenrechtsverletzungen führten dazu, dass die Geber ihre Hilfen für das Land einstellten.

Vielversprechende Maßnahmen

Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen beide Staatspräsidentinnen an der Heimatfront zu kämpfen haben, gibt es Anzeichen dafür, dass es ihnen ernst damit ist, die Frauenrechte voranzubringen. In Liberia zeigt sich dies in einer erhöhten Regierungsbeteiligung von Frauen und dem Bemühen, diese stärker an den demokratischen Prozessen zu beteiligen.

„1997 wussten die wenigsten Marktfrauen unseres Landes über den Wahlvorgang Bescheid“, erläuterte die liberianische Frauenministerin Julia Duncan-Cassell im Gespräch mit IPS. Das sei 2005 anders gewesen. Viele hätten sich für die Wahlen registrieren lassen. 2011 seien sie dann in der Lage gewesen, ihren Namen zu schreiben, anstatt wie zuvor ihren Fingerdruck abzugeben.

Was die Einschulungsrate angeht, deutet alles darauf hin, dass die Mädchen auf dem besten Weg sind, mit den Jungen gleichzuziehen, versicherte Duncan-Cassell. Bestätigt wird ihre Aussage durch den UNDP-Bericht von 2010 und den Stand der MDGs. Demnach liegt das Einschulungsverhältnis von Jungen zu Mädchen an den Grundschulen bei 1:0,88 und an den weiterführenden Schulen bei 1:0,69.

Mit Blick auf die Gesundheit von Frauen hat Liberia 2011 einen Fünfjahresplan gestartet, der die Mütter- und Säuglingssterblichkeit halbieren und die Zahl der ausgebildeten Geburtshelferinnen um 50 Prozent erhöhen soll. Einer Demographie- und Gesundheitserhebung von 2007 zufolge liegt die Müttersterblichkeitsrate bei 994 pro 100.000 Lebendgeburten. Sie ist eine der höchsten weltweit.

Banda hat in ihrer kurzen Amtszeit ebenfalls einige vielversprechende Schritte eingeleitet, um Frauen zu fördern. So holte sie acht Frauen ins Kabinett. Sie machte unter anderem eine Frau zur stellvertretenden Präsidialamtsministerin und eine weitere zur Vizegeneralinspekteurin der Polizei. Außerdem hat sie ein Landwirtschaftsprogramm und eine Vermarktungsinitiative gestartet, die Frauen ökonomisch voranbringen sollen.

Ferner tritt sie mit einem präsidialen Müttergesundheitsprojekt in die Fußspuren von Sirleaf, „Das habe ich mir von meiner großen Schwester abgeguckt“, sagte Banda in Monrovia. „Malawis Müttersterblichkeit liegt bei 675 pro 100.000 (Lebendgeburten). Als Präsidentin und Mutter fühle ich mich verpflichtet, das unnötige Sterben von Frauen zu beenden“, betonte sie.

Unterstützung der AU

Litha Musyimi-Ogana, Leiterin des AU-Frauendirektorats, begrüßte die Partnerschaft zwischen Sirleaf und Banda. Im Telefongespräch mit IPS erklärte sie: „Es ist wunderbar zu hören, dass Präsidentin Banda und Präsidentin Sirleaf der Afrikanischen Frauendekade Priorität einräumen und gemeinsam die Rechte von Frauen voranbringen wollen.“ Im Namen des AU-Kommissionschefs Jean Ping sagte sie den beiden Staatsoberhäuptern für ihre Frauenförderprogramme die volle Unterstützung der AU-Vertreter und –ressourcen zu.

„Ich weiß, dass Frauen aufgrund von Faktoren wie HIV/Aids, Armut, Konflikten und schädlichen kulturellen Praktiken vor großen Schwierigkeiten stehen“, sagte Banda bei ihrem Besuch in Monrovia zu Sirleaf. „Doch ich bin fest davon überzeugt, dass Sie und ich unermüdlich zusammenarbeiten werden, um die Frauenrechte auf unserem Kontinent zu verbessern.“

Duncan-Cassell zufolge gibt die Präsidentschaft von Joyce Banda trotz aller Schwierigkeiten in dem Land Grund zu Hoffnung. „Jetzt haben wir Joyce“, sagte sie. „Und um es mit den Worten von Präsidentin Sirleaf zu sagen: Sie ist nicht allein unter Männern. Sie hat eine Mitstreiterin.“

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