Gute Beispiele aus

Kuba: Spitzensportler gegen Gewalt an Frauen

Von Yvet González

Havanna, 23. September (IPS) – In Kuba ist es eher selten, dass sich Sportler im öffentlichen Fernsehen mit konkreten Anliegen zu Wort melden. Doch derzeit machen Spitzensportler und junge Talente in TV-Spots gegen Gewalt unter Männern und in der Familie mobil.

„Wir können unsere Fans mit diesen Kampagnen erreichen“, meint Daniel Luis, der der kubanischen Fußballmannschaft der unter 20-Jährigen angehört. Solche Initiativen seien auch hilfreich bei der professionellen Ausbildung junger Athleten.

Zahlreiche Sportler haben sich in dem kubanischen Iberoamerikanischen und Afrikanischen Männernetzwerk (RIAM) zusammengeschlossen, einer Interessengemeinschaft mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern beiderlei Geschlechts in 40 Ländern auf drei Kontinenten, um ‚Macho‘-Stereotypen zu überwinden.

RIAM begann 2007 mit Untersuchungen über Gewalt im Sport. In diesem Jahr konnten Dutzende Athleten für Präventivaktionen gewonnen werden. In Kuba ist dies ein absolutes Novum. „Das hat mit sozialer Unbeweglichkeit zu tun“, meint der RIAM-Koordinator in Kuba, Julio Cesar González Pagés. „Früher wäre es uns niemals eingefallen, Sportler an solchen Kampagnen zu beteiligen. Dabei haben sie häufig einen größeren Einfluss als Politiker und andere Persönlichkeiten.“

Mit ihren Friedensbotschaften treten die kubanischen Sportler bei Veranstaltungen in der Hauptstadt Havanna, Pinar del Rio und Matanzas auf. Das Fußball-Jugendteam, das sich als erstes in der Geschichte des Karibikstaates für ein internationales Turnier qualifiziert hatte, machte bei den diesjährigen U-20-Weltmeisterschaften im Juni und Juli in der Türkei gegen häusliche Gewalt Front.

Prominente Athleten gründeten Netzwerk

Auf diese Aufgabe werden die Athleten in Workshops in Sportschulen in Havanna und Pinar del Rio vorbereitet. Um die Initiative noch weiter zu stärken, stellte RIAM am 30. August das ‚UNITE‘-Netzwerk für Gewaltlosigkeit im Umgang mit Mädchen und Frauen vor. Eugenio George, der einst als bester Frauen-Volleyballtrainer der Welt galt, sowie die Fußballer Luis Torres, Abel Martínez und Andy Baquero gehören zu den Gründungsmitgliedern.

Ihr Beispiel macht Schule, denn viele Sportler haben bereits zugesagt, sich als Botschafter für Friedenskultur und Gewaltlosigkeit engagieren zu wollen. Das Netzwerk steht als Teil der ‚UNITE To End Violence Against Women’–Kampagne unter Führung von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon allen Interessenten aus Lateinamerika und der Karibikregion offen.

Bis Februar formierte sich eine Gruppe mit etwa 70 kubanischen Sportlern, von denen 30 Medaillengewinner bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften sind. Unter ihnen sind der Hochspringer Javier Sotomayor und der Boxer Félix Savón, die sich mit ihren Mitstreitern an TV-Spots beteiligt haben.

„Es ist großartig, dass diese Botschaften verbreitet werden. Um das Problem in den Griff zu bekommen, muss man allerdings viel Zeit auf Bildungskampagnen und die Verschärfung von Gesetzen verwenden“, sagt der Verkäufer Alejandro Roque, ein Fußballfan. „In den Stadien gibt es viel Gewalt, vor allem, wenn wichtige Baseball-Partien anstehen.“

Während der Baseball-Saison 2010-2011 wurden etwa 50 Sportler und 26 Trainer wegen schlechten Benehmens ausgeschlossen. Auch das Verhalten der Fans erntet immer wieder Kritik. „Sie attackieren Spieler oder die gegnerische Mannschaft mit rassistischen, homophoben und Macho-Sprüchen“, erläutert der Sportkommentator Alejandro Céspedes.

Ein Amateurvideo, das in unterschiedlichen Formaten im Umlauf ist, zeigt eine größere Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern zweier Baseball-Mannschaften 2010 im José Antonio Huelga-Stadion in der Stadt Sancti Spiritus im Zentralkuba.

Fußball in Kuba immer beliebter

„Unsere hauptsächliche Zielgruppe sind junge Männer“, sagt González Pagés. Die Initiative konzentriere sich auf Fußballer, da diese Disziplin bei jungen Leuten neben dem Nationalsport Baseball immer beliebter werde. 

Laut einer von RIAM 2012 durchgeführten Untersuchung, bei der rund 5.000 Teenager und junge Erwachsene in 18 Städten Kubas befragt worden sind, bezeichneten 87 Prozent Fußball als ihre Lieblingssportart.

„Je größer das Interesse, desto mehr Menschen werden bei Spielen zu den Informationsständen kommen. Wir müssen Präventionsarbeit leisten, mit den Sportlern sprechen und ihnen mit Hilfe von audiovisuellem Material zeigen, wie sie mit Gewaltsituationen umgehen können“, sagt Trainer Darién Díaz.

Da Fußball erst jetzt in Kuba populär wird, sind gewaltsame Zwischenfälle bei Spielen bisher noch nicht bekannt geworden. Wie eine Studie an der brasilianischen Universität Salgado de Oliveira belegt, verzeichnet die Kicker-Nation Brasilien weltweit die höchste Zahl von Todesfällen im Zusammenhang mit Fußball. Im letzten Jahr waren es 23 gewesen, so die brasilianische Universität von Salgado de Oliveira.

 

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