Gute Beispiele aus

Kuba: Mit weiblicher Kreativität gegen den Klimawandel – Gemeinden profitieren von ‚Kultur der Fürsorge‘

Stürme verursachen zwei Meter hohe Flutwellen in Havanna. Foto: Jorge Luis Baños/IPS

Von Ivet González



Havanna, 29. August (IPS) – Blanca Lima braucht nur eine Stunde, um ihre elektronischen Geräte und ihre Kleidung weit oben auf den Regalen zu platzieren. Andere wichtige Gegenstände stellt sie auf Regalbretter, die sie nur wenig unterhalb der Decke angebracht hat. Jetzt kann die Flut kommen.

„Wenn Überschwemmungen angekündigt werden rette ich sofort den Kühlschrank und die Matratzen“, erzählt Lima, die in Vedado wohnt, einem Stadtteil in der kubanischen Hauptstadt Havanna die an der Küste des Atlantischen Ozeans liegt. „Ich habe schon so viele Überflutungen mitgemacht, dass ich bereits ein System entwickelt habe, wie ich mich dagegen wappne.“

Frauen spielen auf Kuba eine große Rolle im Risikomanagement gegen Naturkatastrophen, sagt die Gender-Wissenschaftlerin Isabel Moya. „Frauen haben dazu beigetragen, traditionelle Praktiken und Dynamiken zu verändern – und dabei auch besser mit Risiken umgehen zu können und die Umwelt besser zu schützen.“ Moya zufolge liegt das vor allem daran, dass Frauen sich mehr als Männer gesellschaftlich engagieren.

„Mädchen lernen von klein auf, sich um andere Menschen zu kümmern. Später wenden sie diese Fähigkeit häufig in ihrer Nachbarschaft an“, sagt Moya. Frauen verbünden sich demnach leicht mit anderen Frauen und bauen eine Kultur der Solidarität untereinander auf.

Einsatz für die Gesellschaft



Blanca Lima kümmert sich im Falle eines nahenden Hochwassers an der Küste des Atlantischen Ozeans nicht nur um ihr eigenes Hab und Gut. Kürzlich fuhr sie in die Außenbezirke von Havanna, um Reste des sogenannten „Jaimanita“ für sich und ihre Nachbarn zu erwerben. Diese Steinfliesen werden auf Kuba vor allem eingesetzt, um die Wände vor dem salzhaltigen Meerwasser zu schützen.

„Hier im niedrigen Teil der Stadt leben hauptsächlich ältere Menschen, die schon im Ruhestand sind, und die wenig Geld haben“, sagt Lima. Die Jaimanita-Kacheln seien sehr teuer, sodass die Bewohner von Vedado sie sich kaum leisten können. Lima verhandelte mit den lokalen Behörden, um die Kacheln für sich und ihre Nachbarn zu einem günstigeren Preis zu erhalten.

Wenn das Meer ansteigt, dann überschwemmt es die Straßen nahe der Küste um bis zu zwei Metern. Das kubanische Meteorologie-Institut ‚Ismet‘ hat für die Jahre 1901 bis 2011 die Höhe der Überschwemmungen untersucht. Das Ergebnis wurde in diesem Jahr in der lokalen Fachzeitschrift ‚Ciencias de la tierra y el espacio‘ (‚Boden- und Raumwissenschaften‘) veröffentlicht. Die Forscher gehen demnach davon aus, dass bei Überflutungen das Meer wegen des Klimawandels immer höher steigt.

„1993 habe ich sehr viel verloren – noch einmal wird mir das nicht passieren“, sagt Lima über den sogenannten Sturm des Jahrhunderts, der vor 19 Jahren im Atlantischen Ozean wütete. Der Zyklon von 1993 gilt als der heftigste, der jemals im Atlantischen Ozean registriert wurde. Er hat Kuba nicht direkt getroffen, löste aber heftige Überschwemmungen auf der Insel aus. In Havanna wurden 20.000 Menschen evakuiert, im ganzen Land rund 200.000. Neben dem Hurrikan Wilma im Jahr 2005 hat er die meisten Zerstörungen an Limas Haus angerichtet.

Großteil der Wirtschaftsleistung Kubas geht auf Konto der Frauen



In Programmen zur Risikominderung von Naturkatastrophen spielen Geschlechterungleichheiten mittlerweile eine große Rolle. Schwerpunkte werden daher auf das Empowerment von Frauen gelegt sowie auf die Bürgerbeteiligung.

Frauen sind auf Kuba für die Organisation der Familienhaushalte zuständig – auch finanziell. Dem nationalen Statistikamt zufolge waren Frauen im Jahr 2011 für 60 Prozent der Wirtschaftsleistung verantwortlich. Sie stellten 60,2 Prozent der Universitätsabsolventen und 63 Prozent des technischen Personals im Staatsdienst.

„Um die Folgen des Klimawandels abzumildern, müssen alle Teile der Bevölkerung, und vor allem die Frauen, ihren eigenen Weg finden – ihr Wissen und ihre Erfahrungen aber untereinander teilen“, sagt Lima.

 

 

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