Gute Beispiele aus

Kuba: Bio-Genossenschaften prosperieren

Die Finca Vivero Alamar beschäftigt 195 Menschen – Bild: Jorge Luis Baños/IPS

Von Ivet González

Havanna, 22. Mai 2013 (IPS) – „Was hier zählt, ist der Mensch“, meint der Agronom Miguel Ángel Salcines von der kubanischen Agrarkooperative ‚Vivero Alamar‘. „Wir bieten flexible Arbeitszeiten, eine vergleichsweise gute Bezahlung, Weiterbildungsmöglichkeiten und vieles mehr“, fügt er hinzu. „Dadurch gelingt es uns, Fachkräfte, die für die Produktion hochwertiger Lebensmittel so wichtig sind, an unser Unternehmen zu binden.“

Transparenz, zinslose Darlehen, und die gezielte Förderung von Frauen sind weitere Pluspunkte, mit denen die 1997 rund 15 Kilometer östlich von Havanna gegründete Initiative aufwarten kann. Auch bietet Vivero Alamar Besuchern Führungen und eine kostenlose Mahlzeit an. „Für die Ernährungssicherheit in Kuba brauchen wir Fachkräfte“, erläutet Salcines.

Der Anstieg der internationalen Nahrungsmittelpreise infolge der schlechten Ernten in vielen Teilen der Welt ist auch für die Karibikstaaten, die einen Großteil ihrer Lebensmittel einführen, ein Problem. Obwohl in Kuba keine fünf Prozent der Bevölkerung an Unterernährung leiden, sieht sich die Regierung zu Importen im Wert von mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar im Jahr gezwungen. Das ist für eine seit über 20 Jahren kränkelnde Volkswirtschaft ein schmerzhaft hoher Betrag. Die Verringerung der Importkosten und die Ausweitung der Agrarproduktion genießen für die Regierung von Staatspräsident Raúl Castro oberste Priorität.

Doch nach Angaben des Nationalen Statistikamts ist die Nahrungsmittelproduktion im laufenden Jahr um 7,8 Prozent gesunken. „Es gilt eine hohe Nachfrage zu decken“, bestätigt Salcines, der Gründer der Kooperative, die inzwischen 10,14 Hektar Land unter freiem Himmel bewirtschaftet und mehr als 230 Agrarpflanzenarten anbaut.

Vom Zwerg zum Riesen



In einem Land mit einer weitgehend ineffizienten Landwirtschaft ist Vivero Alamar ein Ausnahmefall. Die Produktion ist dank der ständigen Professionalisierung des ökologischen Landbaus in den letzten 15 Jahren immer weiter gestiegen und hat auch den Generaldirektor der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, José Graziano da Silva, der die Farm kürzlich besucht hatte, tief beeindruckt.

Im letzten Jahr fuhren die Genossenschaftsmitglieder 400 Tonnen Gemüse, 5,5 Tonnen Heilkräuter und Kultpflanzen, die in religiösen Ritualen verwendet werden, ein. Ferner produzierten sie 350 Tonnen Wurmhumus, 2,6 Tonnen Gewürze, 30.000 Stecklinge (Zierpflanzen, Früchte) und drei Millionen Wurzelballen für die Aussaat von Keimlingen, die an andere Bauern weiterverkauft werden.

In der Ortschaft Alamar, in der sich die Finca der Genossenschaft befindet, sind vor allem Salate und Gemüse gefragt. Hier und auch im Rest des Landes sind sich die Menschen inzwischen der Bedeutung einer vielseitigen und ausgewogenen Ernährung bewusst und reichern ihre traditionell aus Bohnen, Reis, Knollengewächsen und Kochbananen bestehenden Mahlzeiten immer häufiger mit frischem Gemüse an.

„Im Jahr 2000 hatten wir zum ersten Mal Blumenkohl ausgebracht. Doch am Ende blieben wir aufgrund der geringen Nachfrage auf der Ernte sitzen“, berichtet die Gesundheitsberaterin Norma Romero. Für sie gehören zu den größten Leistungen der mehr als 33.000 Stadt- und Vorstadt-Gärten, dass sie den Menschen den Zugang zu frischem Gemüse ermöglichen und sie mit unterschiedlichen Nahrungsmitteln vertraut machen. Als Teil eines Bildungs- und Verkaufsprojektes will Vivero Alamar nun Rezepte für Salate und Pilzgerichte zusammenstellen.

Wie der Produktionschef der Kooperation, Gonzálo González, berichtet, werden 85 Prozent der Erzeugnisse direkt an die Bevölkerung verkauft. Der Rest geht an Tourismusunternehmen wie die ‚Bodeguita del Medio‘, ein bekanntes Bar-Restaurant in Havanna. An den Marktständen des Unternehmens werden neben frischem Gemüse Einweckerzeugnisse und Knoblauchpasten verkauft.

„Das Beste ist der Preis“


Die Bioerzeugnisse von Vivero Alamar sind preiswerter als die herkömmlichen Produkte. „Das Beste ist der Preis“, bestätigt Sonia Ricardo, eine Kundin. „Ein frischer Salat kostet nur vier kubanische Peso (fünf US-Cent).“

Vivero Alamar ist mit fünf Mitarbeitern an den Start gegangen. Inzwischen arbeiten für die Kooperative 195 Personen. 92 verfügen über einen Universitätsabschluss und 42 haben eine technische Ausbildung absolviert. Mittelfristig soll die Produktion um 40 Prozent ausgeweitet werden. Vorgesehen ist auch, in die Kaninchen- und Viehzucht zu investieren. Ziel ist es, die im Umfeld der Genossenschaft lebenden 30.000 Menschen mit Ökofleisch zu versorgen.

„Eine Finca“, sagt Miguel Ángel Salcines stolz, „hat eben mehr zu bieten als die Produktion von Nahrungsmitteln“.

 

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