Gute Beispiele aus

Kolumbien und Lateinamerika: Fahrräder erobern die Städte

Bogotá ist bekannt für seine langen Fahrradwege – Bild: Helda Martínez/IPS

Von Estrella Gutiérrez

Caracas, 19. Dezember 2013 (IPS) – „Ich radle jeden Tag gut und gern meine 43 Kilometer“, sagt Carlos Cantor, der in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá lebt. „Vor fünf Jahren bin ich vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen“, berichtet Tomás Fuenzalida, ein Chilene. Beide Männer sind Teil einer kleinen Bewegung, die Fahrrädern eine Rolle bei der Lösung der lateinamerikanischen Transportprobleme zuweisen.

Doch in der am zweitstärksten urbanisierten Weltregion wird der Siegeszug der Fahrräder durch althergebrachte Vorurteile abgebremst. Für viele Lateinamerikaner sind sie Symbol für den niedrigen sozioökonomischen Status ihrer Besitzer, wie aus dem Bericht ‚Biciudades 2013‘ (‚Fahrradstädte 2013‘) der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IaDB) hervorgeht.

Nach dem auf Umfragen basierenden Report, den die IaDB-Initative ‚Nachhaltige Städte der Zukunft‘ bei der ‚American University School of International Service‘ in Auftrag gegeben hatte, nutzen zwischen 0,4 und 10 Prozent der regionalen Bevölkerung Räder als Hauptverkehrsmittel.

Von allen im Rahmen der Studie untersuchten Städten ist Cochabamba in Bolivien führend. Dort benutzen zehn Prozent der Menschen Fahrräder als Transportmittel. Die nächsten beiden Plätze belegen der bolivianische Regierungssitz La Paz und die paraguayische Hauptstadt Asunción mit jeweils fünf Prozent. Alle drei Städte sind mittelgroße Konglomerate mit einer Bevölkerung von 100.000 bis zwei Millionen Menschen.

In den großen Metropolen sind Santiago de Chile und Mexiko-Stadt führend. Dort sind drei Prozent der Bewohner auf Fahrräder als Transportmittel angewiesen. Es folgen Buenos Aires (Argentinien) und Bogotá (Kolumbien) mit jeweils zwei Prozent.

Fahrradwegmeister Bogotá wirbt gern damit, weltführend bei der Förderung von Fahrradwegen zu sein. Insgesamt verlaufen durch die Stadt Fahrradwege über eine Gesamtlänge von 376 Kilometern. Hinzu kommen Wege von 120 Kilometern Gesamtlänge durch Erholungsgebiete und Spielstraßen, die an Feiertagen zum Teil für den Autoverkehr gesperrt sind.

Cantor, ein 58-jähriger Kommunikationsexperte, schwärmt von seinen langen Fahrradtouren. Es gebe Streckenabschnitte, die als Rennrouten geeignet seien. Dann wiederum führten die Fahrradwege durch herrlich grüne und ruhige Landschaften. Wie er weiter betont, zeichnen sich die Radler untereinander durch ein hohes Maß an Solidarität und Sympathie aus.

Das Sekretariat für Mobilität des Hauptstadtbezirks von Bogotá schätzt die Zahl der täglichen Fahrradfahrten in der acht Millionen Menschen zählenden Stadt an Werktagen auf 450.000. Die größte Gruppe der Radelnden seien Hilfs- und Fabrikarbeiter, gefolgt von Studierenden.

Die Fahrradwege durch die Erholungsgebiete waren 1974 angelegt worden. An Sonntagen werden sie von etwa einer Million Menschen genutzt. „Ich schätze sie ganz besonders und komme jeden Sonntag“, meint die Jurastudentin Carolina Mejía. In der Stadt selbst sei sie selten mit dem Fahrrad unterwegs, weil die Wege zum Teil nicht fertiggestellt seien und oft in befahrene Straßen einmündeten. „Sie sind einfach nicht sicher genug“, sagt sie.

Santiago arbeitet an Fahrradweg-Masterplan 



Die Stadtregierung von Santiago arbeitet derzeit an einem Masterplan, der die innerstädtischen Radwege von derzeit 214 Kilometern Gesamtlänge auf 933 Kilometer ausbauen soll. Der Ausbau der Fahrradwege sei entscheidend, um mehr Menschen zu ermuntern, ihr Auto stehen zu lassen. Wie die chilenische Regierungssprecherin Cecilia Pérez betont, gilt es die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass Fahrradfahren gut für die Gesundheit und die Umwelt sei. „Je mehr Menschen in die Pedale treten, umso geringer ist auch das Verkehrsaufkommen, die Umweltverschmutzung und die Gefahr eines Verkehrschaos.“

Dem Bürgermeister von Santiago Juan Antonio Peribonio zufolge wird der Plan spätestens 2022 umgesetzt sein. Darüber hinaus arbeite man an einem Fahrradverleihsystem, um zum Radfahren anzuregen.

In Mexiko-Stadt hat sich inzwischen den Fahrradverleih ‚Ecobici Individual Transportation System‘ etabliert. Seine 4.000 Räder wurden inzwischen von 87.000 Personen am 275 Leihstationen gefahren. Die Mitglieder zahlen eine Jahresgebühr von umgerechnet 31 US-Dollar pro Jahr. Mexiko-Stadt verfügt über 90 Kilometer getrennter und nicht getrennter Fahrradwege. „Systeme wie Ecobici sind Wachstumsinitiativen.“

Nach Angaben von Ecociudades 2013 gibt es in fast allen der 18 mittleren und sechs großen Städte, die für den Bericht untersucht worden sind, Fahrradwege. Asunción (Paraguay) und Manizales (Kolumbien) sind die Ausnahme. Die einzigen Städte der Region, die Sicherheitsbestimmungen für Radfahrer erlassen haben, sind Bogotá, Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Asunción, La Paz und Montevideo.

 

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