Gute Beispiele aus

Kenia: Erster bekennender Homo kandidiert für Senatssitz – Homophobie die größte Hürde

Kenias erster bekennender Schwuler strebt ein öffentliches Amt an – Bild: Mike Elkin/IPS

Von Mike Elkin



Nairobi, 6. November 2012 (IPS) – David Kuria Mbote hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Der bekennende Schwule will sich einen Sitz im Senat von Kiambu County im Norden Kenias erkämpfen. So wie in vielen afrikanischen Ländern gilt auch in Kenia Homosexualität als abscheulich und ‚unafrikanisch‘.

Somit wird sich Kuria im kommenden März nicht nur gegen seine beiden Herausforderer behaupten müssen.

Umfragen der letzten fünf Jahre haben immer wieder ergeben, dass mehr als 90 Prozent der Kenianer Homosexualität als unvereinbar mit ihren Werten ablehnen. Und während die Verfassung von 2010 den Schutz der Würde des Einzelnen und der Gemeinschaft und soziale Gerechtigkeit groß schreibt, sieht das Strafrecht des Landes bis zu 14 Jahre Gefängnis für homosexuelle Handlungen vor.

Wie der 40-jährige Kuria im IPS-Gespräch berichtet, kommt es in Kenia selten zu Festnahmen von Homosexuellen. Das habe auch damit zu tun, dass viele Polizisten gegen ein Schmiergeld auf die Inhaftierung Betroffener verzichteten, erläutert er. Der Mitbegründer der Kenianischen Koalition der Schwulen und Lesben will aber nicht nur sexuellen Minderheiten den Rücken stärken, sondern auch gegen die wirtschaftliche Ausgrenzung in seinem Wahlbezirk vorgehen.

Den Chancenlosen eine Chance geben



„Kiambu ist nicht der ärmste Verwaltungsbezirk Kenias. Doch die Armen Kiambus sind richtig arm, und vielen gelingt es nicht, dem Teufelskreis der Armut zu entkommen“, sagt er. „Ich möchte kleine Projekte wie die Zucht von Hasen initiieren, die Menschen helfen können, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Wenn sie dazu in der Lage sind, werden sie sich auch ein besseres Leben erarbeiten können.“

Der unabhängige Kandidat wirbt ebenso dafür, Drogen- und Alkoholabhängigen eine zweite Chance zu geben. „Das Leben dieser Menschen ist nicht verloren, wie dies diejenigen behaupten, die die Menschen abgeschrieben haben. Meine Botschaft an die Betroffenen lautet: ‚Gebt niemals auf‘.“

Angesichts der verbreiteten Homophobie hätte Kuria nach eigenen Angaben dazu selbst allen Grund gehabt. Homosexuelle werden in Kenia schikaniert und diskriminiert. Allein schon der Besuch eines Krankenhauses ist für viele eine Tortur. So verweigern Ärzte Mitgliedern sexueller Minderheiten oft die medizinische Versorgung. Und Krankenschwestern führen die Betroffenen häufig als verabscheuungswürdig vor.

Dabei sind Homosexuelle gerade als HIV/Aids-Risiko-Gruppe dringend auf Hilfe angewiesen. Nach UN-Zahlen waren im vergangenen Dezember 1,6 Millionen der 40 Millionen Kenianer HIV-positiv – mehr als alle Infizierten in den USA; Kanada, Großbritannien und Frankreich zusammen. Um Abhilfe zu schaffen, ist es nach Ansicht von Kuria wichtig, Vorurteile und Abneigungen gegenüber Homosexuellen abzubauen, die den Kampf gegen die Immunschwäche erschweren.

Kurias Offenheit im Umgang mit seiner sexuellen Orientierung irritiert viele Kenianer ebenso wie die Tatsache, dass er im Alter zwischen 13 und 27 Jahren Priester werden wollte und eigens dafür ein Theologie- und Philosophiestudium absolviert hat. Im Dezember kommt noch ein Masterabschluss in Finanzen dazu.

„Kandidat mit Streitpunkten“



„Sie nennen mich den Kandidaten mit Streitpunkten“, sagt er lachend. „Sie bezeichnen mich nicht als Schwulen. Am Anfang hatte ich zwar befürchtet, dass ich auf diese Rolle festgelegt werden könnte, doch nach etwa 30 Veranstaltungen sind die Menschen bereit, mir zuzuhören.“

Doch auch Kuria wird mit Anfeindungen rechnen müssen. Der kenianische Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Raila Odinga, hatte in einer Rede im November 2010 erklärt, dass Homosexuelle festgenommen werden müssten. Es gebe mehr Frauen als Männer in Kenia und somit keinen Grund für gleichgeschlechtliche Paarbeziehungen.

Kuria selbst ist bisher nicht Zielscheibe schwulenfeindlicher Übergriffe geworden. Einen Bodyguard zu engagieren, hält er deshalb zurzeit für nicht notwendig. Er ist überzeugt, dass die Kenianer mit näher rückendem Wahltermin ihre Vorurteile beiseite schieben werden. „Ich denke, die Menschen werden mich als politischen Außenseiter ohne Verbindungen zum korrupten und tribalistischen Establishment betrachten. Wenn das Land also bereit ist für den Wandel, dann bin auch ich ein Teil des Wandels, den sie bekommen können.“

 

 

 

 

 

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