Gute Beispiele aus

Kanada und Welt: Genossenschaften haben eine Milliarde Mitglieder

Dame Pauline Green. Foto: Beatrice Paez

Von Beatriz Paez


Québec, Kanada, 11. Oktober 2012(IPS) – Unter dem Motto ‚Die erstaunliche Kraft der Kooperativen‘ haben sich erstmals etwa 2.800 Mitglieder der Internationalen Allianz der Kooperativen (ICA) aus 91 Ländern in der kanadischen Stadt Québec getroffen, um über die Leistungen und Zukunft der Bewegung zu diskutieren. Es sei an der Zeit, dass die großen Wirtschaftsakteure die Genossenschaften wahrnähmen, hieß es auf dem Treffen.

Wie die ICA-Vorsitzende Dame Pauline Green auf dem Treffen vom 8. bis 11. Oktober kritisierte, haben Weltbank und B20-Unternehmen, die die 20 größten Industrienationen beraten, versäumt, Vertreter des Genossenschaftsbündnisses in ihre Gremien zu berufen. „Eine Milliarde Menschen sind keine idealistischen Weltverbesserer, sondern Realisten“, sagte sie mit Blick auf die Zahl der Mitglieder der Bewegung. „Wir glauben, dass wir für unsere großen und kleinen Firmen einige Türen öffnen und den Regierungen ihren Wert aufzeigen können.“

„Mit einer Million Organisationen, 100 Millionen Beschäftigten und einer Milliarde Mitglieder haben wir bereits eine globale Stimme“, sagte Monique Leroux, die Geschäftsführerin der kanadischen Finanzkooperative ‚Desjardins‘, die mit ICA das Treffen in Kanada organisiert hatte. „Überall dort, wo es ein Vakuum bei Dienstleistungen gibt, finden Genossenschaften einen geeigneten Nährboden.“

Wirtschaft mit menschlichem Antlitz


„In jeder Ecke des Raums standen Schreibtische“, resümierte Green einen Besuch bei einer Genossenschaftsbank in einem Vorort der philippinischen Hauptstadt Manila. „Zahlreiche Mitglieder waren da, um Geld einzuzahlen oder abzuheben. Für alle gab es Kaffee und Kekse. Stolz zeigten sie mir ein siebenstöckiges Gebäude, das sie mit dem Geld der Bank gebaut hatten, in dem 650 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden.“

Weitere Finanzmittel wurden dazu genutzt, eine Vorschule zu bauen, wo berufstätige Mütter ihre Kinder betreuen lassen können. Auch eine Kapelle für die Mitglieder der Kooperative fehlt nicht.

„Für all diese Kooperativen spricht, dass sie der Wirtschaft ein menschliches Antlitz und eine größere Vielfalt verleihen“, sagte sie. „Die Menschen müssen im Zentrum der Entscheidungsfindung stehen, und die Entwicklung der Wirtschaft darf nicht um jeden Preis vorangetrieben werden.“

In den mehr als acht Jahren an der Spitze von ICA hat Green bisher vor allem das Ziel verfolgt, die Genossenschaften zu einem Modell zu entwickeln, an dem sich globale Institutionen bei ihren Entscheidungen orientieren können. Als besondere Stärke der Genossenschaftsbewegung nannte sie die Überprüfbarkeit ihrer Mitglieder. Alle regulären Mitglieder säßen in den Ausschüssen der Kooperativen, deren Leitung ihnen gegenüber rechenschaftspflichtig sei.

Die ICA-Chefin sieht derzeit in den Ländern des Arabischen Frühlings Nachholbedarf, was den Aufbau und die Vernetzung von Kooperativen angeht. Auf der Graswurzelebene wolle man den Menschen dort Themen wie genossenschaftliches Wohnen und Arbeitskooperativen näher bringen. „Diejenigen, die während der Revolten auf die Straße gegangen sind, suchten nicht nur politische Freiheiten, sondern auch wirtschaftliche Gerechtigkeit.“

Fortgesetztes Land Grabbing befürchtet

Die Expertin warnte davor, dass das bisher für die globale Landwirtschaft erschlossene Land nicht ausreichen könnte, um die bis dahin auf neun Milliarden Menschen angewachsene Weltbevölkerung zu ernähren.

Bis zu 80 Prozent der Flächen, auf denen höhere Erträge erwirtschaftet werden könnten, lägen in Afrika. „Für uns stellt sich die Frage, wie wir den dortigen Kleinbauern helfen können, in Schwung zu kommen. Wir befürchten allerdings, dass die multinationalen Unternehmen das Land der kleinen Bauern aufkaufen werden. Diese erhalten dafür eine sehr kleine Finanzspritze, die nur für kurze Zeit reichen wird.“

 

 

 

 

 

 

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.