Gute Beispiele aus

Kamerun: Aus der Dunkelheit ins Licht – Dörfer werden mit Solaranlagen ausgestattet

Numfor Jude installiert Solarpanele – Bild: Monde Kinsley Nfor/IPS

Von Monde Kingsley Nfor

Bamenda, Kamerun, 9. November 2012 (IPS) – Die etwa 2.000 Bewohner des Dorfs Sabongari in Kameruns Nordwestregion brauchen kein Kerosin für ihre Lampen mehr und keinen Diesel für ihre Stromgeneratoren. Sie nutzen eine preisgünstigere und sauberere Alternative, nämlich Sonnenstrahlen.

In der Ortschaft sind mehrere große Solarmodule schräg zum Himmel hin ausgerichtet. Sie bilden ein Mini-Kraftwerk, das das 700 Kilometer von der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé entfernte Dorf mit Elektrizität versorgt.

In den ländlichen Regionen des zentralafrikanischen Staates sind Solarstromanlagen bisher ein seltener Anblick. In Sabongari haben bereits 30 Haushalte, drei kleine Läden und ein Hotel rund um die Uhr Strom. „Meine Kinder können nun bei gutem Licht lesen“, sagt der Grundschullehrer Ndzi Samuel. Als weitere Errungenschaft der Technik nutzt er ein Mobiltelefon, allerdings ist der Empfang in der Region eher schlecht.

Bevor im vergangenen Jahr die Solarmodule installiert wurden, war das Dorf von drei Generatoren abhängig, die Geschäftsleuten gehörten. Die wenigen Besitzer eines Handys konnten ihre Mobiltelefone dort aufladen. Die Stromgeneratoren funktionierten aber nicht zuverlässig und verursachten oft Kurzschlüsse. „Durch plötzliche Stromstöße habe ich drei Telefone eingebüßt“, klagt ein Anwohner. „Mit den Solarpanelen ist das Aufladen aber kein Problem.“

Mit derzeit 103 Terrawattstunden im Jahr verfügt Kamerun in ganz Subsahara-Afrika zwar über das zweitgrößte Potenzial für die Erzeugung von Wasserkraft. Bisher werden davon aber erst 30 Prozent genutzt, so die Partnerschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (REEEP) mit Sitz in Wien. Daher haben rurale Gebiete in Kamerun kaum Zugang zu Strom.

Nur 14 Prozent der Bevölkerung ländlicher Regionen mit Strom versorgt



Nach Angaben der Weltbank leben etwa 8,1 Millionen der insgesamt rund 20 Millionen Kameruner in ländlichen Regionen. Nur 14 Prozent von ihnen haben Zugang zu Strom. In den Städten sind dagegen 65 bis 88 Prozent der Bewohner an das Stromnetz angeschlossen.

Die Regierung fördert die Nutzung von Solarzellen zur Energieproduktion. 2011 trat ein Gesetz in Kraft, das Importeuren von Solarequipment seit diesem Jahr die Mehrwertsteuer erlässt. „Solarkraft ist eine Chance für ganz Afrika. Durch seine Lage am Äquator scheint über dem Kontinent häufiger die Sonne als anderswo in der Welt“, betont Asanji Nelson vom kamerunischen Energieministerium.

Die größte Hürde für den Ausbau der Solarstromerzeugung sind jedoch die hohen Kosten für die Fotovoltaikmodule, die für die meisten kleinen Subsistenzfarmer nicht tragbar sind. Die Preise für eine Hausanlage bewegen sich zwischen umgerechnet 400 und 10.000 US-Dollar. „Unternehmen in Kamerun planen nicht für die arme Landbevölkerung, weil die Dorfbewohner die Kosten nicht zahlen können“, sagt Asanji.

Laut Statistiken seines Ministeriums sind derzeit mehr als 25 Lieferanten von Solarmodulen in Kamerun registriert. Ihre Kunden sind zumeist Städter und Geschäftsleute. Auch die Kamerunische Solarenergiegesellschaft erreicht vorwiegend Abnehmer in urbanen Zonen, die sich mit Solarmodulen gegen mögliche Stromausfälle absichern wollen. ‚Energie Cameroun‘ ist eine weitere Solarstromfirma mit Sitz in Yaoundé, die Anlagen verkauft und in ländlichen Gegenden mit Sonnenkollektoren betriebene Straßenlaternen aufstellt.

„Wir sitzen in der Stadt, weil wir hier bessere Kunden finden als auf dem Land“, sagt Haman Sani, der Verkaufsdirektor von Energie Cameroun. „Wir arbeiten aber auch in Dörfern, wenn Kunden dort Solarmodule installieren wollen.“ Auch Sani weist auf die beträchtlichen Kosten für den Import der Teile, Steuern, Transport und Installation hin. Daher komme seine Firma eher mit anderen Unternehmen und aber auch mit Missionaren ins Geschäft, die Hospitäler und Schulen mit Solarstrom versorgen.

Projekt von kanadischer Organisation unterstützt



Das lokale Unternehmen ‚Renewable Energy Innovators‘ (REI) konnte mit Hilfe internationaler Zuschüsse Sonnenkollektoren in Sabongari und zehn weiteren Dörfern aufstellen. Numfor Jude, der Vorsitzende und Mitbegründer von REI, erklärt, dass die kanadische Organisation ‚Wireless Light & Powers‘ Materialien und Gelder bereitstellt. Mitarbeiter von REI könnten somit Solarmodule importieren und diese in die Dörfer bringen. „Wir erreichen abgelegene Orte und verschaffen den Bewohnern Solarstrom quasi zum Nulltarif“, berichtet er.

Auch in Sabongari hielten sich die Kosten für den Bau der Solaranlage in überschaubaren Grenzen. „Alle Dorfbewohner hatten das Problem, keinen Strom zu haben. Sie waren also an dem Projekt interessiert und haben zusammengelegt, um die Installation zumindest teilweise zu finanzieren“, sagt er. „Jede Familie hat 25 Dollar gegeben, Unternehmen 100 Dollar. Monatlich wird eine Instandhaltungsgebühr von einem Dollar fällig.“

Die Menschen in Sabongari sind von der Neuerung begeistert. „Wir sind aus endloser Dunkelheit gerettet worden“, sagt ein Bewohner. „Wir können jetzt jederzeit unsere Telefone aufladen und Anrufe erledigen.“

Weriwu Godfred, der Direktor eines vor fünf Jahren umgesetzten staatlichen Projekts für Solarlaternen in Yaoundé, sieht die alternative Energiequelle allerdings weiterhin außerhalb der Reichweite der meisten Kameruner – trotz der Mehrwertsteuerbefreiung.

Seit die Bevölkerung lautstark gegen Stromausfälle protestiert, ist die Energieversorgung in Kamerun zunehmend zu einem politischen und wirtschaftlichen Thema geworden. Steigende Erdölpreise, ein zunehmender globaler Stromverbrauch und Umweltprobleme haben das Interesse an erneuerbaren Energien verstärkt. Um seine Entwicklungsziele zu erreichen, plant das Land daher signifikante Investitionen in diesen Sektor.

 

 

 

 

 

 

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