Gute Beispiele aus

Honduras: Garífuna-Frauen schützen Umwelt und kulturelles Erbe

Bedrohte Natur in Honduras. Foto: IPS

Von Thelma Mejía


Trujillo, Honduras, 15. Oktober 2012 (IPS) – Eine Gruppe von Garífuna-Indigenen treibt in Honduras Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung voran. Das erste Mal arbeiteten die Frauen vor 14 Jahren zusammen, als der Hurrikan Mitch weite Teile des Landes zerstörte. Inzwischen haben sie sich zum Notfall-Komitee der Garífuna in Honduras zusammengeschlossen.

„Als Mitch unsere Gemeinde traf und keine Hilfe von außen kam, haben wir Essen und Medikamente organisiert“, erzählt die Vorsitzende des Komitees, Nilda Hazel Gotay. „Wir konnte es nicht zulassen, dass der Hurrikan unsere Gemeinschaft zerstört.“

Vom 22. Oktober bis 5. November 1998 fegte Mitch über das Karibische Meer, über Zentralamerika, den Süden Mexikos und die Vereinigten Staaten hinweg. In Honduras kostete er 6.500 Menschen das Leben. 9.000 Menschen verschwanden. 1,5 Millionen Menschen litten unter seinen Folgen. Insgesamt sorgte er in Honduras für einen materiellen Schaden in Höhe von vier Milliarden US-Dollar.

Neun Frauen und drei Männer arbeiten mittlerweile für das Notfall-Komitee der Garífuna in der nordhonduranischen Stadt Trujillo. Ihre Arbeit beruht auf drei Säulen: Umweltschutz, Erhaltung des kulturellen Erbes und nachhaltige Landwirtschaft. In den vergangenen 13 Jahren haben sie in insgesamt 16 Gemeinden Projekte durchgeführt und konnten so das Bewusstsein dafür schärfen, wie wichtig es ist, die natürlichen Ressourcen zu schützen. Das Komitee half bei der Wiederaufforstung und dem Anbau landwirtschaftlicher Produkte ohne den Einsatz von Pestiziden.

Traditionelle Anbaumethoden zum Schutz vor Klimawandel



„Wir zeigen unseren Leuten, wie sie die traditionellen Kulturen anbauen können. Dazu gehören die Yucca- und die Kokospalme, die Tannia (eine stärkereiche Nutzpflanze), Bananen und Süßkartoffeln. Die traditionellen Anbaumethoden helfen den Menschen, sich gegen Naturkatastrophen und den Klimawandel zu wappnen“, so Gotay. Wiederaufforstungsprogramme helfen gegen den Klimawandel, der die Region immer trockener macht.

„Die Arbeit des Komitees ist das beste Beispiel dafür, wie die Bewohner kleiner Gemeinschaften in den Schutz der natürlichen Ressourcen eingebunden werden“, sagt Umweltexperte Hugo Galeano gegenüber IPS. So seien sie selbst die Protagonisten nicht nur der Geschichte, sondern auch des Wandels und der Rettung des kulturellen Erbes.

Außerdem bringen die Komitee-Mitglieder den Kindern die Sitten und Gebräuche der Garífuna bei, vor allem deren Tänze und Musik. Das soll dafür sorgen, dass die Kultur der Ethnie am Leben erhalten wird. Regelmäßig wird ein Markt abgehalten, auf dem es alles gibt, was an die Garífuna-Kultur erinnert – auch gastronomisch.

Immer im April organisiert das Komitee den sogenannten Bildungs-Karneval der Garífuna, wo Frauen den ‚Maipol-Tanz‘ aufführen. Sie verkleiden sich und binden bunte Bändchen an einen Baum, die die unterschiedlichen Lebensformen der Indigenen widerspiegeln sollen.

Die jungen Menschen sollen auch in der Tradition des Trommelns unterwiesen werden. Das bauchige Garífuna-Instrument aus Holz wird mit einem Kegel geschlagen.

In der turbulenten Geschichte der europäischen Invasion Lateinamerikas nehmen die Garífuna eine Sonderstellung ein. Angenommen wird, dass sie von den Sklaven abstammen, die 1635 vor der Insel St. Vincent Schiffbruch erlitten. Die Überlebenden vermischten sich mit den dort lebenden ethnischen Kariben und mit den Arawak und bildeten ihre eigene Sprache – das Garífuna – aus: ein Mix aus Kiswahili, Bantu, Arahuaco, Französisch, Spanisch und Englisch. Zusammen mit ihrer Musik und ihren Tänzen wurde die Sprache von der UNESCO in den Stand eines ‚Meisterwerks des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit‘ erhoben.

Die Geschichte der ‚Schwarzen Kariben‘ ist vor allem eine Jahrhunderte lange Geschichte der Flucht. 1797 wurden rund 3.000 von ihnen im Zuge eines französisch-britischen Konflikts auf die Karibikinsel Roatán deportiert, von wo aus sie sich später in den Küstenregionen der Länder Belize, Honduras, Guatemala und Nicaragua verteilten. Die Zahl der honduranischen Garífuna, die sich jeglichen Assimilierungsversuchen eigensinnig widersetzten, wird auf 98.000 geschätzt. Die größte Gemeinschaft aus Zentralamerika abgewanderter Garífuna – etwa 200.000 – lebt in New York.

Zusammenarbeit mit Behörden wichtig



Für Noel Ruíz ist die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Zivilgesellschaft von hoher Bedeutung. Ruíz ist Bürgermeister der Gemeinde Santa Fé, in der das Komitee tätig ist. „Die Mitglieder des Komitees kommen an die ganzen Armen heran, die ansonsten mit ihrem Schicksal alleine gelassen würden.“

Auch für das Komitee ist die Zusammenarbeit wichtig. Die Nähe zu den Behörden helfe ihnen, Workshops durchzuführen, mit denen das Bewusstsein für den Umweltschutz geschärft werde, Festivals zu organisieren und Anbauprojekte durchzuführen.

Gefördert wird das Komitee allerdings nicht nur von lokalen Behörden. Auch aus Kanada erhalten sie finanzielle Unterstützung. Ebenso die Europäische Union und die USA haben das Komitee bereits unterstützt.

 

 

 

 

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