Gute Beispiele aus

„Grüner Nobelpreis“ für kenianische Wasserschützerin

Ikal Angelei. Foto: Goldmann Preis

Von Johanna Treblin
New York, 17. April 2012 (IPS) – Die kenianische Aktivistin und Wasserschützerin Ikal Angelei ist eine der Personen, die mit dem diesjährigen Goldmann-Umweltpreis ausgezeichnet worden sind – der auch als „grüner Nobelpreis“ bekannt ist.

Ikal Angelei versucht die Fertigstellung des Mammut-Staudamms Gilgel Gibe III am Oberlauf des Omo zu verhindern, der den natürlichen Überflutungszyklus des Flusses und somit die Lebensgrundlage der indigenen Anrainer des Turkana-Sees bedroht. Mit geschätzten 1,7 Milliarden US-Dollar ist Gibe III das bislang größte Einzel-Infrastrukturprojekt Äthiopiens, das einmal 1.800 Megawatt Strom generieren soll. Die Bauarbeiten laufen seit 2006 und sind zu einem Drittel abgeschlossen.

Der Turkana-Wüstensee speist sich zu 90 Prozent aus dem Omo. Der Rest kommt aus den Flüssen Turkwel und Kerio. Nach Angaben von Jeffrey A. Gritzner, Geographieprofessor an der US-amerikanischen Universität in Montana, würde eine Inbetriebnahme des Staudamms den Wasserspiegel des Sees um zehn bis zwölf Meter absenken.

Allein schon fünf Meter würden die wirtschaftlichen Aktivitäten Tourismus und Fischerei im Umfeld des Sees erheblich beeinträchtigen, warnte Gritzner, der auch der nichtstaatlichen Expertengruppe ARWG angehört, die in einem unabhängigen Gutachten vor einer Zunahme des Salzgehalts durch das Kraftwerk warnt. Dadurch werde das Wasser des Sees für Mensch und Tier ungenießbar.

Aktivistin mobilisiert Parlament

Ikal Angelei erreichte mit ihrer 2008 gegründeten Organisation FoLT im August letzten Jahres, dass das kenianische Parlament in einer einstimmigen Resolution beschloss, dass Äthiopien eine unabhängige Umweltverträglichkeitsstudie vorzulegen habe. Der internationale Welterbe-Ausschuss der Weltkulturorganisation UNESCO machte sich ebenfalls in einer Resolution für einen Baustopp des Gibe III stark.

Die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) erwägen die Finanzierung der Stromleitungen von Gibe III in die Nachbarländer. Ein solcher Schritt wäre Wasser auf die Mühlen der Dammbefürworter, die unermüdlich auf den Nutzen des Megaprojekts hinweisen. Ikal fordert von der Weltbank, sich aus dem Projekt herauszuhalten.

Der chinesische Journalist und Leiter des Instituts für öffentliche und & ökologische Angelegenheiten (IPE), Ma Jun, hat sich für den Goldmann-Umweltpreis qualifiziert, weil er für mehr Transparenz in der chinesischen Umweltpolitik gesorgt und die Bürger seines Landes ermutigt hat, juristisch gegen Industrieverschmutzung vorzugehen. 1999 hatte Ma Jun in einem Bericht (‚China’s Water Crisis‘) die verheerenden Folgen geschildert, die der Bau von Dämmen und Änderungen der natürlichen Flussverläufe verursachen.

Fantasie und Beharrlichkeit

„Ma Jun und Ikal Angelei leben und arbeiten in einem völlig unterschiedlichen Umfeld und gehen im Kampf um gesunde Gewässer und gesunde Gemeinden unterschiedliche Wege“, meinte Jason Rainey, der Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation ‚International Rivers‘ mit Sitz im US-amerikanischen San Francisco. „Was sie sehr wohl eint, sind kreative Strategien, mit denen sie effektiv die Krisen aufzeigen, unter denen die Flüsse dieser Welt zu leiden haben.“

Rainey würdigte zudem die Unermüdlichkeit, mit der Ma Jun und Ikal Angelei Entscheidungsträger zu beeinflussen suchten, die sich oftmals keine Vorstellungen machten, was sie mit ihren Entscheidungen anrichteten. „Beide wissen, dass sich keine ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit erzielen lässt, wenn die Gesellschaft für die lebenden Flüsse nicht in die Verantwortung geht.“

Der Goldman-Umweltpreis war 1990 durch den US-Philanthropen Richard N. Goldman und dessen Frau Rhoda gestiftet worden. Er wird jedes Jahr an sechs Personen verliehen, die sich auf ihrem jeweiligen Kontinent oder ihrer Region – Afrika, Asien, Europa, Inseln und Inselstaaten, Nordamerika sowie Süd- und Zentralamerika – nachhaltig ökologisch engagieren.

Der grüne Nobelpreis wurde bisher an mehr als 150 Menschen in über 80 Ländern vergeben, darunter auch an andere Wasseraktivistinnen wie die chinesische Journalistin, Schriftstellerin und Umweltaktivistin Dai Qing, die die Auswirkungen des Drei-Schluchten-Damms auf das Jangtse-Flusssystem angeprangert hatte, und den chilenischen Umweltschützer Juan Pablo, der unermüdlich auf die Schäden verschiedener Dammprojekte am Biobío aufmerksam machte.


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