Gute Beispiele aus

El Salvador: Frauen sorgen mit Waldgärten für Ernährungssouveränität

Elsy Álvarez und María Menjivar – mit ihrer jungen Tochter–pflanzen Setzlinge. Foto: Claudia Ávalos/IPS

Von Edgardo Ayala und Claudia Ávalos



San Julián, 26. Juni 2012 (IPS) – Auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald jätet María Elena Muñoz Unkraut. Anschließend hebt sie Löcher für ihre Kochbananensetzlinge aus. Sie und fast 50 weitere Frauen bauen im ländlichen San Julían, einem armen Gebiet im Südwesten El Salvadors, Nahrungsmittel für ihre Familien an.

Die Gruppe gehört zu einem Programm, das zwei Ziele verfolgt, die eng miteinander verknüpft sind. Zum einen soll Ernährungssouveränität erlangt werden. Zum anderen sollen sogenannte Energiewälder entstehen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu schmälern und die lokale Bevölkerung mit nachhaltiger Energie zu versorgen.

Das Konzept der Energiewälder bedeutet nicht, dass Bäume angepflanzt werden, um sie später zu fällen und daraus Schnittholz zu machen. Stattdessen geht es um eine nachhaltige Waldnutzung: Obstbäume werden angepflanzt, die die Familien mit Früchten versorgen. Und als Feuerholz werden nur Zweige und Äste verwendet, die bereits abgestorben sind.

„Der Wald gehört uns allen“, sagt Muñoz. „Wir versorgen uns hier mit Früchten und Feuerholz zum Kochen.“ Sie ist Präsidentin der Vereinigung lokaler Gemeinschaften für Entwicklung (UNES) in Los Lagartos, einem Distrikt im Verwaltungsbezirk von San Julián.

Klimawandel verdirbt Ernte



Die indigenen Gemeinschaften, die hier in der Gegend wohnen, sind in der Regel Kleinbauern, die von ihren eigenen Erzeugnissen leben. Oft bauen sie Bohnen und Mais an. In den vergangenen Jahren ist ihnen das allerdings immer schwerer gefallen, nicht zuletzt durch den Klimawandel.

„In der Trockenzeit verdorrt die Ernte, in der Regenzeit wird sie überschwemmt“, klagt Mercy Palacios, die für die lokale Umweltorganisation Salvadorianische Umwelt-Einheit (UNES) arbeitet. Zwar machen in Zentralamerika Regen- und Trockenzeit die üblichen klimatischen Bedingungen aus. Doch fallen die regenfreien und zumeist heißen Zeiten im Sommer – November bis April – länger und intensiver aus. Im Winter – Mai bis Oktober – regnet es langanhaltender und stärker. „Die Klimaextreme, die wir seit ein paar Jahren erleben, sind neu für uns.“

Im vergangenen Oktober haben die Regenfluten zehn Prozent des Territoriums von El Salvador überschwemmt und 43 Menschen das Leben gekostet. In ganz Zentralamerika belaufen sich die Kosten des Wiederaufbaus des verheerenden Oktobersturms auf rund 4,2 Milliarden US-Dollar, schätzt die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL).

Ernährungssouveränität selbst in die Hand nehmen

Weil sie es müde wurden zuzusehen, wie jedes Jahr wieder ein Teil ihrer Ernte verloren ging, entschieden die Frauen von Los Lagartos, sich selbst um Ernährungssouveränität zu kümmern.

Aktivistinnen von UNES organisierten eine sogenannte Landwirtschaftsschule und gaben Unterricht im Konzept der Agrarökologie. Die Frauen verfolgten die Idee weiter – ganz ohne finanzielle Unterstützung.

50 Familien – zusammen 300 Menschen – profitieren mittlerweile von dem Projekt, und weitere haben ihr Interesse angemeldet. 5.000 Menschen leben in Los Lagartos. Die Frauen arbeiten in den Gärten ihrer Familien und bauen dort Gemüse an. Sie nutzen dafür Komposterde, die sie selbst produzieren. Künftig wollen sie so viel Erde herstellen, dass sie sie als ökologische Alternative zu konventionellem Düngemittel, das in der Regel auf viel Chemie basiert, verkaufen können.

 

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