Gute Beispiele aus

El Hierro: Insel der Hoffnung

Eine Abordnung der 1000 FriedensFrauen Weltweit besuchte im Rahmen eines Weltkongresses der Blue-Economy-Bewegung El Hierro, die kleinste der kanarischen Inseln. Foto: Haiko Pieplow

Madrid/ El Hierro, April/Mai 2013. „Diese Insel ist ein Modell für die Welt, ein Beispiel für eine nachhaltige Entwicklung. Hier wird eine kluge Politik gemacht und eine ökosoziale Zukunft gestaltet.“ Das war der Tenor einer etwa 40-köpfigen internationalen Delegation der Blue-Economy-Bewegung, die Ende April El Hierro besuchte.

Das Eiland ist mit nur 280 Quadratkilometern und knapp 11.000 Einwohnern die kleinste der sieben kanarischen Inseln. Der Delegation gehörten einige der 1000 FriedensFrauen Weltweit an, die in Mexiko, Kolumbien, China und Deutschland Projekte zu nachhaltiger Lebensweise und Ernährungssouveränität aufgebaut und zuvor in Madrid am 8. Weltkongress der „Blue-Economy-Bewegung“ teilgenommen hatten.

Das internationale Netzwerk der „Blauen Ökonomie“, auch unter dem Namen Zero Emissions Research Initiatives bekannt, (www.zeri.org) hat der belgische Ökonomieprofessor und Unternehmer Gunter Pauli aufgebaut. Blau deshalb, weil der Planet, der Himmel und das Wasser blau ist. Der Weltbürger Pauli, der fließend sieben Sprachen spricht und mit seiner Familie inzwischen in Südafrika lebt, findet die Produkte der „Grünen Ökonomie“ zu teuer; er will sie über die regionale Wiederverwertung aller entstehenden Abfälle nach dem Vorbild der Natur und Open- Source-Nutzung auch für Arme erschwinglich machen.

Auf dem 8. Weltkongress der Blue Economy Ende April in Madrid stellten Unternehmerinnen und Wissenschaftler bahnbrechende Neuerungen vor, etwa den Umbau von italienischen Petrobetrieben in Bioraffinerien, nachhaltige Fischerei ohne Netze in Marokko und Indonesien oder wasserlos gefertigtes Papier aus zerkleinertem Stein und PET-Plastikflaschen aus China. Allesamt Initiativen, die mithelfen, Ressourcen zu sparen, Ressourcenkriege zu vermeiden und den Frieden zu erhalten – einschließlich des Friedens mit der Natur.

Die 1000 FriedensFrauen Weltweit, vorgestellt von Ute Scheub, präsentierten ihre Projekte auf einem eigenen Podium. Nuria Costa, die mit mexikanischen Landfrauen arbeitet, stellte ihre Initiativen vor, darunter Frauenbanken, Ökodörfer und eine indigene Marke für ökologische Produkte. Beatriz Toloza von der kolumbianischen Universität San Gil fördert eine Frauengenossenschaft, die Waldgärten betreibt; die Verwandlung von organischen Abfällen in fruchtbare Terra-Preta-Schwarzerde ist im Aufbau.

Lam Tsz Man stellte die Projekte der chinesischen Friedensfrauen vor. Xu YiJing erforscht seit 35 Jahren, wie man Teeknospen ökologisch verwenden kann, statt sie wie üblich chemisch in Schach zu halten. Die japanische Künstlerin Ayumi Matzusaka und der Ökoaktivist Haiko Pieplow demonstrierten, wie man aus den eigenen Stoffwechselprodukten Dauerhumus für Terra Preta herstellt und darauf Gemüse und Blumen produziert.

Bei der Umwandlung von El Hierro in eine Ökoinsel hat die Blue-Economy-Bewegung maßgebliche Impulse geleistet; Gunter Pauli hat sie bereits sechs Mal besucht. Die Insel wird sich wahrscheinlich noch in diesem Jahr zu hundert Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien plus Trinkwasser selbst versorgen können. Bis 2020 soll auch der Verkehr nur noch mit Elektro- und Biodieselautos laufen.

Die stark genossenschaftlich organisierte Landwirtschaft, die vor allem Wein, Bananen, Papaya, Ananas und Ziegenkäse produziert, soll ebenfalls schrittweise vollständig auf Ökolandbau umgestellt werden. Und peu à peu sollen sämtliche auf der Insel verbrauchten Materialien recycelt werden. „Hier sind wir aber noch in der Phase der Bestandsaufnahme“, so die Chefin der Recyclinganlage, Fabiola Avila.

Den Schutz der ebenso vielfältigen wie empfindlichen Natur genießt bei der Inselregierung unter Präsident Alpinio Armas oberste Priorität. Die UNESCO hat das vulkanische El Hierro im Jahr 2000 als Biosphärenreservat anerkannt, zudem bewirbt sich die Insel um die Aufnahme in das internationale Netz der Geoparks. Die Bevölkerung unterstützt all diese Initiativen mit breiten Mehrheiten, wohl auch deshalb, weil die Inselregierung sie regelmäßig in die Planungen einbezieht. „Das Konzept Ökoinsel gefällt mir“, sagen viele, mit denen man im Alltag ein Schwätzchen hält, etwa Kellner oder Pizzaverkäuferinnen.

Herzstück der „Ökoinsel“ ist ein Pumpspeicherkraftwerk, das die Versorgung der Bevölkerung mit erneuerbarer Energie und Wasser kombiniert. Wenn alles wie geplant läuft, wird es im August 2013 in Betrieb gehen. Fünf Windkraftanlagen sind schon fertig montiert, sie werden Strom fürs Inselnetz und für die bisher mit Diesel laufenden Meerwasser-Entsalzungsanlagen liefern. Wenn der Wind kräftig weht, was auf El Hierro oft der Fall ist, dann wird mit dem überschüssigen Windstrom entsalztes Wasser in ein hochliegendes Speicherbecken gepumpt. Es dient als Energie- und Wasserspeicher für die Insel, die in der Vergangenheit mehrere katastrophale Dürren und Wasserknappheiten erlebt hat. Wenn der Wind nicht weht, wird das kostbare Nass in ein tiefer gelegenes Becken abgeleitet und treibt dabei Stromturbinen an.

Auf der „Ökoinsel“ wird ein Modell erprobt, von dem die ganze Welt lernen kann. „Das ist ein einmaliges Projekt, das inspirierende Perspektiven eröffnet und unsere Unterstützung verdient“, so Nuria Costa, die Koordinatorin für „livelihood“ in Lateinamerika, stellvertretend für die 1000 FriedensFrauen Weltweit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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