Gute Beispiele aus

Chile: Frauen auf die Räder – Mobilität als Akt der Befreiung

Frauen auf Rädern. Foto: Pamela Sepulveda, IPS

Von Pamela Sepúlveda


Santiago, 13. März (IPS) – Was hat Fahrradfahren mit Frauenrechten zu tun? Die chilenische Frauenorganisation ‚Macleta‘ hält die Drahtesel jedenfalls für ein wirkungsvolles Instrument, das einen sozialen Wandel herbeiführen kann.

Zurzeit bewegen sich in der Hauptstadt Santiago knapp fünf Prozent der Menschen mit dem Fahrrad fort. Diese ohnehin schon kleine Minderheit besteht nur zu 20 Prozent aus Frauen, wie eine Untersuchung des Verkehrsministeriums im Großraum Santiago ergeben hat. Zugrunde liegen Zahlen aus den Jahren 2001 bis 2006.

„Bei uns zu Hause sind immer nur Jungen und Männer Rad gefahren“, erinnert sich die 36-jährige Magalí Lagos. Vor zwei Jahren hörte sie zum ersten Mal von Kursen bei Macleta. Doch die Angst, sich lächerlich zu machen, überwand sie erst vor wenigen Wochen, als sie mit dem Fahrradunterricht begann. „Es ist ziemlich schwierig“, gesteht sie.

Sollte sie in dem Kurs zurechtkommen, will sie sich ihr erstes Fahrrad anschaffen. Lagos macht ihr dabei Mut. Ein Fahrrad sei nicht nur ein Transportmittel und eine Freizeitbeschäftigung, erklärt sie. „Fahrradfahren macht frei.“ Anderen Frauen diese Freiheit zu vermitteln, ist das Ziel von Macleta. Die Gruppe bietet bereits die siebte Serie von Kursen an, in denen sie Frauen bei der Überwindung ihrer Ängste vor dem Stadtverkehr helfen will.

Ängste überwinden

Koordinatorin Sofia López ist überzeugt, dass Fahrradfahren dazu beiträgt, dass Frauen Ängste überwinden und an Stärke gewinnen. Diejenigen, die sich für die Lehrgänge anmelden, können in der Regel kein Fahrrad fahren oder aber trauen sich das Fahren nicht zu.

Um Lösungen für diese Probleme zu finden, sammelt die Organisation Informationen über Frauen, ihre Ängste und ihre Motivationen. „In die Pedale treten lernen“, heißt die erste Lektion für blutige Anfängerinnen. ‚Vom Bürgersteig herunterfahren“ ist dagegen schon etwas für Fortgeschrittene.

„Wir sind davon überzeugt, dass Radeln Frauen glücklicher macht“, sagte López. „Als Fahrradfahrerinnen erobern sie sich den öffentlichen Raum und interagieren mit anderen Menschen. Das fördert ihre Selbstständigkeit“. Auch dass diese Form der Mobilität nichts kostet, spricht Macleta zufolge für das Fahrrad. „Zudem sind wir auf dem Fahrrad alle gleich und bewegen uns auf ähnliche Weise. Das bedeutet größere Gerechtigkeit“, betont López.

In der sieben Millionen Einwohner zählenden Stadt Santiago sind Luftverschmutzung und Engpässe im Transportsektor ein Problem. Das 2007 eingeweihte öffentlich-private Verkehrssystem ‚Transantiago‘ wird den Bedürfnissen der Menschen nicht gerecht. Die Fahrkarten sind zudem mit umgerechnet etwa 1,5 US-Dollar recht teuer.

Saubere Alternative

Wer Fahrrad fährt, kommt umsonst ans Ziel und zwar ohne die Luft zu verpesten, die Straßen zu verstopfen und Lärm zu verursachen. Diese Vorzüge sind auch den Behörden nicht entgangen, die nun darüber nachdenken, möglichst viele Menschen zum Fahrradfahren zu animieren.

In seinem im Dezember veröffentlichten Jahresabschlussbericht kündigte Verkehrsminister Pedro Pablo Errázuriz den Ausbau der Fahrradwege zu einem insgesamt 200 Kilometer langen Streckennetz an. In anderen Städten sind kleinere Netzwerke geplant. Damit soll das Fahrrad als umweltfreundliches und jedermann zugängliches Verkehrsmittel gefördert werden.

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