Gute Beispiele aus

Philippinen: Bürgerkrieg in Mindanao steht vor dem Ende – Hoffnung für Tourismus

Die Bulingan-Wasserfälle im muslimisch besiedelten Teil der philippinischen Inselregion Mindanao – Bild: Kara Santos/IPS

 Von Kara Santos

Manila, 22. November 2012 (IPS) – Reisende aus aller Welt könnten vielleicht schon bald gefahrlos die Kulturschätze der Mindanao-Inseln im äußersten Süden der Philippinen bewundern. Denn der seit den siebziger Jahren andauernde Bürgerkrieg gegen muslimische Rebellen könnte bald beendet sein.

In dem Konflikt in einer vorwiegend von Muslimen besiedelten Region starben Schätzungen zufolge bisher etwa 120.000 Menschen. Am 15. Oktober unterzeichneten die Regierung und die Moro-Islamische Befreiungsfront MILF aber ein richtungsweisendes Friedensabkommen, das die verarmten Gebiete für den Tourismus öffnen könnte.

Die Rebellion war vor vier Jahrzehnten ausgebrochen, weil sich die Muslime in der ökonomisch rückständigen Region auf nationaler Ebene nicht angemessen repräsentiert sahen. Seither sind viele Gebiete, in denen es häufig zu Zusammenstößen zwischen dem Militär und den Rebellen gekommen ist, nicht mehr für Besucher zugänglich. Die Regierung warnt vor einer „großen Terrorismusgefahr“. In den nächsten Jahren könnte sich die Lage jedoch entscheidend wandeln.

Nassreena Sampaco-Baddiri, die Regionalsekretärin der Tourismusbehörde der autonomen Region im muslimischen Mindanao (ARMM), rühmte kürzlich auf einem Branchenforum die weißen Sandstrände, die Wasserfälle und majestätischen Seen der Region, in der etwa 3,2 Millionen Menschen leben. Ihrer Ansicht nach kann dort ein „nachhaltiger Tourismus mit gemeinschaftlicher Beteiligung“ entstehen, der sich wirtschaftlich auszahlt. „In den vergangenen Jahrzehnten war der Konflikt die größte Hürde für die Entwicklung.“

Wie Alnasser Kasim vom Muslimischen Konsultativrat hervorhob, hat Mindanao mehr touristische Anziehungspunkte als das bisherige Haupturlaubsziel Boracay 315 Kilometer südlich von Manila. Sampaco-Baddiri ist zuversichtlich, dass das Friedensabkommen vom Oktober den Fremdenverkehr erheblich vorantreiben wird.

Region soll mehr Autonomie erhalten



Die größte Rebellenbewegung MILF wird in dem Rahmenabkommen dazu aufgefordert, den Kampf für einen unabhängigen muslimischen Staat einzustellen. Im Gegenzug soll Mindanao größere Autonomie erhalten. Die 1989 gegründete ARMM soll durch die neue Verwaltungseinheit Bangsamoro ersetzt werden.

„Das Rahmenabkommen bedeutet, dass Hände, die einst Gewehre hielten, künftig Land bestellen, Erzeugnisse verkaufen, Arbeitsplätze einnehmen und anderen Bürgern Chancen eröffnen“, sagte Präsident Benigno Aquino II. bei der Unterzeichnung.

Amtlichen Angaben zufolge wurde in der ARMM zwischen 2003 und 2009 eine der höchsten Armutsraten verzeichnet. Aus dem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms UNDP für die Philippinen von 2009 geht hervor, dass die fünf ARMM-Provinzen Lanao del Sur, Basilan, Maguindanao, Tawi-Tawi und Sulu auf dem UNDP-Index für menschliche Entwicklung ganz unten standen. Unterstützer des Friedensabkommens befürchten daher, dass der Tourismus lange Zeit benötigen werde, um Tausende Menschen aus der Armut zu befreien.

Besuchende der Inselprovinzen Basilan, Sul und Tawi-Tawi berichteten, dass viele reizvolle Ziele bislang weitgehend unbekannt sind. „Diese Provinzen sind stolz auf unberührte Strände, Meeresnaturparks und Tauchgründe, ebenso wie auf hinreißende Wasserfälle, zu denen wegen vermeintlicher Gefahren niemand vordringt“, sagte der Reisejournalist Bernard Supetran. In den Gebieten finde man indigene Kulturen, die sich trotz des Konflikts erhalten hätten.

Tourismusverantwortliche aus den fünf Provinzen trafen sich im September, um über einen touristischen Entwicklungsplan zu diskutieren, in der Hoffnung, dass der Frieden Investitionen in Wirtschaftszweige wie Transport, Hotelwesen und Gastronomie fördern wird.

Großteil der Bevölkerung lebt in Armut



Derzeit verdienen in der ARMM 70 Prozent aller Arbeitskräfte durch Landwirtschaft und Fischfang umgerechnet höchstens 2,4 US-Dollar täglich. Samira Gutoc-Tomawis, die im regionalen Parlament sitzt, erwartet vor allem für die Kleinunternehmer zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch den Fremdenverkehr.

Benedict Bacani, der Exekutivdirektor des Instituts für Autonomie und Regierungsführung (IAG) gab jedoch zu bedenken, dass das Friedensabkommen allein noch keine soziale und wirtschaftliche Entwicklung mit sich bringen wird. Es sei lediglich der erste von vielen Schritten zur Stabilisierung der Lage, mit denen die Bedingungen für Investitionen und Tourismus geschaffen werden könnten, sagte er.

Die Regierung verfolgt das Ziel, die Zahl der Touristen auf den Philippinen bis 2016 auf zehn Millionen zu erhöhen. In der ARMM hofft man indes, dass viele Reisende auch einen Abstecher in die Region machen werden.

 

 

 

 

 

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