Gute Beispiele aus

Bhutan: Ein ganzer Staat wird Bio-Land – weltweit der erste


Bhutans oberste Bruttosozialglücks-Chefin Karma Hamu. Foto: Sascha Zastiral

Bhutan, Februar 2013 (EU/ US). Das kleine, im Himalaya gelegene Königreich Bhutan ist entschlossen, das erste 100 Prozent biologische Land der Welt zu werden. In Zukunft wird in Bhutan nur mehr biologische Landwirtschaft erlaubt sein, der Verkauf von Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln wird verboten, berichtet die britische Tageszeitung „Guardian“.

Die Regierung des Landes, in dem rund 700.000 Menschen leben, erwartet, dass dadurch der Ertrag aus der Landwirtschaft gesteigert wird. Der Überschuss der erwirtschafteten Lebensmittel soll in die Nachbarstaaten Indien und China sowie in andere Länder exportiert werden.

Die Entscheidung dafür hätte sowohl praktische als auch philosophische Gründe, sagt Bhutans Landwirtschaftsminister Pema Gyamtsho. Weil Bhutan hauptsächlich im Gebirge liegt, würden Pestizide und Pflanzenschutzmittel die Hänge hinunterfließen und so Gewässer und Pflanzen schädigen. „Wir sind der Meinung, dass wir die gesamte Umwelt berücksichtigen müssen“, sagt Gyamtsho. „Aber wir sind auch Buddhisten und glauben an ein Leben in Harmonie mit der Natur.“

Bhutan hat bereits 1998 Geschichte geschrieben, weil es als erstes Land der Welt das „Bruttosozialglück“ seiner Einwohner als Staatsziel in die Verfassung aufnahm. Der Begriff ist eine Erfindung des Königs, der ihn zum ersten Mal 1979 gebrauchte – als Antwort auf eine Journalistenfrage nach dem Bruttosozialprodukt des Landes.

Dieses Bruttosozialglück wird nach einer komplizierten Formel errechnet, in die die durchschnittliche Zufriedenheit der Bevölkerung in neun Kategorien eingeht: Zufriedenheit mit ihrem Lebensstandard, ihrer Gesundheit, ihrem psychischem Wohlbefinden, mit Bildung, ökologischer Vielfalt, Intensität des Gemeinschaftslebens, Zeitnutzung, Zustand der Kultur, guter Regierungsführung. Alle drei Jahre schwärmen die Beamten der Glücksbehörde mit dicken Fragebögen aus und fragen die Leute unter anderem folgende Fragen: Wie zufrieden sind Sie mit der Sauberkeit der Luft? Mit der Regierung? Mit den Schulen Ihrer Kinder? Wie gut schlafen Sie? Kümmern sich die Mitglieder Ihrer Familie umeinander?

(Eine Nachricht des EU-Umweltbüros, ergänzt von Ute Scheub)

 

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