Gute Beispiele aus

Argentinien: Nachhaltige Dorfprojekte erleichtern Leben im armen Nordosten

Soledad Olivera mit ihrem Sohn vor ihrem neuen Badezimmer in einem Dorf im Nordwesten Argentiniens. Foto: Fabiana Frayssinet/IPS

Von Fabiana Frayssinet

Bonpland, Argentinien, 30. Dezember 2014 (IPS) – Die Sommer im Nordosten Argentiniens sind heiß und feucht. An den Nachmittagen gönnen sich die Bewohner gern einen ‚tereré‘, einen Matetee. Im Gemeindebezirk Bonpland in der Provinz Misiones können sie das Wasser für ihr Lieblingsgetränk inzwischen mit Hilfe von Solarboilern erhitzen.

Andrés Ortigoza lebt in der Ortschaft Picada Norte. Besuchern zeigt er stolz seinen neuen Sonnenkollektor, der ihm zu warmen Duschen verhilft. Denn selbst hartgesottene Gauchos, wie die Viehtreiber in Argentinien genannt werden, waschen sich nur ungern mit kaltem Wasser. „Früher war das anders und in den Wintern eine Tortur“, erinnert er sich. Erhitzt wurde das Wasser damals ausschließlich über offenen Feuerstellen.

Seit 2010 sind Picada Norte und andere Dörfer, die zu Bonpland gehören, an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Allerdings kommt es immer wieder zu Versorgungsengpässen. Außerdem stellen die Stromgebühren für viele Familien eine finanzielle Bürde dar.

Die Installation solarbetriebener Wasserboiler ist eines der Projekte, die in Bonpland über das ‚Small Grants Programme‘ (SGP) der Globalen Umweltfazilität (GEF) finanziert werden. Mit Zuwendungen von bis zu 50.000 US-Dollar, die nicht zurückgezahlt werden müssen, können kleine Landgemeinden auf eigene Initiative gegen globale Umweltprobleme angehen. 

Die Wälder der Provinz Misiones beheimaten die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten Argentiniens. Sie sind Teil der Tropischen-Regenwald-Öko-Region des Paraná-Beckens, die sich bis nach Paraguay und Brasilien erstreckt.

Regenwald stark dezimiert



Doch der Reichtum an natürlichen Ressourcen ist gefährdet. „Um 1950 erstreckte sich der Regenwald in diesen drei Ländern noch über eine Gesamtfläche von 80 Millionen Hektar. Heute sind davon nur noch vier Millionen Hektar übrig geblieben. Davon befinden sich 1,5 Millionen Hektar in Misiones“, berichtet Juan Manuel Díaz, der stellvertretende Leiter der Umweltbehörde der Provinz. Etwa die Hälfte der Fläche von Misiones sei von Dschungel bedeckt. 

Laut Ricardo Hunghanns, Vorsitzender der Vereinigung der Tabá Isiriri-Völker von Arroyo, werden 45 Prozent der produktiven Flächen der Provinz von der Forstindustrie in Beschlag genommen. Deren Aktivitäten hätten seit 1990 die traditionelle Verteilung von Land und die Wirtschaft in der Provinz radikal verändert.

„Inzwischen trägt die Papierproduktion etwa 80 Prozent zum argentinischen Bruttoinlandsprodukt bei“, erläutert Hunghanns, dessen Organisation an zwei SGP-Projekten mitwirkt. Oberstes Ziel seiner Organisation sei die Stärkung einer sozialen Wirtschaft, die auf Inklusion und Entwicklung der Landgemeinden abhebe. „Uns geht es darum, die landwirtschaftlichen Aktivitäten zu diversifizieren und Kooperativen zu gründen, die auch den Menschen offen stehen, die von ihrem Land vertrieben wurden“, betont er.

Leitungs- statt Flusswasser

Sara Keller bezog ihr Wasser 45 Jahre lang aus einem Fluss, der einen Kilometer von ihrem Haus im Dorf Campiñas entfernt ist. Jeden Tag schleppte die sechsfache Mutter einen 20-Liter-Kanister nach Hause. Insgesamt legte sie dafür mehr als 20.000 Kilometer zurück. Heute kommt das kostbare Nass aus dem Hahn. Die 52-Jährige verdankt diesen Luxus ebenfalls einem SGP.

Die Projekte, die auch auf die Stärkung der Rolle der Frau abzielen, nehmen besondere Rücksicht auf die Bedürfnisse und Wünsche der Frauen. Die 18-jährige Soledad Olivera, die mit ihrem zweiten Kind schwanger ist, freut sich über ein Badezimmer mit Dusche und Toilette in ihrem Haus in Picada Norte. 

Über das von dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) implementierte SGP werden derzeit 20 Projekte in Misiones finanziert. Darunter fallen Initiativen zum Schutz von Quellgebieten sowie für nachhaltige Landwirtschaft, Ökotourismus, Abfallentsorgung und Herstellung traditioneller Medizin.

Die Empfänger der Zuwendungen stellen im Gegenzug ihre Arbeitskraft, die Kommunen Maschinen bereit. In ganz Argentinien werden über das SGP 52 Projekte im Wert von 1,8 Millionen Dollar finanziert. Dazu meint Diana Vega von der zentralen argentinischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsbehörde: „Wir haben erkannt, dass nationale Strategien oft nicht die Graswurzelebene erreichen.“ Initiativen der Kommunen hätten sich als nachhaltig und zukunftsweisend herausgestellt.

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.