Gute Beispiele aus

Argentinien: Kochen mit der Kraft der Sonne

Solarkiosk in Purmamarca. Foto: EcoAndina

Von Marcela Valente

Buenos Aires, 22. Februar 2013 (IPS) – Im Norden Argentiniens wird Karneval gefeiert, und wie immer bei solchen Anlässen sorgen zahlreiche Imbissbuden für das leibliche Wohl. Doch in diesem Jahr sind Garküchen der anderen Art dabei. Hier werden die Speisen mit der Kraft der Sonne zubereitet. Unterstützung für das Projekt kommt von der deutschen Botschaft und ‚Wisions‘, einer Initiative des Wuppertal Instituts.

In der Hochgebirgsregion La Puna in den Anden, wo fast bis Ende Februar gefeiert wird, haben die Förderer alternativer Energien in Touristenorten wie Tilcara, Humahuaca und La Quiaca so genannte ‚Solarkioske‘ eingeführt. Die Küchen auf Rädern sind mit wasserdichten Dächern und Parabol-Solarkochern ausgestattet. An den Abenden oder an bewölkten Tagen steht eine Propangasflasche bereit, außerdem gibt es einen Wasserspender, einen Kühlschrank, Werbeschilder und Küchenutensilien.

„Die Leute sind erst skeptisch und fangen dann an zu staunen“, erzählt Marta Rojas, die vor kurzem einen Kiosk in Tilcara, dem historischen Karnevalszentrum, eröffnet hat. „Viele wollen den Hohlspiegel anfassen, um sich zu überzeugen, dass er wirklich funktioniert. Und dann verbrennen sie sich die Finger“, lacht sie.

Die treibende Kraft hinter der Initiative ist die Stiftung ‚EcoAndina‘, die seit 25 Jahren an der Entwicklung von Techniken zur Nutzung des in der Region reichlich vorhandenen Sonnenlichts arbeitet. In dem trockenen Bergland sind Vegetation und Wasserquellen nur spärlich vorhanden. Die Tages- und Nachttemperaturen können stark schwanken.

Rojas, die eigentlich Lehrerin ist, lernte den Umgang mit dem Solarkocher in Kursen, die EcoAndina anbietet. Um in der Karnevalszeit ihre Speisen anbieten zu können, mietet sie den Kiosk bei der Stiftung zu einem subventionierten Preis. „Bis jetzt haben wir vegetarische Pizza und Teigtaschen aus Quinoa zubereitet“, sagt sie. „Viele Touristen, die Vegetarier sind, haben unsere Broschüren mitgenommen. Aber auch Fleischliebhaber kommen auf ihre Kosten, für sie gibt es gebratenes Ziegenfleisch mit Kartoffeln.“

Rekordzahl an Sonnenstunden



La Puna im Nordwesten der Provinz Jujuy ist eine der Regionen mit den meisten Sonnenstunden weltweit, ebenso wie das Altiplano im benachbarten Bolivien oder die Hochebenen von Tibet und Afghanistan. La Puna ist also ein ideales Labor für Experimente mit Sonnenenergie. Bis jetzt hat EcoAndina etwa 900 Solareinheiten – z. B. Herde und Backöfen, Warmwasseraufbereiter und Heizungen – entwickelt und installiert.
Die mit finanzieller Hilfe aus Deutschland umgesetzten Projekte sollen einen Beitrag zur Förderung der erneuerbaren Energien leisten und dauerhaft Arbeitsplätze schaffen.

Die Industriedesignerin Virginia Bauso ist die Erfinderin der Solar-Kioske. Seit zwei Jahren wirbt sie mit Kollegen in Tilcara für Sonnenenergie. Die Gruppe zeigt der Bevölkerung, wie man allein mit der Kraft der Natur Sandwiches grillen kann. „Wir haben Erfolg“, berichtet sie stolz. Bei der Entwicklung der mobilen Garküchen orientieren sich die Designer vor allen an den Bedürfnissen von Kleinunternehmerinnen. Der erste Prototyp wurde 2011 fertiggestellt.

Gesunde Speisen, nachhaltige Technologie





Seit Beginn dieses Jahres ist etwa ein Dutzend dieser kleinen Fahrzeuge in verschiedenen Städten der Region unterwegs. Die Initiatoren wussten, dass im Februar immer viele Touristen aus Argentinien und dem Ausland zum Karneval nach La Puna kommen. „Wir wollten ihnen eine gesunde Alternative bieten. Auf keinen Fall sollen die Kocher für die Zubereitung von Hot Dogs oder Pommes Frites verwendet werden. Wir verkaufen etwa Gemüse- und Quinoa-Eintöpfe und Maistacos“, erklärt Bauso.

Zu trinken gibt es heißen oder kalten Tee aus Cocablättern mit Zitrone, Zimt und Zucker, der gut gegen die Höhenkrankheit hilft, unter der viele Besucher in Orten 2.700 bis 4.600 Meter über dem Meeresspiegel leiden. Wenn morgens die Sonne brennt, dauert es etwa zwölf Minuten, bis ein Liter Wasser zu kochen beginnt.

Bauso zufolge ist der Parabolschirm aus Aluminium mit einem Durchmesser von 1,2 Metern nicht immer einfach zu bedienen. Er muss ganz genau auf die Sonne ausgerichtet werden. Gusseiserne Pfannen funktionieren am besten, Aluminium geht aber auch. „Die Frauen bringen am liebsten ihre eigenen Töpfe mit“, so Bauso.

Mit Hilfe der von EcoAndina gedruckten Broschüren werden die Solarkocher auch in anderen Landesteilen Argentiniens bekannt gemacht. Bauso sieht das Projekt allerdings noch in einem Anfangsstadium. „Wir müssen noch an den Kochern arbeiten und stellen gerade ein Benutzerhandbuch zusammen.“

Zurzeit machen Solar- und Windkraft erst 1,1 Prozent der gesamten Stromproduktion in Argentinien aus. Doch vor allem in armen und isoliert liegenden Gebieten werden alternative Energiequellen dringend benötigt. „In den ländlichen Regionen gibt es keine Gasleitungen“, sagt Bauso. „Gasflaschen sind teuer, und Brennholz ist wegen der fortschreitenden Wüstenbildung sogar noch knapper.“

 

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